Kreuzlingen ist ein gutes Pflaster für Technik-Freaks

Grosse Ehre: Die lokalen Schulen bekommen den MINT-Preis der ETH für ihr Engagement für Informatik und Naturwissenschaft.

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Jeremy Feusi, Schüler der Kantonsschule Kreuzlingen, durfte 2019 an die Biologieolympiade in Ungarn und gewann dort die Silbermedaille.

Jeremy Feusi, Schüler der Kantonsschule Kreuzlingen, durfte 2019 an die Biologieolympiade in Ungarn und gewann dort die Silbermedaille.

(Bild: Andrea Stalder)

(red) Letzte Woche konnte eine Delegation aus Lehrpersonen und Schulleitern aus Kreuzlingen an der ETH in Zürich den diesjährigen MINT-Preis entgegennehmen. Der Preis wird im Rahmen des 10. Schweizer Tag für den Informatikunterricht verliehen. Unter dem Begriff MINT-Fächer werden Unterrichtsfächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zusammengefasst. Die ehrenvolle Auszeichnung geht an die Primar- und Sekundarschule und die Kantonsschule in Kreuzlingen.

Am Anfang war ein kleines Freifachprojekt

Alles begann im Jahr 2011, als Michele Miani, Schulleiter des Schulzentrums Schreiber, mit Ralph Schumacher von der ETH Zürich in Kontakt kam. Gesucht wurde ein Anschlussprojekt für die Begabungsförderung im Bereich Mathematik und Informatik. Aus dem kleinen Freifachprojekt entwickelte sich nach und nach ein nachhaltiges Schulprojekt.

Die ETH Zürich stellte dazu für den Unterricht massgeschneiderte Unterrichtsmaterialien zusammen und bildete die Lehrerteams aus. Immer mehr Schulzentren aus Kreuzlingen konnten für die Projekte und die dazugehörige Studie gewonnen werden. 2017 stiegen auch die Sekundarschulen ein.

Lernen mit Holz und mit elektronischen Geräten

Die Kreuzlinger Schulen wurden für die Kooperation mit der ETHZ und das grosse Engagement der Lehrpersonen und Schulleitungen gewürdigt. Die neueste Zusammenarbeit findet in einer Studie mit den Kindergartenkindern statt. Dabei wird nach Einwilligung der Eltern untersucht, wie wirkungsvoll Logik und erste Programmierfähigkeiten spielerisch erlernt werden können. Insbesondere ist spannend, ob elektronische Geräte dabei eine grössere Wirkung zeigen als analoge Holzspiele. Ergebnisse werden für das Jahr 2021 in Aussicht gestellt. Auch die zuständigen Kindergartenlehrpersonen seien auf die Resultate gespannt, heisst es in der Mitteilung der Schulen Kreuzlingen.

In der Primarschule werden Themen wie «schwimmen und sinken», «Luftdruck», «Schall», «Brücken bauen» und « Magnetismus» in den «Mensch und Umweltunterricht» eingebaut. In der Sekundarstufe 1 und 2 werden diese Themen anschliessend aufgegriffen und ausgebaut. Schweizweit nehmen 16000 Kinder an diesen Studien teil. Davon alleine aus Kreuzlingen 1600.

An der Kantonsschule Kreuzlingen wird seit dem Herbstsemester 2014 eine MINT-Klasse geführt, in der die Schüler einen vertieften Unterricht in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik erfahren. Die Schülerinnen und Schüler der MINT-Klasse erwerben die gleiche Matura wie die der anderen Klassen. Laborunterricht in Chemie und Physik findet unter anderem in den Laboratorien der Universität Konstanz statt. 

Gezielte Förderung zeigt Wirkung

Das Lernzentrum der ETH konnte mit der Studie beweisen, dass der Physikunterricht mit den Forscherkisten in der Primarschule sehr lernwirksam ist. Auch ein Jahr später bleibt das Wissen weitgehend konstant. Mädchen und Jungen profitieren in gleichem Umfang und erzielen vergleichbare Ergebnisse. Der Physikunterricht in der Primarschule bereitet die Schüler tatsächlich besser auf zukünftiges Lernen vor. Wer in der Primarschule zum Beispiel mit den Materialien zu «Schwimmen und Sinken» gearbeitet hat, erzielt später in der Sek I beim Thema «Wie entsteht die Auftriebskraft?» deutlich bessere Ergebnisse als Schüler, die herkömmlichen Unterricht erhalten haben. (red)

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