Kreiselkunst
Des Bassisten neue Kleider: Ein Amriswiler Kunstglaser versucht sich als Schneider

Mit einer kleinen Vernissage feierte die Stadt Amriswil das nächste Kapitel um die Kunst im Pentorama-Kreisel.

Manuel Nagel
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Kunstglaser Daniel Hebeisen sitzt vor dem Bassisten im Pentorama-Kreisel, dem er zwei neue Kleider verpasst hat. Von Osten her kommend ein rotes, von Westen her kommend ein blaues.

Kunstglaser Daniel Hebeisen sitzt vor dem Bassisten im Pentorama-Kreisel, dem er zwei neue Kleider verpasst hat. Von Osten her kommend ein rotes, von Westen her kommend ein blaues.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 22. Juni 2021)

Als hätte sich die Amriswiler Kulturkommission mit den Verantwortlichen der Schlossfestspiele Hagenwil abgesprochen: Dort findet am 8. August die Premiere des Kinderstücks «Des Kaisers neue Kleider» statt. Bereits am Dienstagabend wurde nun «Des Bassisten neue Kleider» vor dem Pentorama aufgeführt – oder es war Vernissage, wie es unter Künstlern heisst.

Und genau mit dem Begriff «Künstler» kokettierte Daniel Hebeisen, der den Bassisten neu einkleiden durfte. Doch Hebeisen ist kein Schneider, er ist ein Kunstglaser. Und er versteht sich als Kunsthandwerker. Als solcher sei man jedoch oftmals zwischen Stuhl und Bank, erzählt er in seiner Rede: «Wenn ich auf eine Baustelle komme, dann bin ich für alle der Künstler.» Mache er jedoch bei einer Gruppenausstellung mit, dann heisse es von den anderen Künstlern: «Ah, wir haben auch einen Handwerker unter uns.»

Für Hebeisen ist es ein Gemeinschaftswerk

Und so sei denn auch die Überraschung gross gewesen bei ihm, verriet Daniel Hebeisen den rund drei Dutzend Gästen der Vernissage, als er von der Kulturkommission angefragt worden sei, ob eines seiner Werke die Kreiselfigur die nächsten Jahre zieren soll.

Der Bassist im blauen Gewand.

Der Bassist im blauen Gewand.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 22. Juni 2021)
«Ich wusste da zwar noch nicht wie, sagte aber einfach mal zu.»

Geholfen bei der Umsetzung hatte dem Kunstglaser ausgerechnet dessen Vorgänger. Etwas mehr als vier Jahre war eine Grafik des Weinfelder Fotografen Lukas Fleischer auf dem Bassisten abgebildet. Nun hat der gebürtige Amriswiler Fleischer zwei von Hebeisens Glasscheiben – eine in Rottönen, die andere in Blautönen – fotografiert und so die Vorlage für die Folie geschaffen, die dann Grafikdesigner Martin Rickenbach auf die Kreiselfigur geklebt hat.

Das sei gar nicht so einfach gewesen, meinte Hebeisen, sowohl die Glasscheiben ideal zu fotografieren, wie auch die Folien dann anzubringen. «Ich war hier nur der Künstler und habe den handwerklich schwierigen Teil den zwei anderen überlassen», sagte Hebeisen mit einem Lachen. Deswegen sei es für ihn eigentlich ein Gemeinschaftswerk, auch wenn er sich sonst gewohnt sei, alleine zu arbeiten.

Stolz, sein Werk an solch prominentem Ort zu zeigen

Und Daniel Hebeisen verhehlte auch nicht, dass er eine «riesige Freude» habe und es ihn jedes Mal mit Stolz erfülle, wenn er an diesem Kreisel vorbeifahre, und dass er sein Werk an solch einem prominenten Ort zeigen dürfe. «Ich hoffe, mit meinem Werk kann ich einem Grossteil der Leute, die sich um diesen Platz bewegen, ebenfalls eine Freude machen», sagt Hebeisen. Aber allen könne man es ja eh nie recht machen.

Stadträtin Madeleine Rickenbach.

Stadträtin Madeleine Rickenbach.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 22. Juni 2021)

Madeleine Rickenbach, die für Kultur zuständige Stadträtin Amriswils, erinnerte in ihrer Laudatio daran, dass man im vergangenen Jahr auf viel Kunst und Kultur verzichten musste.

«Aber die Kunst im Kreisel ist uns treu geblieben.»

Nach der langen kulturellen Durststrecke kamen die Besucher auch in den Genuss der Musik Christoph Hartmanns, auf Wunsch von Hebeisen. Er kenne Hartmann vor allem als Bassisten, was zur Kreiselfigur passe. Doch der Musiker trat für einmal mit Gitarre und Loop-Gerät auf, setzte Fragmente von Mani Matters Liedern zusammen und fand auch eine Analogie zu den Kunstglasarbeiten Hebeisens. «Ich schichte hier viele kleine Musikstücke übereinander», so Christoph Hartmann, «bei Dani liegen die kleinen Glasstücke einfach nebeneinander.»

Musiker Christoph Hartmann begleitete den Anlass musikalisch.

Musiker Christoph Hartmann begleitete den Anlass musikalisch.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 22. Juni 2021)