Kreuzlingen
«Schon daheim rief Niro: ‹Nein, ich will nicht!›»: Kinder sollen endlich gern zum Coiffeur gehen

Am 2. März eröffnen Gabriele und Rocco Marcone in Kreuzlingen einen Coiffeursalon nur für Kinder. Bei einem Besuch bei «Nilu» sollen die Kinder Spass haben und die Eltern zur Ruhe kommen.

Rahel Haag
Merken
Drucken
Teilen
Rocco und Gabriele Marcone in ihrem Kinder-Coiffeursalon Nilu in Kreuzlingen.

Rocco und Gabriele Marcone in ihrem Kinder-Coiffeursalon Nilu in Kreuzlingen.

Bild: Kevin Roth

Unter anderem war es das schlechte Gewissen, das Gabriele Marcone auf die Idee gebracht hat. Sie ist Mutter von zwei Buben – Niro ist zehn, Luis fünf Jahre alt. Das schlechte Gewissen kam jeweils beim Coiffeurbesuch auf. «Beispielsweise, wenn Luis quengelte oder schrie und die anderen Gästen geschaut haben», sagt sie. Das seien Momente gewesen, in denen sie am liebsten gegangen wäre.

«Ich hatte immer das Gefühl, dass ich Rücksicht nehmen muss.»

Kommt hinzu: Auch die beiden Buben hätten jeweils keine Freude gehabt. «Schon daheim rief Niro: ‹Nein, ich will nicht!›», erzählt Ehemann Rocco Marcone.

Der Empfang des Kinder-Coiffuers.

Der Empfang des Kinder-Coiffuers.

Bild: Kevin Roth

Dieses Phänomen beobachtet das Paar aus Ermatingen schon seit Jahren, nicht nur bei sich und den eigenen Kindern, sondern auch bei Freunden und deren Nachwuchs. Damit soll nun Schluss sein. Am 2. März eröffnen Marcones an der Konstanzerstrasse 5 in Kreuzlingen den Coiffeursalon Nilu nur für Kinder.

Das Haareschneiden wird hier fast zur Nebensache

Vor dem Salon geht es schon los. Hier stehen drei einzelne Kinderfahrgeschäfte: Ein Spaceshuttle, ein Auto und ein Barbiebus. «Der durfte nicht fehlen», sagt Rocco Marcone und grinst seine Frau an.

Die Spielautomaten für die Kinder.

Die Spielautomaten für die Kinder.

Bild: Kevin Roth

Drinnen wähnt man sich in einem Kinderparadies. Es gibt zwei Spielecken: Eine mit weiteren Automaten, die andere mit einem Häuschen und einer Rutschbahn. Weiter gibt es einen langen Tisch, an dem die Kinder malen und die Eltern Kaffee trinken können. Gabriele Marcone sagt:

«Es soll auch Richtung Mami-Café gehen.»

Aufgrund der Coronapandemie gebe es den Kaffee vorerst aber nur zum Mitnehmen beziehungsweise draussen Trinken. Das Ziel ist aber klar: Die Kinder sollen Spass haben, die Eltern zu Ruhe kommen. Dazu soll auch das Familien-WC mit Wickeltisch und die Küche mit Flaschenwärmer beitragen.

Die Coiffeurstühle für die Kinder haben die Form von Autos.

Die Coiffeurstühle für die Kinder haben die Form von Autos.

Bild: Kevin Roth

Das Haareschneiden wird hier fast zur Nebensache. Die Coiffeurstühle für die Kinder haben die Form von Autos, die Wände zieren bunte Graffiti. Auf der einen Seite findet man Superhelden wie Spiderman, gegenüber lächelt einem eine blonde Prinzessin zu. Rocco Marcone sagt strahlend:

«Bei der Planung und Umsetzung haben wir uns selber wieder in Kinder verwandelt.»
Die Wände zieren diverse Graffiti von Superhelden und einer Prinzessin.

Die Wände zieren diverse Graffiti von Superhelden und einer Prinzessin.

Bild: Kevin Roth

Und wer schneidet hier eigentlich die Haare? «Wir haben zwei Coiffeure eingestellt», sagt Gabriele Marcone, die in der Eventbranche arbeitet. Einen Dritten würden sie noch suchen. Entscheidend sei, dass es liebevolle Personen seien, die einen guten Draht zu Kindern hätten.

Sie träumen von mehreren Salons

Marcones haben viel in ihre Idee investiert. Eine Zahl möchten sie nicht nennen. Rocco Marcone, Geschäftsführer der Swiss Metallhandel GmbH, sagt nur:

«Andere kaufen sich ein Haus, wir haben unseren Laden umgebaut und eingerichtet.»

Ihr Traum: Sollte sich das Konzept bewähren und Anklang finden, wollen Marcones expandieren. «Wir könnten uns vorstellen, mehrere Salons zu betreiben», sagt Gabriele Marcone.

Am kommenden Dienstag steht nun aber die Eröffnung des ersten Kinder-Coiffeursalons Nilu an. Diese wird aufgrund der Pandemie allerdings leise über die Bühne gehen. Die grosse Einweihung soll später nachgeholt werden. Übrigens hatten die beiden Söhne auch Einfluss auf den Namen – er setzt sich nämlich aus den jeweils ersten beiden Buchstaben ihrer Vornamen zusammen.