Kreuzlingen
«Der Umgang mit Lebensmitteln soll einen anderen Stellenwert bekommen»: In der Primarschule steht neu Gärtnern auf dem Stundenplan

Im Schulzentrum Bernegg in Kreuzlingen bepflanzen die Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen einen Gemüseacker. Unterstützung bekommen sie dabei vom Verein Bodenseegärten und der GemüseAckerdemie.

Judith Schuck
Merken
Drucken
Teilen
Schüler des Schulzentrums Bernegg üben sich im Gartenbau.

Schüler des Schulzentrums Bernegg üben sich im Gartenbau.

(Bild: Arthur Gamsa)

Mit Spaten und Hacken wird der Boden gelockert. In manchen Reihen befinden sind schon Setzlinge: Randen, Krautstiel oder Palmkohl kommen als erste in die Erde. Bereits im Herbst haben die Kreuzlinger Schülerinnen und Schüler den Boden gemulcht, und so die Nährstoffversorgung für das kommende Frühjahr geschaffen.

Marc Buchmann ist Klassenlehrer und Initiator des Projekts Schulgarten an der Schule Bernegg. Er bewarb sich auf einen vom Vierländerverein Bodenseegärten sowie der GemüseAckerdemie Schweiz ausgerufenen Wettbewerb. «Der Grund dafür war, dass wir Tablets für die Schulklassen bekommen haben», sagt Buchmann. Diesen verstärkten Umgang mit dem Digitalen wollte er mit etwas «Handelndem» ausgleichen.

Gärtnern nach Plan

Zwei Klassen mit je rund 20 Schülerinnen und Schülern werden am Montagmorgen von Elisabeth Müssner von der GemüseAckerdemie angeleitet. Sie ist zuständig für die Bepflanzung, die genau nach ihrem Plan angelegt wird.

«Ursprünglich war zwischen den beiden Beeten ein Weg geplant, doch die Schüler gingen so euphorisch an die Arbeit, dass wir diese Fläche auch bepflanzen werden.»

Die GemüseAckerdemie ist ein Bildungsprogramm für Kinder und Jugendliche, an dem in Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein inzwischen über 850 Schulen und Kitas teilnehmen. Gemeinsam mit dem Verein Bodenseegärten begleiten sie die Schulen beim Projekt.

Schüler des Schulzentrums Bernegg üben sich im Gartenbau.

Schüler des Schulzentrums Bernegg üben sich im Gartenbau.

(Bild: Arthur Gamsa)

Monika Grünenfelder von den Bodenseegärten sagt: «Bei den Kindern und Jugendlichen soll nicht nur die Leidenschaft fürs Gärtnern geweckt werden, sondern auch der Umgang mit Lebensmitteln einen anderen Stellenwert bekommen.» Gerade im Hinblick auf Food-Waste ein wichtiger Aspekt. Abgesehen von bekannten Gemüsesorten, werden auch weniger gängige gezogen, damit die Kinder die Vielfalt kennenlernen. Buchmann erzählt:

«Einige Schüler reagierten skeptisch auf die Gartenarbeit und fragten: ‹Warum machen wir das, wir wollen doch was lernen?›»

Sie hätten diese Frage dann gemeinsam beantwortet. Neben Ernährung, Zusammenarbeit und der direkten Rückmeldung durch die Natur, ob etwas geklappt hat oder nicht, gelte es, Verantwortung zu übernehmen. Denn auch während der Ferien wollen die Pflanzen gewässert und gepflegt werden.

Schüler des Schulzentrums Bernegg üben sich im Gartenbau.

Schüler des Schulzentrums Bernegg üben sich im Gartenbau.

(Bild: Arthur Gamsa)

Guter Ausgleich zum Klassenzimmer

Gerade für «Rebellen» sei die körperliche Arbeit an der frischen Luft ein guter Ausgleich zum Klassenzimmer. «Füll mal den Sack mit Blättern und trag ihn zum Beet.» Solche konkreten Aufträge seien oft hilfreich, weiss Buchmann, der vorher selbst wenig Bezug zum Gärtnern hatte. Die Theorie zur Praxis wird im Fach «Natur-Mensch-Gesellschaft» behandelt.

«Pro Woche soll es mindestens eine Lektion zum Schulgarten geben. Eine Verknüpfung zum Digitalen machen wir via Garten-Blog oder Newsletter.»

Der Pflanztermin am Montag war der erste von insgesamt dreien. Zwei weitere folgen vor beziehungsweise nach den Sommerferien. Im Herbst wird der Garten an die Kinder der 3. und 4. Klassen übergeben. Ziel ist, dass er über zwei Jahre von einer Klasse betreut wird.