KRADOLF
Hurra, ein neuer Chindsgi

Die Bauarbeiten für den Doppelkindergarten in Kradolf haben begonnen. Die Volksschulgemeinde Region Sulgen investiert rund 2,5 Millionen Franken in das Projekt.

Georg Stelzner
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Die Mädchen und Buben des Kindergartens Kradolf freuen sich mit Kindergärtnerin Khatuna Tanner und Unterrichtsassistentin Sara Rentsch über den Baubeginn.

Die Mädchen und Buben des Kindergartens Kradolf freuen sich mit Kindergärtnerin Khatuna Tanner und Unterrichtsassistentin Sara Rentsch über den Baubeginn.

Bild: Hannelore Bruderer (Kradolf, 19. Februar 2021)

Es ist ein Freudentag inmitten der nicht enden wollenden Coronadepression: Der Winter ist vom Frühling fürs Erste in die Flucht geschlagen worden und die Kinder dürfen am Freitag hautnah miterleben, wie die Realisierung ihres künftigen Reichs in Angriff genommen wird. Zu dieser Stunde zumindest symbolisch, denn der Bagger dient im Moment nur als attraktive Kulisse für das Erinnerungsfoto.

Statt der mit Schaufeln ausgestatteten Erwachsenen nehmen die Mädchen und Buben aus dem benachbarten Pavillon Aufstellung. Mit aufs Bild dürfen nur Kindergärtnerin Khatuna Tanner und Sara Rentsch, die Unterrichtsassistentin.

«Wir haben uns bewusst für dieses Szenario entschieden, um den Kindern ein nicht alltägliches Erlebnis zu bieten», sagt Christoph Stäheli, der Präsident der Volksschulgemeinde Region Sulgen. Ein klassischer Spatenstich sei wegen der Massnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie ohnehin nicht möglich gewesen, und die Eltern habe man auch nicht einladen können.

Breite Zustimmung zum Projekt

Das Projekt Doppelkindergarten Kradolf wurde von kaum jemandem ernsthaft in Frage gestellt. Zu offensichtlich war die Dringlichkeit. Die Schulbehörde argumentierte mit den steigenden Schülerzahlen und dem Zustand des aus den Siebzigerjahren stammenden Kindergartenpavillons.

Die Schulbürger hiessen denn auch sämtliche Kredite mit jeweils grosser Mehrheit gut: zunächst den Planungskredit, dann den Projektierungskredit und zuletzt – im Juni 2020 – in einer brieflichen Abstimmung auch den Baukredit von 2,215 Millionen Franken. Insgesamt beträgt die Gesamtinvestition 2,466 Millionen Franken.

Inbetriebnahme im kommenden Herbst

Obwohl sich gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan eine minime Verzögerung eingestellt hat, wofür der strenge Winter mit Schnee und Eis verantwortlich war, geht Christoph Stäheli davon aus, dass der neue Doppelkindergarten nach den diesjährigen Herbstferien bezogen werden kann. Dabei handelt es sich, wie dem Projektbeschrieb der Architekten unschwer zu entnehmen ist, um kein Luxusbauwerk. Dem Anspruch, eine zukunftsweisende Lösung umzusetzen, wird aber sehr wohl in vielerlei Hinsicht Rechnung getragen.

Der Doppelkindergarten wird auf dem Areal der Primarschule Kradolf nach den aktuellen Minergie-Standards als zweigeschossiger, vorfabrizierter Holzbau auf einer Betonkonstruktion in Massivbauweise errichtet.

Auf dem extensiv begrünten Dach werden eine Fotovoltaikanlage zur solaren Energiegewinnung und eine Komfortlüftung realisiert. Was die Primärenergie anbelangt, erhält das Gebäude einen Anschluss an das bereits existierende Fernwärmenetz. Die Beheizung der Flächen geschieht über eine Niedertemperatur-Fussbodenheizung.

Neuer Verwendungszweck für alten Pavillon

Mit der Eröffnung des Neubaus übersiedelt ein Kindergarten von Schönenberg nach Kradolf, sodass sich in Zukunft an beiden Standorten je zwei befinden werden. Der bisher als Kindergarten genutzte Pavillon wird nicht abgerissen, sondern einem neuen Verwendungszweck zugewiesen.

Das Gebäude könnte nach der Inbetriebnahme des Doppelkindergartens für familienergänzende Angebote wie den Mittagstisch oder die Kinderbetreuung in Randzeiten umgenutzt werden. So sei es zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls angedacht, sagt der Schulpräsident.

Briefliches Ja

Am 7. Juni 2020 hiessen die Stimmberechtigten der Volksschulgemeinde Region Sulgen den Baukredit von 2,215 Millionen Franken für den Doppelkindergarten in Kradolf mit grosser Mehrheit gut. 408 Stimmzettel lauteten auf Ja, 88 auf Nein, fünf waren leer und zwei ungültig. Die Abstimmung erfolgte nicht an der Urne, sondern wegen der coronabedingten Einschränkungen brieflich. Die Stimmbeteiligung betrug 11,4 Prozent. (st)