KRADOLF
Gartenarbeit vertreibt den Coronablues

Naturnah gärtnern und das selbst gezogene Biogemüse genies­sen – Madeleine Haller und André Stehlé wollen das auf ihrem Stück Land auch anderen Personen ermöglichen.

Hannelore Bruderer
Drucken
Teilen
André Stehlé und Madeleine Haller gründen in der Unterau einen Biogemüse-Gemeinschaftsgarten.

André Stehlé und Madeleine Haller gründen in der Unterau einen Biogemüse-Gemeinschaftsgarten.

Bild: Hannelore Bruderer Kradolf, Februar 2021)

Es sind nur gerade zwei Zeilen im Mitteilungsblatt der Gemeinde Kradolf-Schönenberg, aber zwei Zeilen, die eine grössere Geschichte erzählen. Im Mitteilungsblatt suchen Madeleine Haller und André Stehlé Hobbygärtner, die zusammen einen Biogemüse-Gemeinschaftsgarten für einen guten Zweck betreiben. Ihr Aufruf hatte bereits Erfolg, das Projekt kann starten.

Auf die Idee kamen die beiden durch den Kontakt zu einer Flüchtlingsfamilie, die interessiert an selbst angebautem Gemüse ist, der dafür aber die Möglichkeiten fehlen. «Da wir keine Pferde mehr haben, können wir einen Teil unserer Weide für dieses Projekt zur Verfügung stellen», sagt Madeleine Haller.

Vor allem für den Eigenbedarf gedacht

Mit weissen Zaunpfählen ist der Platz bereits markiert, auf dem der Garten eingerichtet werden soll. Im Metallzaun, der die ­Weide umgibt, will das Paar noch ein Tor einbauen, sodass die Mitglieder des Gemeinschaftsgartens jederzeit Zugang haben. Boden, Tor, Wasserschlauch und einige Gartengeräte zur Mitbenützung sind die Komponenten, die Madeleine Haller und André Stehlé dem Projekt zur Verfügung stellen.

Das Roden der Wiese, die Bepflanzung und Pflege ihres Gemüses leisten die Teilnehmenden selber. «Angepflanzt werden soll für den Eigenbedarf und etwas darüber. Den Überschuss wollen wir dann unentgeltlich an Bedürftige abgeben», erklärt Madeleine Haller das System.
André Stehlé ergänzt: «Der Garten ist ein Ort zum Arbeiten. Wir betreiben keinen Schrebergarten. Deshalb wird es hier auch keinen Sitzplatz, kein Gartenhäuschen oder Treibhaus geben.»

Sponsoren für Sachgüter gesucht

Aktuell sind es zwei Einzelpersonen und eine Familie, die ihre Teilnahme zugesagt haben. «Wir sind aber offen für weitere Interessenten und würden uns auch über Sponsoren freuen, die uns Sachgüter zur Verfügung stellen, zum Beispiel Material für das Abtrennen der Beete oder anderes Gartenzubehör», sagt André Stehlé.

Mit seinem Gartenprojekt verfolgt das Paar aber noch weitere Ziele, die über das gemeinsame Gärtnern hinausgehen. «Wir wollen Menschen zusammenbringen, ihnen gerade auch in dieser Zeit eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung mit einem gemeinsamen Erlebnis bieten, über das sie sich auch austauschen können», sagen sie.

Kein Einsatz chemischer Düngemittel

Gelegenheit zum Fachsimpeln gibt das Hobbygärtnern allemal her, denn Rückschläge sind beim Gemüseanbau ebenso allgegenwärtig wie Erfolge. «So vieles hat Einfluss auf die Ernte – zu kaltes oder zu trockenes Wetter, Mäuse, Vögel, Insekten und andere Tiere können den Pflanzen zusetzen. Ein eigener Garten kann die eigene Frusttoleranz ganz schön testen!», weiss Madeleine Haller aus eigener Erfahrung.

Dazu kommt, dass im Biogemüse-Gemeinschaftsgarten, der sich im Grundwasserschutzgebiet befindet, keine chemischen Düngemittel, Pestizide oder Herbizide eingesetzt werden dürfen. Madeleine Haller und André Stehlé sind sich bewusst, dass vielleicht einige die körperliche Arbeit und den zeitlichen Aufwand unterschätzen, die ein eigenes Stück Garten mit sich bringt, und das Projekt wieder verlassen werden.

Auch deshalb sind weitere Interessierte willkommen, besteht doch auch die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt noch ins Projekt einzusteigen. «Wir setzen uns jedenfalls ein, damit unser Projekt ein Erfolg wird. Wir hoffen, dass der Gemeinschaftsgarten auch in einer Zeit nach Corona noch standhält, wenn es wieder mehr Freizeitmöglichkeiten gibt. Was wir sicher nicht wollen, ist, dass wir plötzlich mit noch mehr Garten alleine dastehen», sagt Madeleine Haller.

Wer sich für das Projekt interessiert und mitmachen möchte, kann sich telefonisch melden: 071 642 48 06