Konstanzer Zweikampf um das Amt des Oberbürgermeisters geht in die Verlängerung

Amtsinhaber Uli Burchardt muss zittern: Nach dem ersten Wahlgang liegt er auf Platz zwei. Der Linke Luigi Pantisano macht mehr Stimmen als erwartet.

Urs Brüschweiler
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Luigi Pantisano, Stadtrat aus Stuttgart, will in Konstanz an die Macht.

Luigi Pantisano, Stadtrat aus Stuttgart, will in Konstanz an die Macht.

Bild: Lukas Ondreka

Es wurde der erwartete Zweikampf im Rennen um den Einzug ins Konstanzer Rathaus. Der aktuelle Oberbürgermeister Uli Burchardt (49, CDU) ist nach dem Sonntag allerdings noch etwas weiter von seiner Wiederwahl entfernt, als vorher. Denn der Stuttgarter Stadtrat Luigi Pantisano (41), Mitglied der Partei «Die Linke», machte rund 900 Stimmen mehr als der Amtsinhaber. 14174 Konstanzerinnen und Konstanzer gaben ihre Stimme dem Herausforderer (38,3 Prozent), 13254 wählten Burchardt (35,8 Prozent).

Was macht der SPD-Mann?

Die weiteren Kandidaten blieben zwar chancenlos, dennoch werden sie nun im zweiten Wahlgang am 18. Oktober das Zünglein an der Waage spielen. Insbesondere auf die zukünftige Taktik von Andreas Hennemann (40) von der SPD wartet man in der Kreuzlinger Nachbarstadt gespannt. Er vereinigte 5414 Stimmen auf sich, was 14,6 Prozent entspricht. Er wollte sich am Sonntagabend noch nicht dazu äussern, ob er zum zweiten Wahlgang noch einmal antritt.

Auch der Parteilose Andreas Matt (53) hat mit erzielten 2861 Stimmen (7,7 Prozent) das Potenzial, um noch einmal Schwung in die Entscheidung zu bringen. Es sei klar, dass er noch einmal antrete, sagte Matt. Jury Martin (57) hat bereits seinen Rückzug bekanntgegeben. Er erreichte immerhin 1232 Stimmen, was 3,3 Prozent entspricht.

Amtsinhaber Uli Burchardt.

Amtsinhaber Uli Burchardt.

Bild: Andreas Ondreka

Die Wahlbeteiligung lag bei 55,8 Prozent, was sehr hoch ist. Rund 67000 Einwohner waren in Konstanz zur Wahl aufgerufen. Links-grünes Unterstützungsbündnis Dass es am ersten Wahltag noch für keinen der Kandidaten zum absoluten Mehr reicht, ist keine Überraschung. Dass der von den Grünen, der Linken und dem Jungen Forum unterstützte Luigi Pantisano allerdings dem Platzhirsch Uli Burchardt Rang eins ablaufen könnte, lässt aufhorchen.

Showdown in drei Wochen

Nach dem Eingang der ersten Ergebnisse aus den Wahlkreisen nach 18 Uhr am Sonntagabend lag der amtierende Oberbürgermeister noch vorne. Eine knappe Stunde später hatte Pantisano dann plötzlich die Nase vorn und gab die Führung bis zum Abschluss der Auszählung auch nicht mehr ab. Auffallend am Ergebnis ist, dass Pantisano in drei urbanen Stadtteilen, inklusive der Altstadt, am meisten Stimmen machte, Burchardt konnte in den anderen sechs Stadtteilen, insbesondere den Aussenbezirken reüssieren.

Bereits in drei Wochen folgt der Showdown. Dann reicht eine einfache Mehrheit, um für die nächsten acht Jahre Konstanz regieren zu können. Für den Amtsinhaber ist das Ergebnis vom Sonntag gemäss politischen Beobachtern als Denkzettel zu werten und als Beleg, dass in der Grenzstadt viele mit der Politik unzufrieden sind. Pantisano hat es offensichtlich geschafft, sich als ökologisch-soziale Alternative zu Uli Burchardt zu präsentieren und sich, trotz teilweise stigmatisierender Reduzierung auf seine Parteizugehörigkeit, für breite Schichten wählbar zu machen.