Kommentar
Die Swiss League überschätzt ihr Potenzial

Die zweithöchste Schweizer Eishockeyliga darf in ihrer Vorwärtsstrategie nicht nur auf die ambitionierten Klubs schauen, schreibt TZ-Sportredaktor Matthias Hafen in seinem Kommentar. Denn die ehemalige NLB wird seit Jahren auch von Teams mit geringerem Zuschauerpotenzial getragen.

Matthias Hafen
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Matthias Hafen, TZ-Sportredaktor

Matthias Hafen, TZ-Sportredaktor

Reto Martin

Im Schweizer Eishockey findet gerade eine Revolution statt. Die Aufsplittung von Verband (Swiss Ice Hockey), höchster Liga (National League) und zweithöchster Liga (Swiss League) ist in vollem Gang. Und das, obwohl die Einheit von Dachorganisation und Klubs, von Profis und Amateuren ein Erfolgsgeheimnis des Schweizer Eishockeys ist. Während der Plan für die National League zumindest finanziell aufgehen könnte, kommt die Swiss League unter Druck.

Am Ursprung der Revolution stehen die aktuell 35 Millionen von TV-Geldern pro Saison, die der Verband heute nach einem fixen Schlüssel unter sich und allen Teams der National League sowie Swiss League aufteilt. Von diesem Kuchen will die National League mehr und spaltet sich deshalb ab. Denn vermarktungstechnisch haben nur ihre Bildrechte wirklich Potenzial. Aufgrund der Abspaltung der National League wurde die Swiss League dazu gezwungen, sich ebenfalls neu zu positionieren. Die selbstbewusste Lösung: die Gründung einer eigenen Aktiengesellschaft.

Die Gründer der Swiss League AG glauben fest daran, dass sie künftig mehr als die aktuellen 365000 Franken für jeden Klub herausholen können. Dabei setzen sie nebst der regionalen Verankerung auf den technologischen Wandel und den veränderten Medienkonsum in der Bevölkerung. Sprich: Die Spiele der Swiss League sollen künftig gegen Geld auch professionell übers Internet gestreamt und vermarktet werden. Doch die Swiss League überschätzt sich.

In der zweithöchsten Liga gibt es zwar ambitionierte Klubs wie Kloten, Olten, Visp und dereinst wohl auch wieder Langenthal. Sie haben grosses Zuschauerpotenzial. Sie sind es aber auch, die als Erste mit der «neuen» National League flirten werden. Hingegen besteht die Swiss League ebenso aus Klubs, die auf eine treue Fangemeinde zählen, heute aber kaum 2000 Zuschauer ins Stadion bringen. Dazu gehört der HC Thurgau. Bei ihnen kommt das finanzielle Potenzial an seine Grenzen.

Die Swiss League hätte sich auch unter der Obhut des nationalen Verbands positionieren können. Etwa als neues Vorzeigeprodukt von Swiss Ice Hockey. Als Ausbildungsliga mit punktuellem (ausländischen) Spektakel. Das, was sie heute schon ist. Unabdingbar für einen gesunden Unterbau des Schweizer Eishockeys. Das erträgt sogar ein gesundes Mass an Farmteams.