Kradolf
Alpakamist lässt das Gemüse spriessen

Ende Winter suchten Madeleine Haller und André Stehlé Interessierte, die auf ihrem Grundstück einen Biogemüse-Gemeinschaftsgarten betreiben wollen. Das Projekt ist gut angelaufen.

Hannelore Bruderer
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Nicole Maier und Madeleine Haller freuen sich über das spriessende Gemüse.

Nicole Maier und Madeleine Haller freuen sich über das spriessende Gemüse.

Bild: Hannelore Bruderer

Am Horizont künden dunkle Wolken die nächsten Regenschauer an. Es ist der Tag im Monat, an dem sich alle Mitglieder des Biogemüse-Gemeinschaftsgartens in der Unterau treffen. Es sind zwei Familien, eine mit drei, die andere mit vier Kindern sowie eine Einzelperson und ein Ehepaar, die beim Gartenprojekt mitmachen.

Für die ersten Monate zieht Initiantin Madeleine Haller eine positive Bilanz. «Im Grossen und Ganzen entwickelt sich unser Projekt so, wie wir es uns vorgestellt haben. Es haben sich genügend Personen gemeldet und auf der Warteliste haben wir noch zwei weitere Interessierte. Ein Biogartenkurs für Kinder, den eine Frau organisieren wollte, ist nicht zu Stande gekommen», sagt sie.

Nach der Gründungsversammlung machten sich die Neugärtner daran, die Wiese zu roden und Beete anzulegen. Jede Partie bewirtschaftet ihren eigenen Garten, die Teilbereiche im Gemeinschaftsgarten sehen deshalb unterschiedlich aus. In den Beeten wächst dennoch manchmal das Gleiche. Denn hat jemand zu viele Setzlinge oder Samen von der gleichen Sorte, wird mit dem Nachbarn auch gerne ausgetauscht.

Natürlicher Dünger

«Beim Projekt verfolgen wir den Ansatz Permakultur, der geschlossene Kreisläufe zum Ziel hat. Dazu steuern wir von unseren Tieren Alpakawolle sowie Alpaka- und Hühnermist als natürlichen Dünger bei», erklärt Madeleine Haller. «Der Biogemüse-Gemeinschaftsgarten ist eine Bereicherung und eine Herausforderung – genau das, was wir im lauen Coronawinter gesucht haben. Das Zusammenwachsen der Gemeinschaft ist ein permanenter Prozess.»

Herausfordernder als gedacht sei zum Beispiel, den einen Termin zu finden, an dem sich alle gleichzeitig im Garten treffen, denn die meisten sind berufstätig. An den monatlichen Treffen werden allgemeine Arbeiten ausgeführt wie das Mähen des Grases zwischen den Beeten. Nach getaner Arbeit setzen sich alle zusammen und bringen ihre Erfahrungen, Anliegen und Wünsche ein.

Pflanzen verschwinden

Nicole Maier hat nicht lange gezögert, um beim Projekt mitzumachen. In ihrem Beet beträufelt sie einige Pflanzen mit einer braunen Flüssigkeit, während ihr Mann das frisch gemähte Gras zusammenrecht. «Das ist Schwarztee, der gegen Blattläuse helfen soll», erklärt sie. Den Tipp hat sie im Internet gefunden. Der viele Regen bringt auch andere Frassschädlinge aus ihren Schlupflöchern, die jungen Kürbispflanzen der Neugärtnerin waren eines Tages einfach verschwunden. Sie sieht die positive Seite: «Über den Regen bin ich froh, dann muss ich nicht so oft giessen. Der Boden ist perfekt und das Gemüse wächst.» Obwohl es die berufstätige Mutter nicht immer einfach findet, genügend Zeit für den Garten aufzubringen, ist sie vom Projekt voll begeistert. «Zusammen mit unseren Kindern haben wir die ersten Erdbeeren aus unserem Garten geerntet. Das war für alle eine tolle Erfahrung und ein einmaliger Genuss.»

Interessierte Passanten

Auch Aussenstehende nehmen das Gartenprojekt wahr. «Unser Projekt stösst auf viel Interesse. Auffällig viele Passanten verfolgen es mit Neugier. So kommt es manchmal zu spontanen Gesprächen über den Zaun. Einige sagten mir, dass man die Mühe und das grosse Engagement der Beteiligten sehe und dass der Garten sehr schön geworden sei», sagt Madeleine Haller.