Kreuzlingen
Das Internet funktioniert auch für lokale Detailhändler, wie drei Beispiele aus der für das Gewerbe schwierigen Grenzstadt zeigen

Drei Kreuzlinger Läden machen auch per E-Commerce gute Geschäfte. Aber von selber funktioniert das nicht und die regionale Verankerung bleibt unerlässlich.

Inka Grabowsky
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Sara Baumgartner bereitet in der Buchhandlung Bodan Bücher für den Versand per Kurier vor.

Sara Baumgartner bereitet in der Buchhandlung Bodan Bücher für den Versand per Kurier vor.

(Bild: Donato Caspari)

Die Spannweite ist gross: Einige Kreuzlinger Einzelhändler wollen von dem Thema gar nichts wissen, andere setzen ganz auf den digitalen Vertrieb: Von «anhaltendem und erfreulich hohem Bestellungseingang» spricht zum Beispiel der Newsletter von «Natur konkret» des Unternehmens von Guido Leutenegger. TG Shop, die Interessenvertretung der Einzelhändler im Kanton, steht dem E-Commerce dagegen weiterhin skeptisch gegenüber. Gerade hat der Verband als Weihnachtsaktion eine Geschenkkarte lanciert, bei dem man für 100 Franken Einsatz Ware für 110 Franken in den 120 teilnehmenden Fachgeschäften und Restaurants beziehen kann. «Die Thurgau Geschenkkarte setzt ein Zeichen gegen den Onlinehandel», heisst es auf der Website. Nicht gar so kritisch sieht das Thema Urban Ruckstuhl vom Gewerbeverband Kreuzlingen:

Urban RuckstuhlUnternehmer und Vorstand von Gewerbe Kreuzlingen

Urban Ruckstuhl
Unternehmer und Vorstand von Gewerbe Kreuzlingen

(Bild: PD)
«Natürlich gibt es Branchen, die sich weniger eignen. Aber wenn die ganze Welt sich in diese Richtung entwickelt, muss man sich damit auseinandersetzen, sonst macht man einen unternehmerischen Fehler.»

Ruckstuhl selbst führt gemeinsam mit seiner Schwester Claudia die Bodan AG. Die Buchhandlung und Papeterie hat seit über zehn Jahren einen Onlineshop. Er wurde gegen Gebühr von einem Lieferanten zur Verfügung gestellt und von den Spezialisten aus der Bodan-Druckerei in die eigene Website eingepasst. «Es lohnt sich sicher», sagt Claudia Ruckstuhl. «Gerade in diesem Jahr war der Webshop extrem wertvoll. Wir mussten ja wegen Corona von jetzt auf gleich unsere Fachgeschäfte schliessen.»

Kurierlieferungen dreimal pro Woche

Claudia RuckstuhlBodan AG, Kreuzlingen

Claudia Ruckstuhl
Bodan AG, Kreuzlingen

(Bild: PD)

Die Kunden habe man online oder per Telefon bedient und dann die Bücher ausgeliefert. Die Bodan AG hat einen eigenen Kurier, der derzeit dreimal in der Woche Ware ausliefert. Bis zu 200 Bestellungen mehr pro Monat wurden während des Lockdowns verarbeitet. Darunter waren auch viele Neukunden.

«Ich bin der Bevölkerung sehr dankbar, dass sie sich auf das Lokale besonnen hat.»

Der Umsatz bewege sich trotz internationaler Konkurrenz und Coronakrise leicht über dem Vorjahresniveau. «Fachgeschäfte profitieren von einer starken Kundenbindung. Wir haben über Jahrzehnte unsere Verlässlichkeit bewiesen», so Claudia Ruckstuhl. Zuverlässig muss nun aber auch der Onlineshop sein. «Wenn etwas nicht funktioniert, ist der Kunde weg. Er hat heute viele Alternativen. Wir konnten mitunter Bestellungen vom Morgen schon nachmittags liefern. Diesen Service haben die Kunden geschätzt und dem Team viele Komplimente gemacht.»

Schwierige Startphase

Thomas Zuberbühler, der Inhaber und Geschäftsführer von zubischuhe.ch an der Kreuzlinger Hauptstrasse, berichtet von Anfangsschwierigkeiten: «Im 2012 haben wir mit dem Onlinegeschäft angefangen und dafür viel investiert. Trotzdem wollte das Geschäft lange nicht laufen.»

Thomas ZuberbühlerInhaber Zubischuhe

Thomas Zuberbühler
Inhaber Zubischuhe

(Bild: PD)
«Einige Male hätte ich das Ganze gern abgebrochen, weil wir nicht genügend Einnahmen machten. Seit wir mit externen Spezialisten zusammenarbeiten, läuft es besser.»

Anfangs sei man auch mal über «schwarze Schafe» gestolpert, was die Zahlungsmoral angeht. Inzwischen ist die Bonitätsprüfung ausgelagert und läuft automatisch. 60 Prozent der Kunden bestellen auf Rechnung. Zuberbühler sagt:

«Durch Corona wächst der Onlinebereich, doch unser Herz schlägt fürs stationäre Geschäft.»

Das lässt sich an den Zahlen ablesen: 80 von rund 100 Mitarbeitenden sind in den Filialen beschäftigt. «Es bleibt ein Spagat.» Er kenne nur wenige Geschäfte, die den on- und offline Vertrieb gleich gut stemmen könnten. «Wir glauben, dass die Kombination den Erfolg ausmacht: Viele kennen uns aus dem stationären Handel und trauen uns deshalb auch online.»

Rücksendequote von einem Viertel

Die Auswahl auf der Website ist für die Kunden inzwischen grösser als in der Filiale in Kreuzlingen. Anfänglich war das anders. Online durfte nur ein Teil des Sortiments verkauft werden. Mit einer Rücksendequote von höchstens 25 Prozent steht zubischuhe.ch vergleichsweise gut da. Da läge wohl auch am Sortiment, räumt der Chef ein. «Taschen und Rucksäcke werden kaum zurückgeschickt, Schuhe eben häufiger.» Dementsprechend plädiert Zuberbühler in einigen Fällen durchaus weiter für den Einkauf im Laden: «Es ist effizienter, Kinderschuhe im Geschäft zu kaufen, wo es Beratung zur richtige Grösse und Passform gibt.»

Auch die Kleinen können profitieren

Olivia GrafInhaberin Blumenecke

Olivia Graf
Inhaberin Blumenecke

(Bild: PD)

Man könnte vermuten, dass sich Onlineshops nur für Unternehmen einer bestimmten Grösse lohnen. Doch dafür gibt es Gegenbeispiele: Auch Olivia Graf von der Blumenecke in Kurzrickenbach hat gute Erfahrungen gemacht:

«Bei uns bestellen viele Auswärtige für Menschen in der Region, zu denen wir die Blumengeschenke dann persönlich ausliefern.»

Sie hat den Web-Service schon von ihrem Vorgänger übernommen und möchte ihn nicht missen. «Mal sind es fünf oder sechs Bestellungen am Tag, und mal auch keine. Einige Menschen rufen auch immer noch an, um persönlich die Vorlieben zu klären, oder einfach, weil sie mit einem Menschen sprechen wollen.»