Kreuzlingen
Mit Gegenwind hat sie kein Problem: Die 21-jährige Ashley Bauer stellt sich als Präsidentin der CVP zur Wahl

Die Kreuzlinger Christdemokraten wollen sich vermehrt auf die Jungen ausrichten. Dabei soll ihnen die 21-jährige Ashley Bauer helfen, die sich für das Amt als Präsidentin kandidiert.

Rahel Haag
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Ashley Bauer stellt sich für das Präsidium der CVP Ortspartei Kreuzlingen zur Wahl.

Ashley Bauer stellt sich für das Präsidium der CVP Ortspartei Kreuzlingen zur Wahl.

Bild: Andrea Stalder

Der Wind zerrt unaufhörlich an ihren Haaren. Ashley Bauer steht am Kreuzlinger Hafen. Die 21-Jährige stellt sich als neue Präsidentin der CVP Ortspartei Kreuzlingen zur Wahl. Den Ort für die Pressekonferenz hat sie ausgewählt. Zur Begründung sagt sie:

«Weil er für viele Junge in den vergangenen anderthalb Jahren ein Stück Normalität bedeutete.»

Hinter der jungen Frau liegt das Impfschiff im Hafen. Das Kreuzlinger Naherholungsgebiet empfinde sie als grossen Pluspunkt, gerade in Zeiten einer Pandemie. «Zudem sind der Hafen und der Seeburgpark ein Begegnungsort für Alt und Jung.»

Aktuell hat Eva Dal Dosso das Amt inne. Sie hat es nach dem Rücktritt von Präsident Marc Bischofberger Ende April 2020 ad interim übernommen. Doch die Ortspartei habe sich eine Neuausrichtung gewünscht. Deshalb hätten sie im vergangen Jahr eine Kerngruppe gegründet, die sich dem Thema annahm. Dal Dosso sagt:

«Zum Glück haben sich dort auch zwei Mitglieder der Jungen CVP eingebracht ‒ eine von ihnen war Ashley Bauer.»
Eva Dal Dosso, Vizepräsidentin der CVP Ortpartei Kreuzlingen.

Eva Dal Dosso, Vizepräsidentin der CVP Ortpartei Kreuzlingen.

Bild: PD

Bauer habe denn auch Interesse gezeigt, das Präsidium zu übernehmen. Noch diesen Monat findet die Jahresversammlung der Ortspartei – aufgrund der Pandemie – schriftlich statt. In diesem Rahmen soll Bauer gewählt werden. Sie wäre die jüngste Präsidentin in der Geschichte der CVP Ortspartei Kreuzlingen.

Verjüngung im Hinblick auf die Wahlen

«Wir wollen den Generationenwechsel einleiten», sagt CVP-Gemeinderat Thomas Dufner, «und uns vermehrt auf die Jungen ausrichten.» Denn gerade auch im Hinblick auf die Gemeinderatswahlen in zwei Jahren wünschten sie sich eine Verjüngung.

«Es ist wichtig, dass die Sichtweise der Jungen im Gemeinderat abgebildet wird.»
Thomas Dufner, CVP-Gemeinderat.

Thomas Dufner, CVP-Gemeinderat.

Bild: PD

Sie hofften, dass sie diesen Schritt mit einer jungen und gut vernetzten Präsidentin wie Ashley Bauer machen könnten.

Bei den letzten Gemeinderatswahlen 2019 hat die CVP einen Sitz und damit auch die Fraktionsstärke verloren. Diesen Trend wolle sie umkehren, sagt Bauer. «Mein Ziel ist es, die CVP Kreuzlingen wieder ins Gespräch zu bringen.»

Doch weshalb will die junge Frau, die sich seit zweieinhalb Jahren bei der jungen Mitte engagiert, das Präsidium überhaupt übernehmen? Für sie sei es eine Chance, direkt in die Politik einzusteigen, sagt Bauer. Diese wolle sie packen.

«Denn solche Chancen fliegen einem nicht einfach so zu.»

Stellt sich auf der anderen Seite die Frage, ob es für die Ortspartei nicht auch riskant ist, auf eine junge Präsidentin zu setzen. Dufner sagt: «In der Politik gibt es immer Risiken.» Zudem sei Bauer nicht auf sich allein gestellt, sondern werde von einem breitgefächerten Vorstand mit der entsprechenden Erfahrung unterstützt. Auf diese Weise könne sie in das Amt hineinwachsen. Dufner fügt hinzu: «Ich bin überzeugt, dass dieser Schritt für beide Seiten eine Chance ist.»

Bei der SVP hat es nicht ganz gestimmt

Bauer kam im Alter von fünf Jahren nach Kreuzlingen und ist im Haus Bodensee der Stiftung Dihei gemeinsam mit sechs Pflegegeschwistern aufgewachsen. Ihre Kindheit sei durch den christlichen Glauben geprägt gewesen. Schon früh hat sie sich für Politik interessiert und ist bereits mit 14 einer Partei beigetreten, der SVP. Dazu sagt sie:

«Bei der SVP hat es für mich aber nicht ganz gestimmt.»

2019 machte sie die Fachmatura im Bereich Soziale Arbeit, seither arbeitet sie in der Öffentlichkeitsarbeit für schweizerische Hilfs- und Umweltorganisationen. Entsprechend lägen ihr auch Umweltthemen am Herzen. «Ich denke, die Aufrechterhaltung der Umwelt sollte allen Menschen am Herzen liegen.»

Der Wind zerrt noch immer an ihren Haaren. Damit, dass er auch einmal von vorne kommt, hat Bauer aber kein Problem. Sie sagt:

«Wenn man seine Meinung äussert, muss man auch mit Gegenwind rechnen.»