Kommentar
Ein Museum darf das

Das Amriswiler Schulmuseum steht im Dialog mit einer Lehrerin aus Bern, die sich durch eine rund 60-jährige Puppe diskriminiert fühlt.

Manuel Nagel
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Manuel NagelRedaktor Thurgauer Zeitung

Manuel Nagel
Redaktor Thurgauer Zeitung

Bild: Donato Caspari

Eine Lehrerin aus Bern nahm jüngst Anstoss an einer Häkelpuppe im Schulmuseum Amriswil, die eine dunkelhäutige Person im Bastrock darstellt. Es ist bislang nur jemand, der seit Beginn der Ausstellung 2018 sich durch die 60 Jahre alte Puppe diskriminiert fühlt und deshalb beim Schulmuseum interveniert hat: Man solle die Puppe entfernen.

Das Schulmuseum nimmt diese Reaktion ernst – auch wenn es die Puppe nicht entfernt. Das Schulmuseum tut das, gerade weil es die Puppe nicht entfernt und die Angelegenheit klammheimlich unter den Teppich kehren will, wie das vielleicht andere tun würden. Statt der Forderung einfach nachzugeben, stellen sich die Verantwortlichen dem Dialog und nehmen auch in Kauf, dass ein Shitstorm auf das Museum niederprasseln könnte. Welche Eigendynamik das Thema in der heutigen digitalen Zeit und im Zuge von «Black Lives Matter» annehmen kann, sah man erst bei der Debatte um «Mohrenköpfe».

Doch das Schulmuseum ist kein Grossverteiler und die umstrittene Puppe keine Süssigkeit, sondern ein Zeitzeuge aus den 50er-Jahren. Und ihre Erschafferin damals, ein Mädchen aus der dritten oder vierten Klasse, hatte wohl kaum rassistischen Gedanken, sondern eher Sympathie für die afrikanische Kultur – auch wenn die Abbildung einem mittlerweile überholten Stereotyp entspricht.

Genau das aufzuzeigen und den historischen Kontext herzustellen, das ist Aufgabe eines Museums. Deshalb darf das Schulmuseum diese Puppe nicht nur in der Ausstellung lassen, nein es muss sie gar weiterhin zeigen.

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