Kanti Kreuzlingen geht neue Wege und bietet Russisch als Schwerpunktfach an

Die Kantonsschule Kreuzlingen bietet ab Frühjahr 2021 eine neue Fremdsprache als Schwerpunktfach an.

Inka Grabowsky
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Lehrerin Anna Kisters mit den Schülerinnen Hannah Appius und Amara Cespedes. (Bild: Andrea Stalder)

Lehrerin Anna Kisters mit den Schülerinnen Hannah Appius und Amara Cespedes. (Bild: Andrea Stalder)

Die neue Mittelschulstrategie macht’s möglich: Schulen dürfen nun freier entscheiden, wie sie sich ausrichten. An der Kantonsschule Kreuzlingen können Zweitklässler demnächst nicht nur Latein, Spanisch, Italienisch, Bio/Chemie, Wirtschaft/Recht und Physik/Anwendungen der Mathematik als Schwerpunktfach belegen, sondern zusätzlich auch Russisch. Rektor Arno Germann sagt:

«Wir sind die einzige Kantonsschule im Thurgau, die das anbietet.»
Arno Germann, Rektor Kanti Kreuzlingen.

Arno Germann, Rektor Kanti Kreuzlingen.

Anderen Schulen, die Schüler abspenstig machen, will er aber ausdrücklich nicht. «Wir wachsen in etwa so wie die Bevölkerung», sagt er, «aber wenn es unter den Aspiranten fürs Gymnasium jemanden gibt, der später auf jeden Fall Russisch als Schwerpunkt wählen will, dann sollte er uns berücksichtigen.»

Bisher als Freifach im Angebot

Bisher wurde Russisch an der Kanti als Freifach angeboten. In zwei Lektionen pro Woche lernen dort Schülerinnen und Schüler bei Anna Kisters die slawische Sprache.

Kisters arbeitet seit drei Jahren vor allem als Französischlehrerin. Dass sie auch eine volle Lehrbefähigung für Russisch hat, war bei ihrer Anstellung nachrangig. «Im Einführungsgespräch hat mir der Rektor noch alle Hoffnung genommen. Das werde nie ein Schwerpunktfach.» Umso glücklicher ist die Romanistin und Slawistin nun über die Entwicklung.

«Russisch ist wegen seiner Komplexität nicht nur eine gute Begabtenförderung. Es ist auch ein Alleinstellungsmerkmal für unsere Absolventen. Wer Russisch kann, ist attraktiv für den Arbeitsmarkt – ob im Maschinenbau, der Medizin oder der Umwelttechnik.»

Sieben Fortgeschrittene aus ihrem Unterricht sind gerade von einer Studienreise nach St.Petersburg und Moskau zurückgekehrt. Gemeinsam mit einer Gruppe Russischlernender von der Winterthurer Rychenberg-Schule haben sie Kunst, Geschichte und Alltagsleben in ihren Gastfamilien kennen gelernt.

«Unser Russland-Bild ist vielfältiger geworden», sagt Hannah Appius. Sie hätten auch die Schattenseiten des Landes wahrgenommen. Die Wohnungen seien klein, die Renten niedrig, trotzdem hätten die schönen Erlebnisse überwogen. Auch Amara Cespedes ist begeistert.

«Es hat mir so gut gefallen, dass ich vielleicht ein Auslandsemester in Russland verbringen will.»

Ebenso wie Hannah bedauert sie, dass sie nicht mehr in den Genuss des Schwerpunktfaches kommen kann, bei dem man in den letzten drei Schuljahren vier bis fünf Lektionen pro Woche bekommt.

Immer mehr Schüler belegten das Fach

Rektor Germann ist zuversichtlich, dass sich im Frühjahr 2021 genug Interessenten für das Schwerpunktfach Russisch melden werden. Schon das Freifach hatten in den vergangenen fünf Jahren immer mehr Schüler belegt. Ob es zusätzlich zum Schwerpunkt dann auch noch das Freifach geben wird, werde der Markt richten. An Lehrerin Anna Kisters jedenfalls würde es nicht scheitern: «Für Russisch habe ich immer Zeit.»