Kommt die Deponie Sandeggere auf dem Seerücken, oder nicht? – Der Showdown an den Gemeindeversammlungen Wäldi und Raperswilen wirft seine Schatten voraus

In den Dörfern rund um die geplante Aushub-Deponie formiert sich vor den entscheidenden Abstimmungen nächste Woche Widerstand. Eine Gruppe «besorgter Einwohner» will die Lägerstätte unbedingt verhindern. Doch Unternehmer Hermann Dähler verteidigt sein Projekt.

Urs Brüschweiler
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Einwohner der Gemeinden Wäldi, Raperswilen und Salenstein wehren sich gegen die «Zerstörung der intakten Seerücken-Landschaft».

Einwohner der Gemeinden Wäldi, Raperswilen und Salenstein wehren sich gegen die «Zerstörung der intakten Seerücken-Landschaft».

(Bild: Reto Martin)


Die Argumente sprudeln förmlich aus ihnen heraus. Acht Personen aus den Gemeinden Raperswilen, Wäldi und Salenstein haben sich zum Ziel gesetzt, die geplante Deponie im Gebiet Sandeggere zu verhindern. 166'000 Quadratmeter gross soll die Lagerstätte des Typs A (unverschmutztes Aushub- und Ausbruchmaterial und unverschmutzter Bodenaushub, kein Abfall) werden und circa zehn Jahre in Betrieb sein.

«Das käme einer Zerstörung der intakten Landschaft auf dem Seerücken gleich.»

Das sagt Roger Oechslin aus Gunterswilen, unweit des umstrittenen Geländes. Er ist der Wortführer der Gruppe «besorgter Einwohner». Sie verteilen Flugblätter in alle Haushaltungen von Wäldi und Raperswilen und fordern die Bürger auf, an den Gemeindeversammlungen von nächster Woche Nein zu stimmen.

Beide Gemeindeversammlungen müssen Ja sagen

Weil sich das betroffene Gelände für die Deponie Sandeggere über die Grenze zweier Seerückengemeinden erstreckt — der grössere Teil in Wäldi, der kleinere in Raperswilen — werden die Stimmbürger beiderorts zu dem Projekt befragt. Raperswilen führt am kommenden Donnerstag, 13. August, in der Turnhalle eigens eine ausserordentliche Gemeindeversammlung zur Teilzonenplanrevision durch.

Am Tag darauf, am Freitag, 14. August, sind die Wäldinger Stimmberechtigten aufgefordert über Sandeggere abzustimmen. Coronabedingt wurde diese Versammlung von der Mehrzweckhalle Sonterswil in die Halle der Rüegg Gallipor AG, in Engwilen verlegt.

Nur wenn beide Gemeinden grünes Licht geben, kann das Projekt verwirklicht werden. Allerdings besteht für die Projektgegner darüber hinaus die Möglichkeit, dass sie ihre von den Gemeinden abgelehnten Einsprachen (deren fünf in Wäldi und zwei in Raperswilen) noch weiterziehen können.

«Die Landschaft wird neu designt», sagt Oechslin mit Blick auf das Ackerland. Aus dem Strässlein, auf dem er stehe, werde quasi ein Canyon, wenn links und rechts die Erde bis zu acht Meter hoch aufgeschüttet werde.

Der Unternehmer ärgert sich über falsche Zahlen

Unternehmer Hermann Dähler aus Fruthwilen, mit seiner Migev AG Initiant und künftiger Betreiber der Deponie, hat mit Widerstand gerechnet. Aber er ärgert sich über das Unverständnis und falsche Angaben. Er sagt:

«Bis auf eine Zahl sind die Fakten auf dem Flyer alle falsch. Es wird nichts zerstört, sondern das Areal wird schöner.»

Heute sei «Sandeggere» sehr schlecht entwässert. In feuchten Sommern sei die Bewirtschaftung hier fast nicht möglich. Nach dem Auffüllen sei das Kulturland hier deutlich besser.

An der Strasse zwischen Helsighausen und Hattenhausen ist die Deponie geplant. Die kleine Querstrasse (im Bild oben) markiert die Gemeindegrenze zwischen Wäldi (oben) und Raperswilen (unten).

An der Strasse zwischen Helsighausen und Hattenhausen ist die Deponie geplant. Die kleine Querstrasse (im Bild oben) markiert die Gemeindegrenze zwischen Wäldi (oben) und Raperswilen (unten).

(Bild: Donato Caspari - 12.3.2020)

Knackpunkt Lastwagen-Verkehr

Ein grosser Streitpunkt sind die Zulieferfahrten. 30 Lastwagen werden hier durchschnittlich pro Tag hin- und wegfahren, sagt Dähler mit Bezug auf ein Lärmgutachten. Und der Verkehr nehme nicht zu, sondern verlagere sich lediglich. Dähler betreibt heute bereits die Deponie Eggihof in Fruthwilen. Diese sei aber in einem Jahr voll und soll durch jene im Gebiet Sandeggere abgelöst werden.

«Weit über 50 Fahrten pro Tag» befürchten aber die Projektgegner in einem Flugblatt. Sie hätten es satt, dass sich die Brummis, wie bisher zur Deponie Eggishof, noch zehn weitere Jahre zur Deponie Sandeggere «durch unsere engen Dörfer quälen». Überhaupt sieht man den Standort auf dem Seerücken kritisch:

«Wieso der Aushub, zum Beispiel
aus der Agglomeration Kreuzlingen,
unbedingt auf den Ackerflächen im Seerückengebiet deponiert werden soll,
leuchtet nicht ein.»

Das schreiben die «besorgten Bürger». Alternativen seien ja vorhanden: bereits heute in Hörhausen und für die Zukunft sei bei der Autobahnausfahrt Kreuzlingen Süd die Deponie Ziegelhütte geplant, die verkehrstechnisch viel besser liege.

Hermann Dähler sagt, der Deponiebedarf sei ohne Zweifel gegeben, auch in Anbetracht der erwähnten Alternativen. Er sagt:

«Es ist nicht so einfach.
Irgendwo muss die Erde hin.»

Wenn man sagt: «Einfach nicht vor meine Haustür!», entspreche dies einer St.-Florian-Politik.

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