Konsultativabstimmung
Die Trennung fiele zu schwer: Die Kirchbürger von Evangelisch Kreuzlingen wollen ihr Kirchgemeindehaus nicht verkaufen

Drei sanierungsbedürftige Gebäude besitzt die Evangelische Kirchgemeinde. Um sie alle zu erneuern und zu behalten, fehlt das Geld. Über den Weg in die Zukunft ihrer Immobilien hat die ausserordentliche Versammlung am Dienstag intensiv diskutiert und einen Grundsatzentscheid gefällt.

Urs Brüschweiler
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Das Evangelische Kirchgemeindehaus: Die Gemeinde will es behalten und sanieren.

Das Evangelische Kirchgemeindehaus: Die Gemeinde will es behalten und sanieren.

Bild: Andrea Stalder
«Den Fünfer und das Weggli gibt es nicht.»

Walter Studer, Mitglied der Kirchenvorsteherschaft, brachte das Dilemma der Evangelischen Kirchgemeinde mit dieser Redewendung ziemlich genau auf den Punkt. Ihre drei Liegenschaften im Stadtzentrum, das Kirchgemeindehaus, das Pfarrhaus und das Haus Boje, seien allesamt «Sanierungsfälle». Die Gemeinde kann es sich nicht leisten, alle zu erhalten. Hinzu kommt, das besonders im Kirchgemeindehaus mit 1500 Quadratmetern mehr Platz zur Verfügung steht, als die Gemeinde selber benötigt.

Susanne DschulniggKirchenpräsidentin Evangelisch Kreuzlingen

Susanne Dschulnigg
Kirchenpräsidentin Evangelisch Kreuzlingen

Bild: Andrea Stalder

Kirchenpräsidentin Susanne Dschulnigg hatte am Dienstagabend 84 Stimmberechtigte zur ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung begrüssen dürfen. «Wir wollen den Puls fühlen», sagte sie. Der Kirchenvorsteherschaft sei es wichtig, dass die Gemeinde über die Zukunft der Liegenschaften diskutieren könne. Und sie betonte:

«Jede Meinung ist richtig.»

Szenario 1 erhält am meisten Zuspruch

Unterstützung hatte sich die Vorsteherschaft mit Jurist Jürg Schlatter beigezogen. Vor der Diskussion zählte er Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen wie Verkauf, Vermietung und Vergabe im Baurecht auf. Behördenmitglied Michael Scheuss skizzierte dann vier Szenarien, was mit den Liegenschaften im Stadtzentrum passieren könnte. Die angeregte Diskussion anschliessend verlief jedoch nur bedingt entlang dieser Vorschläge. Kirchgemeindehaus oder Haus Boje, so lautete die zentrale Frage. Elvira Zuppinger, seit Anbeginn eine Kämpferin für das Gebäude, wo die Jugendarbeit der Kirchgemeinde eine Heimat hat, setzte sich auch an der Versammlung für den Erhalt ein. Mehrer Votantinnen erzählten von ihren eigenen positiven Erinnerungen in der Boje und dass es eben wichtig sei, dass die Jugend ihren eigenen Ort hat.

Die «Boje» an der Bärenstrasse 7. Die christliche Jugendarbeit muss wohl mittelfristig umziehen.

Die «Boje» an der Bärenstrasse 7. Die christliche Jugendarbeit muss wohl mittelfristig umziehen.

Bild: Andrea Stalder

Die Wahl des kleineren Übels

Doch vielen ging es letztlich ähnlich wie Anna Rink. «So vieles verändert sich in diesem Quartier. Es darf eigentlich nicht auch noch die Boje verschwinden. Aber vielleicht ist das Kirchgemeindehaus mit dem grossen Grünraum doch noch wichtiger zu erhalten.» Pfarrerin Angela Hochstrasser dachte gar schon ein wenig weiter und mahnte, dass bei der Sanierung des Kirchgemeindehauses dann eben auch an die Jugendlichen gedacht werden müsse.

«Eine Stadt wie Kreuzlingen braucht ein Kirchgemeindehaus.»

Auch dieser Satz, der die Bedeutung des Gebäudes an der Bärenstrasse 25 als Identifikationsobjekt für die Gemeinde herausstrich, fiel in der Diskussion. Es stellte sich auch heraus, dass ein Verkauf des Kirchgemeindehauses nicht so einfach werden würde. Weil es in der Zone für öffentliche Bauten stehe, sei die Nutzung für einen möglichen Käufer sehr eingeschränkt. Wie Susanne Dschulnigg auf Nachfrage von Marlise Marazzi ausführte, habe die Schulgemeinde Kreuzlingen bereits abgewinkt. Das nahe Alterszentrum sei ein eventueller Interessent oder die Stadt, welche einen Ort suche für das Symphonische Blasorchester und die Jugendmusik.

Das Kirchgemeindehaus bleibt

Letztlich werden diese Gedankenspiele aber nun wohl keine Realität. In der Konsultativabstimmung sprach sich eine klare Mehrheit dafür aus, das Kirchgemeindehaus zu behalten und zu sanieren. Lediglich 4 der 84 Stimmberechtigten stimmten für einen Verkauf, 6 enthielten sich. Somit wird sich die Kirchenvorsteherschaft nun mit dem Szenario 1 weiterbeschäftigen, das eine bedarfsgerechte Sanierung des Kirchgemeindehauses vorsieht und die fixe Vermietung gewisser Räume. Das Pfarrhaus soll ebenfalls saniert werden und für die Boje wird nun wohl ein Verkauf ins Auge gefasst werden, wobei die Jugendarbeit in andere Räume umziehen müsste.

Eine Küche für den «Open Place»

Intensiv diskutiert wurde an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung auch ein Antrag für den Einbau einer Küche in das Nebengebäude Sakristei in Kurzrickenbach. Der «Open Place» übernimmt dabei die Finanzierung der 50'000 Franken selbst, via Fundraising. Pfarrer Damian Brot erzählte, dass man dort mit Menschen, welche selber keine Möglichkeit zum Kochen haben, Mahlzeiten zubereiten könne. Die verschiedenen Anträge wurden allesamt klar angenommen. (ubr)

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