Kreuzlingen
Keine Sammeltour, dafür mehr Sammelstellen: Stadtrat bietet in Sachen Kuh-Bag-Entsorgung einen Kompromiss an

SP-Gemeinderat Cyrill Huber wollte im Rahmen einer schriftlichen Anfrage wissen, ob der Kreuzlinger Stadtrat für die Kuh-Bags eine Sammeltour organisieren könne.

Rahel Haag
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Mit Plastik gefüllte Kuh-Bags im Entsorgungshof Kreuzlingen.

Mit Plastik gefüllte Kuh-Bags im Entsorgungshof Kreuzlingen.

Bild: Andrea Stalder
(9. August 2016)

38 Tonnen Plastik haben die Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger im vergangenen Jahr gesammelt. Es könnte aber mehr sein, ist SP-Gemeinderat Cyrill Huber überzeugt. Das Problem: Die Privaten sammeln ihren Plastikabfall in sogenannten Kuh-Bags, die nur im regionalen Annahmezentrum (RAZ) abgegeben werden können. Huber schreibt in einer schriftlichen Anfrage:

«Es wurde uns aus der Bevölkerung bereits mehrfach zugetragen, dass die Leute an der Kunststoffsammlung mit dem Kuh-Bag nicht mitmachen können, da es für sie unmöglich ist, den grossen Sack ins RAZ zu transportieren.»
Cyrill Huber, SP-Gemeinderat.

Cyrill Huber, SP-Gemeinderat.

Bild: PD

Dies treffe vielfach ältere und nicht mobile Einwohner der Stadt sowie der angrenzenden Gemeinden Bottighofen und Lengwil. 60 respektive 35 Liter fasst ein Kuh-Bag. Einen solchen mit dem Velo oder im Bus zu transportieren, wird aufgrund des Volumens tatsächlich zur Herausforderung. Deshalb möchte Huber – der den Kuh-Bag 2015 initiiert hatte – vom Stadtrat wissen, ob die Säcke nicht in einer separaten Sammeltour abgeholt werden könnten.

Holsammlung kostet doppelt so viel wie Bringsystem

In seiner Beantwortung gibt der Stadtrat dieser Idee allerdings einen Korb. Der Grund: zu hohe Kosten. Er schreibt:

«Das gesammelte Kuh-Bag-Material hat den Nachteil, dass es gegenüber einem geringen Gewicht ein relativ grosses Volumen aufweist. Dies wirkt sich stark auf die Logistikkosten aus.»

Erfahrungen mit der Kuh-Bag-Holsammlung aus der Stadt Wil zeigten, dass diese bei gleich grosser Sammelmenge, sprich zirka zwei Kilogramm pro Kopf und Jahr, doppelt so teuer ist wie das bestehende Bringsystem in Kreuzlingen.

Doch auch der Stadt ist die Kritik betreffend Rückgabe bekannt. Deshalb startet sie nun mit dem Kehrichtverband (KVA) Thurgau einen Pilotversuch für einen massvollen Ausbau der Abgabestellen. Neu hat die Bevölkerung nebst dem RAZ folgende Rückgabestellen für Kuh-Bags zur Verfügung: die Sammelstellen Akazienweg, Bärenplatz und Pauli/Blaues Haus.

Der Verband KVA Thurgau habe hierfür an den drei neuen Sammelstellen jeweils einen silbernen Baustellencontainer aufgestellt und mit dem bekannten Kuh-Bag-Signet beschriftet, heisst es in einer Medienmitteilung.

Stefan Braun, Umweltbeauftragter der Stadt Kreuzlingen, und Stadtrat Ernst Zülle deponieren Kuh-Bags bei der Sammelstelle Pauli/Blaues Haus.

Stefan Braun, Umweltbeauftragter der Stadt Kreuzlingen, und Stadtrat Ernst Zülle deponieren Kuh-Bags bei der Sammelstelle Pauli/Blaues Haus.

Bild: PD

Die Säcke können von Montag bis Samstag von 8 bis 20 Uhr direkt im Container deponiert werden. Weiter heisst es:

«Die Container sind während dieser Zeit offen, die Säcke können im Container sicher vor Wetter und Tieren gelagert werden.»

Der Verband KVA Thurgau organisiere die regelmässige Leerung der Container. Das Dienstleistungszentrum der Sozialen Dienste der Stadt Kreuzlingen kontrolliere sie auf Verunreinigungen.

Verband will Rücknahmesystem verbessern

Doch das ist nur der Anfang. Gemäss dem Verband KVA Thurgau sei der Kuh-Bag ein Erfolgsmodell und solle fester Bestandteil der Thurgauer Entsorgungslandschaft bleiben, schreibt der Stadtrat in seiner Beantwortung weiter. Entsprechend prüfe der Verband zurzeit langfristige Verbesserungen des Kuh-Bag-Rücknahmesystems.

«Mögliche Massnahmen werden jedoch frühestens ab 2025 umgesetzt werden können.»

Eine dieser möglichen Massnahmen könnte eine gleichzeitige Sammlung mit dem Kehrichtsack sein.

Sammelmenge wächst kontinuierlich

Die anfängliche Sammelmenge wuchs im Verbandsgebiet der KVA Thurgau von 250 Tonnen im Jahr 2016 auf 407 Tonnen im Jahr 2020. Der Anteil der Stadt Kreuzlingen von 38 Tonnen entspricht etwa 9 Prozent der Sammelmenge. Die 38 Tonnen entsprechen wiederum rund 20'000 Säcken à 60 Liter pro Jahr. Das gesamte Verbandsgebiet des Verbands erstreckt sich über insgesamt 70 Gemeinden in den Kantonen Thurgau und Schaffhausen. (rha)