Bei der Amriswiler Stapi-Wahl ist der Kopf wichtiger als das Parteibuch

Am Mittwochabend präsentierten sich die drei Anwärter auf das Amriswiler Stadtpräsidium der Bevölkerung. Mehr als 300 Interessierte erfuhren, dass das Trio politisch ähnlich aber sonst sehr unterschiedlich ist.

Manuel Nagel
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Gabriel Macedo (FDP), Stefan Koster (SVP) und André Schlatter (CVP) stellten sich den Fragen von Mario Testa (2. v. l.), Redaktor der «Thurgauer Zeitung», der das Podium mit den drei Kandidaten für das Amriswiler Stadtpräsidium im Pentorama leitete. (Bild: Reto Martin)

Gabriel Macedo (FDP), Stefan Koster (SVP) und André Schlatter (CVP) stellten sich den Fragen von Mario Testa (2. v. l.), Redaktor der «Thurgauer Zeitung», der das Podium mit den drei Kandidaten für das Amriswiler Stadtpräsidium im Pentorama leitete. (Bild: Reto Martin)

«Ich hoffe, Sie sind schlauer als vor eineinhalb Stunden», sagte SP-Präsident Peter Bachmann zum zahlreich erschienenen Publikum am Ende der Veranstaltung. Die Interpartei, deren Präsident der Sozialdemokrat Bachmann seit kurzem ebenfalls ist, lud zu diesem Podium mit den drei Kandidaten fürs Stadtpräsidium ins gut gefüllte Pentorama.

Eins wurde den über 300 Anwesenden schnell klar, nachdem Moderator Mario Testa die ersten Fragen gestellt hatte: Politisch unterscheiden sich Stefan Koster (SVP) und Gabriel Macedo (FDP) und André Schlatter (CVP) nicht gross. Das war wohl den drei Politikern ebenfalls bewusst. So sagte Macedo nach der fünften Frage: «Es tut mir leid, dass ich da eine ähnliche Meinung wie meine beiden Vorredner habe.» Und sowohl Koster wie auch Schlatter mussten ihren Kontrahenten ebenfalls mehrmals beipflichten.

Man müsse gute Rahmenbedingungen für das Gewerbe schaffen, um Arbeitsplätze zu erhalten, lautete der einhellige Tenor der Dreien. Auch waren sie sich einig, dass der Schuldenberg nicht weiter anwachsen solle, ein Investitionsstopp jedoch nicht in Frage komme, und selbst als über die 40-Prozent-Stelle der Integrationsbeauftragten diskutiert wurde, waren alle der Meinung, diese leiste eine wichtige Arbeit und müsse eher gestärkt werden.

So erfuhr das aufmerksame Publikum mehr über die drei Anwärter aufs Stadtpräsidium, wenn es diese beobachtete, dabei die Zwischentöne registrierte, als sie sprachen – oder eben nicht sprachen. Dass Schlatter im Anzug mit Krawatte auf dem Podium stand, Koster die Krawatte zu Hause liess und Macedo das Sakko gar mit einer Jeans kombinierte, das mochten vielleicht nur Nuancen und persönliche Vorlieben gewesen sein. Und doch bekräftigten sie ein wenig die Klischees, mit denen sich das Trio immer wieder konfrontiert sieht.

Zu gut vorbereitete Kandidaten

André Schlatter (CVP).

André Schlatter (CVP).

Sämtliche Kandidaten waren gut vorbereitet auf das Zusammentreffen, «der eine oder andere vielleicht zu gut», hörte man nach der Veranstaltung die Besucher tuscheln. Dies hatte zur Folge, dass gerade einige der Antworten auf die Fragen, welche den Kandidaten im Voraus bekannten waren, etwas sehr geschliffen und einstudiert wirkten. Spannend wurde es, wenn dieser vorgespurte Weg verlassen wurde. So baute Schlatter schon bei der zweiten Frage folgende Bemerkung ein:

«Es lief auch gut im Stadtrat , wenn Martin Salvisberg in den Ferien war».

Ein subtiler Hinweis darauf, dass er als stellvertretender Stadtpräsident den Laden im Griff gehabt habe.

Gabriel Macedo (FDP).

Gabriel Macedo (FDP).

Macedo wiederum meinte auf die Frage nach einer möglichen Amtsdauer, er sei «noch so jung und vital», dass er auch länger als seine Mitbewerber im Amt bleiben könnte – sofern er denn das Vertrauen der Bevölkerung erhielte. Es war spürbar, dass gerade Macedo als deutlich jüngster Kandidat mit 29 Jahren gegenüber seinen Konkurrenten mit 51 (Koster) und 57 (Schlatter) Jahren sich anders positionieren und auf die beiden langjährigen Stadträte Boden gut machen wollte.

Die meisten haben ihre Wahl getroffen

Das Podiumsgespräch blieb fair und ohne Tiefschläge. Dennoch kam es hin und wieder zu einem Infight zwischen dem Ältesten und dem Jüngsten. Als Macedo dafür plädierte, Baulücken im Zentrum zu schliessen, da wandte Schlatter ein, Politiker würden das gerne sagen. Entschieden werde dies jedoch meist von privaten Grundstücksbesitzern – und seines Wissens stehe die FDP ja nicht für Enteignungen ein.

Stefan Koster (SVP).

Stefan Koster (SVP).

SVP-Mann Stefan Koster hielt sich aus diesen kleinen Scharmützeln heraus, zeigte sich sehr konziliant und sorgte gar für ein Schmunzeln, als er sagte:

«Ich bin auch für linke Themen zu haben, solange sie nicht zu links sind.»

Aus dem Publikum gab es ein Votum, welches «frischen Wind» forderte. In seinem Schlusswort ging Schlatter nochmals darauf ein. Er habe ein ungutes Gefühl, wenn einfach «frischer Wind» gefordert werde. Er und Stefan Koster hätten dabei den Nachteil, dass sie im Stadtrat seien. Dabei müsse man auch sehen, dass der Stadtrat in den letzten Jahren gut gearbeitet habe, sagte Schlatter.

Für die meisten Besucher, das haben Gespräche gezeigt, spielte der Abend in ihrer Entscheidungsfindung keine Rolle. Ein Grossteil hat seinen Favoriten und wird sich auch nicht mehr von ihm abwenden. Aufschlussreich sei das Podium trotzdem gewesen, meinte eine Person. Es habe gezeigt, dass die Stimmbürger am 25. November eine gute und echte Auswahl hätten, auch wenn es drei Bürgerliche seien.

In einem waren sich alle drei Kandidaten einig: Bei der Wahl zum Stadtpräsidenten sei das Parteibuch zweitrangig, es gehe um die Person – und um Amriswil.

Amriswil TG - Am Podium zu den Stadtpräsidenten-Wahlen im Pentorama Amriswil sprechen Gabriel Macedo, Stefan Koster und André Schlatter (v.l.) unter der Leitung von Moderator Mario Testa (2.v.l.).

Amriswil TG - Am Podium zu den Stadtpräsidenten-Wahlen im Pentorama Amriswil sprechen Gabriel Macedo, Stefan Koster und André Schlatter (v.l.) unter der Leitung von Moderator Mario Testa (2.v.l.).