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Glosse

Prostitution in Arbon: «Komm hier, liebes Schätzchen»

Die Arboner Politik der Prüderie hat nichts gebracht. Vor sechs Jahren sagte die Stadt der Prostitution den Kampf an. Der Erfolg ist gleich Null. Es ist schlimmer denn je.
Markus Schoch
Markus Schoch, Redaktor der Thurgauer Zeitung in der Redaktion Arbon (Bild: Reto Martin)

Markus Schoch, Redaktor der Thurgauer Zeitung in der Redaktion Arbon (Bild: Reto Martin)

Die Arboner Politik der Prüderie hat nichts gebracht. Vor sechs Jahren sagte die Stadt der Prostitution den Kampf an. Der Erfolg ist gleich Null. Es ist schlimmer denn je. Kürzlich fuhr ich mit dem Velo um etwa 18 Uhr an einem Sexclub an der Berglistrasse vorbei, wie ich es schon Hunderte Male vorher auf dem Weg von der Arbeit nach Hause getan hatte. In der Tür stand diesmal eine sehr hochsommerlich gekleidete Frau und rief mir winkend zu: «Komm hier, liebes Schätzchen.»

Ich blickte sie zuerst ungläubig an und dreht dann den Kopf, um zu sehen, wen sie gemeint hatte. Doch da war niemand ausser mir auf der Strasse. Nicht einmal die Katze, die sich früher immer wieder mitten auf die Fahrbahn gelegt hatte, um zu dösen, was ihr möglicherweise zum Verhängnis geworden ist. Denn ich habe sie lange nicht mehr gesehen. Die Frau in der Tür hatte ich vorher noch gar nie gesehen. Und ich will ihr auch kein zweites Mal begegnen. Ich habe Angst. Nicht nur um meinen guten Ruf. Doch wer soll mich beschützen? Genau: Es ist niemand da. Weil alle Sicherheitskräfte mittlerweile damit beschäftigt sind, die neuen Überwachungszonen zu kontrollieren, zu denen offenbar jeder Quadratmeter freier Grund in der Stadt gemacht werden soll, wo zwei oder mehr Personen zusammen ein Bier trinken, etwas laut werden und Abfall hinterlassen könnten.

So kann es nicht weiter gehen. Doch was muss passieren, damit die Verantwortlichen endlich reagieren? Ich weiss es nicht. Aber ich liefere mich der Gefahr nicht mehr länger schutzlos aus. Ich habe jetzt vorsichtshalber immer einen Güselsack auf dem Gepäckträger des Velos dabei. Den leere ich aus und beginne zu grölen, wenn’s vor dem Sexclub brenzlig werden sollte. Ich bin sicher: Dann eilt mir in dieser blitz-sauberen Stadt sofort eine Patrouille zu Hilfe.

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