KRADOLF-SCHÖNENBERG
In 90 Minuten keine einzige Gegenstimme: Gemeinderat bringt alle Anträge problemlos durch

Die Gemeindeversammlung von Kradolf-Schönenberg genehmigt die positiv abschliessende Jahresrechnung und das revidierte Feuerschutzreglement. Der Ertragsüberschuss wird mehrheitlich als Vorfinanzierung für diverse Strassensanierungen Verwendung finden.

Georg Stelzner
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Die Buhwilerstrasse erhält im Rahmen der Sanierung einen Radweg.

Die Buhwilerstrasse erhält im Rahmen der Sanierung einen Radweg.

Bild: Monika Wick (Schönenberg, Mai 2021)

Der coronabedingte Verzicht auf den traditionellen Apéro im Anschluss an die Gemeindeversammlung war am Mittwoch der einzige Wermutstropfen, den die 71 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger (Beteiligung: 3,16 Prozent) in der Mehrzweckhalle von Kradolf schlucken mussten.

Ansonsten verlief der Abend in ungetrübter Minne: Der Gemeinderat durfte sich über die einhellige Zustimmung zu allen seinen Anträgen freuen und ein kosovarischer Gesuchsteller über seine mit grosser Mehrheit gutgeheissene Einbürgerung. Die positive Grundstimmung gipfelte in der Ehrung mehrerer verdienstvoller Personen am Ende der Versammlung.

Steuerertrag übertrifft die Erwartungen bei weitem

Gemeindepräsident Heinz Keller präsentierte die Eckdaten der Rechnung 2020. Diese stellt insofern eine erfreuliche Überraschung dar, als sie anstelle des budgetierten Verlusts von 325'000 Franken einen Gewinn in Höhe von knapp 700'000 Franken ausweist, was eine Besserstellung von rund einer Million Franken bedeutet.

Dazu beigetragen hätten unter anderem die höheren Steuereinnahmen und die deutlich tieferen Nettokosten für die Sozialhilfe, führte Keller aus. Höher als budgetiert sei der Aufwand für die stationäre Pflegefinanzierung und die Spitex gewesen.

Unterschiedlich fallen die Jahresrechnungen der kommunalen Werke aus: Während beim Wasser das erwartete Plus zu Buche steht, schliessen die Kanalisation und die Elektrizität im Minus ab. Alle drei Werke verfügen aber noch über Eigenkapital in sechsstelliger Höhe.

Verschuldung der Gemeinde nimmt weiter ab

Die gesamten Nettoinvestitionen bezifferte der Gemeindepräsident mit 886'694 Franken; budgetiert waren rund 1,38 Millionen Franken. «Wir haben die Investitionen im Vorjahr bewusst etwas zurückgeschraubt», sagte Keller. Im steuerfinanzierten Bereich wurden Nettoinvestitionen im Wert von 326'919 Franken getätigt.

Das kurz-, mittel- und langfristige Fremdkapital beläuft sich auf 4,2 Millionen Franken, womit der Wert des Jahres 2019 um 300'000 Franken unterschritten wird. Keller wies darauf hin, dass die Verschuldung – wie vom Gemeinderat angestrebt – rückläufig sei.

Die Werkbetriebe ausgeklammert, sei die Pro-Kopf-Verschuldung von 224 Franken auf 17 Franken zurückgegangen, sagte Keller. Die Gesamtschulden hätten sich von 1026 auf 899 Franken pro Einwohner reduziert, was gemäss Definition der Finanzkennzahlen als «gering» eingestuft werde.

Geld für künftige Strassensanierungen

Die Gemeindeversammlung sagte zur Jahresrechnung und zur Gewinnverwendung diskussionslos und einstimmig Ja. Eine halbe Million Franken kann somit als Vorfinanzierung für Strassensanierungen in Schönenberg und Buhwil verwendet werden, der Restbetrag von 197'902 Franken wird dem Eigenkapital zugewiesen.

Keine Opposition erwuchs auch dem überarbeiteten Feuerschutzreglement der politischen Gemeinde. Nachdem das kantonale Feuerschutzgesetz revidiert und per 1. Januar 2021 in Kraft gesetzt worden war, konnte auch die Überarbeitung des kommunalen Reglements abgeschlossen werden. Es beinhaltet die nötigen Anpassungen an das neue Gesetz sowie verschiedene redaktionelle Änderungen.

Jahrelanges Engagement für die Gemeinde

Das Traktandum «Ehrungen» ist an Gemeindeversammlungen von Kradolf-Schönenberg keine Ausnahme, sondern eher die Regel. Immer wieder nutzt der Gemeinderat die Gelegenheit, um Frauen und Männern für erbrachte Leistungen die gebührende Reverenz zu erweisen und ihnen mit einem Geschenk zu danken. Im Rampenlicht standen diesmal sieben Personen: Guido Stutz, Verfasser des Werks «Schönenberg in Geschichte und Gegenwart»; Gabriela Stettler, zehn Jahre Strom- und Wasserableserin; Erich Stübi, erster Präsident der Findungskommission; Jürg Peter, langjähriger Präsident der Spitex Aach-Thur-Land; Hans Stark, seit zehn Jahren Mitglied des Gemeinderats; Hans Kühni und Ruedi Anderegg, je 25 Jahre für die Gemeindestelle Landwirtschaft tätig. Guido Stutz gab bei dieser Gelegenheit bekannt, dass er nun auch die Geschichte Kradolfs aufarbeite und froh um historische Aufnahmen zur Illustration des neuen Buchs wäre. Gemeindepräsident Heinz Keller stellte Joos Bernhard aus Sulgen vor, der die Nachfolge von Spitexpräsident Jürg Peter antritt. (st)