Kommentar
Mitspielen lassen heisst nicht mitreden lassen: Die Farmteams nützen der Swiss League mehr als sie schaden

Die Swiss League, die zweithöchste Schweizer Eishockeyliga, steht vor einem wegweisenden Entscheid. Sollen die Farmteams der National-League-Klubs ab der Saison 2022/23 noch mitspielen dürfen oder nicht? Im Sinne des Sports kann es eigentlich nur eine Lösung geben.

Matthias Hafen
Matthias Hafen
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Die Ticino Rockets (Fabian Ritzmann, links, gegen Ajoies Gaëtan Jobin) haben einen schweren Stand bei den traditionellen Swiss-League-Klubs.

Die Ticino Rockets (Fabian Ritzmann, links, gegen Ajoies Gaëtan Jobin) haben einen schweren Stand bei den traditionellen Swiss-League-Klubs.

Pascal Muller/Freshfocus

«Farmteams nicht willkommen»: Die Message der Gründerklubs war klar, als sie Anfang Dezember die Swiss League auf eigene Beine stellten und eine Aktiengesellschaft gründeten, die künftig unabhängig von der National League und dem nationalen Dachverband Swiss Ice Hockey funktionieren soll. Weder bei der Repositionierungsstrategie noch bei der Gründung dabei waren die Farmteams Ticino Rockets und EVZ Academy. Zu schlecht werden deren Chancen eingestuft, optimal vermarktet werden zu können. Und das Marktpotenzial ist die neue Währung, wenn es um eine selbstständige Swiss League geht, die künftig auch ihre Bildrechte, also ihren TV-Vertrag, selber verhandeln muss.

Es leuchtet ein, dass 180 Zuschauer in Biasca und 200 in der Zuger Trainingshalle nicht sonderlich attraktiv sind, um ein Produkt an den Mann und die Frau zu bringen. Zudem sind die beiden Farmteams auch bei ihren Gastspielen alles andere als Zuschauermagnete. Doch kann für die Fans auch ein Ausflug in die trostloseste Eishockeyprovinz ihren Reiz haben. Wer einmal am Dienstagabend in Biasca dabei war und die fast leere Eishalle als Gästefan mit Atmosphäre füllte, spricht heute noch davon.

Anciennitätsprinzip ist kein plausibler Grund

Zudem gibt es überhaupt keinen plausiblen Grund, weshalb die GCK Lions als Farmteam in der Swiss League zugelassen werden sollen, die Ticino Rockets und die EVZ Academy aber nicht. Denn Anciennitätsprinzip hin oder her: Alle Vorbehalte treffen auch auf die GCK Lions zu.

Das Marktpotenzial eines Klubs darf aber nicht die einzige Währung sein, wenn es um die Ligazugehörigkeit geht. Sowieso nicht in der Swiss League. Denn hinter der auf Professionalität getrimmten National League muss sie sich auch mit einheimischem Sportschaffen positionieren können, den eigenen Namen zum Programm machen. Und aktuell bilden die Farmteams Ticino Rockets, EVZ Academy und GCK Lions so viele junge Schweizer Spieler aus wie kein anderes Team der Swiss League. Es sind Spieler, die Ligakonkurrenten heute schon in ihren Kadern haben. Rockets-Sportchef Sébastien Reuille hat recht, wenn er sagt, dass von den Farmteam-Projekten letztlich das ganze Schweizer Eishockey profitiert.

Die Lösung liegt im Stimmrecht

Ebenso nachvollziehbar ist aber auch die Angst der sogenannt traditionellen Swiss-League-Klubs, dass ihre Liga durch den Einbezug der Farmteams von den Grossklubs aus der National League gesteuert wird. Deshalb braucht die Swiss League jetzt einen Swiss Kompromiss, um diese Kurve zu kriegen. Eine erträgliche Anzahl Farmteams sollte im Sinne des Sports zugelassen werden, doch müssen sie mit weniger Mitbestimmungsrecht auskommen als die Traditionsklubs. Damit sollten dann alle leben können.