Kreuzlingen
Nehmen Sie Platz! – Auf der «Bank des Zuhörens»

Die Evangelische Kirchgemeinde Kreuzlingen feierte am Dienstagabend die Vernissage eines neuen Kunstwerks, das in der Stadtkirche zu sehen sein wird.

Judith Schuck
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Lisa Böhm und Nisha Binder (vorne) sowie Lynn Ebert, Lilli Leinemann, Künstlerin Dorota Scheler, Kirchgemeindepräsidentin Susanne Dschulnigg, Jugendarbeiterin Andrea Bevelacaqua und Pfarrer Stefan Hochstrasser mit der «Bank des Zuhörens».

Lisa Böhm und Nisha Binder (vorne) sowie Lynn Ebert, Lilli Leinemann, Künstlerin Dorota Scheler, Kirchgemeindepräsidentin Susanne Dschulnigg, Jugendarbeiterin Andrea Bevelacaqua und Pfarrer Stefan Hochstrasser mit der «Bank des Zuhörens».

Bild: Judith Schuck

Anfang des Schuljahres stellten sich die evangelischen Religionslehrer in Kreuzlingen die Frage, wie sie unter den verschärften Coronavorgaben den Unterricht gestalten könnten. «Lassen wir es ganz sein oder gibt es Alternativen?» Pfarrer Stefan Hochstrasser hatte schliesslich gemeinsam mit Jugendarbeiterin Andrea Bevelaqua eine Idee. In der Gemeinde gab es einige ausrangierte Kirchenbänke. Und die Bank stehe für Absitzen, Begegnungen und Zuhören. «Aber auch für Vorurteile und Missverständnisse», erläuterte der Pfarrer, denn wer sich nicht die Zeit nehme, sich auf seine Mitmenschen richtig einzulassen, sehe oft nur, was er sehen wolle. Vorurteile, schlecht übereinander reden und Mobbing seien häufige Themen in der Oberstufe.

Gemeinsam am Kunstprojekt arbeiten

Anstatt den Unterricht also gänzlich zu streichen, bemalten die Sekundarschüler lieber in fünf kleinen Gruppen eine dieser Bänke und gestalteten sie mit Hilfe der Kreuzlinger Künstlerin Dorota Scheler zur «Bank des Zuhörens». Aus einer spontanen Idee seien so zwei tolle Nachmittage entstanden, sagt Andrea Bevelaqua bei der Vernissage. Rund 45 Oberstufenschüler arbeiteten so je eine Stunde am Kunstwerk. Auf der Lehne sticht der Satz «Respekt fängt beim Zuhören an» hervor. Dieser ist gleich in mehrere Sprachen übersetzt. Schüler Nisha Binder sagt dazu:

«Man soll nie vergessen, dass man den Leuten zuhören soll. Egal, welche Sprache sie sprechen.»

Die Künstlerin Dorota Scheler, die unter anderem in einer Galerie neben dem Einkaufszentrum Ceha an der Hauptstrasse ihre Bilder ausstellt, empfand die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen als erfrischend: «Es war unglaublich lustig und spontan. Von euch jungen Leuten können wir uns die Leichtigkeit abschauen, aus der Kreativität entsteht.»

Viele kleine Geschichten und Symbole auf warmem Gelb

Bevor sie die Bank gelb lackierten und mit bunten Quallen, Regenbogen, Seifenblasen und Sprüchen verzierten, fertigten die Schüler Skizzen an und überlegten sich, was es für verschiedene Aspekte des Zuhörens gebe. «Es ist sogar eine Paradiesszene darunter, denn das Zuhören war schon bei Adam und Eva ein Problem», gibt Stefan Hochstrasser zu bedenken. Eine Uhr symbolisiere die Zeit, die es brauche, um auf seine Mitmenschen angemessen einzugehen.

Regula Sieber begleitete die Enthüllung des Kunstwerks musikalisch. Danach trugen die Schüler sie nach hinten in den Eingangsbereich der Stadtkirche. Es könne gut sein, dass dort mal ein Pfarrer oder Diakon sitzen werde, um zuzuhören, so Hochstrasser. Aber auch, dass die Bank plötzlich an einem anderen Ort in Kreuzlingen auftauche. Mehr dazu werde aber noch nicht verraten.

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