Kreuzlingen
Einwegkameras fangen die Geschichten der Menschen ein – ein Projekt in Konstanz und Kreuzlingen

Das Projekt «Fokus auf Leben» sucht Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um mit ihnen eine Fotoausstellung in der Kirche Kurzrickenbach zu gestalten. Auf analogem Fotofilm sollen Menschen festhalten, was sie bewegt.

Johanna Lichtensteiger
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Arman Köktemir, Andreas Göldi, Benjamin Arntzen und Damian Brot stehen vor dem Open-Place-Gebäude.

Arman Köktemir, Andreas Göldi, Benjamin Arntzen und Damian Brot stehen vor dem Open-Place-Gebäude.

Bild: Michel Canonica

«Wir wollen den Fokus auf die Geschichten der verschiedensten Menschen rücken und Zusammentreffen ermöglichen, die normalerweise nicht stattfinden», sagt Damian Brot, Evangelischer Pfarrer in Kreuzlingen. Mit Benjamin Arntzen, selbstständiger Fotograf, Andreas Göldi, vom offenen Atelier der Stiftung Mansio, und Arman Köktemir, Leiter Bereich Kreatives im Open Place, organisiert er das Projekt «Fokus auf Leben». Zusätzlich sind die offene Jugendarbeit Kreuzlingen, In Via und Projekt 83-Konstanz beteiligt.

Um am Ende eine Ausstellung zusammenzustellen, werden 60 Einwegkameras an Teilnehmerinnen und Teilnehmer verteilt, welche während einer Woche auf Schwarz-Weiss-Film festhalten, was ihr Herz zum Schlagen bringt und ihr Leben ausmacht. Die Kameras seien aus recycelbaren Material und werden nach dem Projekt zurückgeschickt, um daraus neue Kameras herzustellen, sagt Andreas Göldi. Die Beteiligten treffen sich zu insgesamt vier Sitzungen über den Zeitraum Herbst 2021. Benjamin Arntzen sagt: «Jeder ist willkommen, die einzige Bedingung ist, dass 27-mal die Kamera knipst und so der ganze Film genutzt wird.»

Die Fotografie als Sprachrohr

«Der Vorteil an der Fotografie ist, dass sie den Menschen als Sprachrohr dienen kann und abbildet, was nicht in Worte gefasst werden kann», sagt Benjamin Arntzen. Dafür brauche man auch kein Talent, oft würden mit Einwegkameras unabsichtlich Kunstwerke geschaffen. Um den Beteiligten dennoch den Umgang mit den Kameras näherzubringen, findet am 3. September im Café Mondial in Konstanz und am 6. September im Open Place Kreuzlingen eine Einführungssitzung statt. Der Fotograf sagt: «Wir werden auch das Thema Datenschutz ansprechen und instruieren, wie abgebildete Personen nach ihrem Einverständnis gefragt werden sollen.»

Sie hätten sich auf eine Woche für das Fotografieren beschränkt, da die Kameras sonst in Vergessenheit geraten, sagt Damian Brot. Nach dieser Woche werden die Beteiligten wieder zusammenkommen, um die Kameras abzugeben und sich ihre Erfahrungen auszutauschen. Die Organisatoren werden sich anschliessend um die Entwicklung der Bilder kümmern.

Die Organisatoren schauen durch die recycelbaren Einwegkameras.

Die Organisatoren schauen durch die recycelbaren Einwegkameras.

Bild: Michel Canonica

Die Auswahl der Bilder

Bei einer dritten Sitzung, zwei Wochen später, hat jede Fotografin und jeder Fotograf die Möglichkeit, die entwickelten Bilder vorzustellen. Pro beteiligte Person werden zwei Bilder ausgewählt, die an der Ausstellung präsentiert werden. Dieser Auswahlprozess findet in kleineren Gruppen statt und daher an verschiedenen Terminen. Die Menge der Fotos sei sonst unüberschaubar und der Raum für die Beteiligten zu klein, sagt Damian Brot.

Wie die Ausstellung der 120 Bilder aussehen soll, wird von ausgewählten Teilnehmern organisiert. Das Team wird am Ende der dritten Sitzung zusammengestellt und soll aus Mitgliedern aller Institutionen bestehen. Die Vernissage findet am 30. Januar 2022 statt und die ausgewählten Bilder werden vom 31. Januar 2022 bis am 27. Februar in der Kirche Kurzrickenbach ausgestellt. Darauf wird eine Vernissage in Konstanz folgen.

Interessierte können sich bis am 27. August bei Damian Brot (damian.brot@evang-kreuzlingen.ch), Benjamin Arntzen (info@benjaminarntzen.de) oder Andreas Göldi (andreas.goeldi@mansio.ch) melden.

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