Krebsliga bietet Hilfe für Kinder in schweren Zeiten

Die Thurgauische Krebsliga baut ihr Angebot aus. Dank der Zusammenarbeit mit Sarah Pietsch kann sie künftig auch Krisen- und Trauerbewältigung speziell für Kinder anbieten.

Mario Testa
Drucken
Teilen
Krebsliga-Geschäftsleiterin Cornelia Herzog-Helg, Kriesenbegleiterin Sarah Pietsch und Beraterin Sarah Sieber. (Bild: Mario Testa)

Krebsliga-Geschäftsleiterin Cornelia Herzog-Helg, Kriesenbegleiterin Sarah Pietsch und Beraterin Sarah Sieber. (Bild: Mario Testa)

Krebserkrankungen führen zu Krisen. Für die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen ändert sich die Welt nach einer Diagnose schlagartig. Die Krebsliga nimmt sich den Menschen in solchen Extremsituationen an, mit Beratung sowie materieller und emotionaler Unterstützung.

«In diesen Krisensituationen helfen wir, die Strukturen weiterlaufen zu lassen und den Betroffenen und ihren Angehörigen Halt zu geben»

sagt Sarah Sieber. Sie ist eine der Beraterinnen bei der Thurgauischen Krebsliga mit Sitz in Weinfelden. «In den meisten Fällen weisen uns Spitäler die Patienten zu. Wir machen mit ihnen eine Bedarfsabklärung und gleisen dann die Angebote auf. Manchmal kontaktieren uns die Betroffenen auch von sich aus.»

Begleitung speziell für Kinder

Nun wartet die Krebsliga mit einem neuen Angebot auf. Sarah Pietsch ist spezialisiert in der Krisen- und Trauerbewältigung von Kindern. Die gelernte Hebamme hat sich auf diesem Gebiet weitergebildet und eine Praxis in Altnau eröffnet. Per Anfang Mai ist sie mit der Krebsliga eine Zusammenarbeit eingegangen. «Ich begleite Kinder, wenn ihre Eltern oder Geschwister an Krebs erkrankt sind. Während der Krankheitszeit und auch darüber hinaus», sagt Pietsch.

«Kinder können häufig nicht mit ihren Gefühlen umgehen, wenn sie einen geliebten Menschen verlieren. Entweder werden sie aggressiv oder albern nur noch rum.»

Wenn Sarah Pietsch solche Kinder betreut, dann spricht sie mit ihnen oder lässt sie durch Aktivitäten wie Basteln oder Malen ihre Gefühle ausdrücken. «Grössere Kinder wollen mehr reden, kleinere drücken ihre Gefühle in solchen Situationen lieber anders aus», sagt Pietsch.

Zwar hätten die meisten Kinder, deren Eltern oder Geschwister an Krebs erkranken oder sterben, Angehörige, mit denen sie sprechen könnten. «Aber viele machen das nicht. Sie wollen ihre Angehörigen nicht zusätzlich belasten und behalten ihre Gefühle und Sorgen für sich. Da komme ich ins Spiel.» Sarah Pietsch steht unter Schweigepflicht, ihr dürfen die Kinder alles sagen, was sie wollen. Sie dürfen schreien, fluchen, weinen – und alle Fragen stellen.

Willkommenes zusätzliches Angebot

Für Cornelia Herzog-Helg, Geschäftsführerin der Thurgauischen Krebsliga ist das neue Angebot ein Gewinn. «Bislang hatten wir ein spezialisiertes Angebot in der Krisen- und Sterbebegleitung für Erwachsene», sagt sie. «Leider ist das Bedürfnis nach dieser Art von Hilfe für Kinder gestiegen. Nach unseren Beobachtungen erkranken vermehrt auch junge Eltern an Krebs. Deshalb haben wir diese Zusammenarbeit mit Sarah Pietsch auch gesucht.»

Sie habe ein gutes Gefühl kurz nach dem Start der Zusammenarbeit.
Die Kosten für zehn Sitzungen mit der Krisen- und Sterbebegleiterin übernimmt die Krebsliga. «Danach schauen wir nach anderen Lösungen. Im Stich lassen wir wegen des Geldes niemanden», sagt Herzog-Helg.

Krebsliga ist ein Verein

Die Thurgauische Krebsliga ist als Verein organisiert. Sie finanziert sich zu etwas mehr als der Hälfte mit Spenden. Am Sitz in Weinfelden sind 15 Mitarbeitende angestellt. Die Beraterinnen haben Zusatzausbildungen in ihrem Fachgebiet absolviert. Die Krebsliga wurde vor 63 Jahren gegründet. Sie verfolgt das Hauptziel, die Lebensqualität von Krebspatienten und ihren Angehörigen durch Betreuung und Beratung zu verbessern.