Koalition der Willigen: Drei Politiker aus unterschiedlichen Parteien diskutieren in Kreuzlingen über den Klimawandel

Die FDP Thurgau hat im Trösch in Kreuzlingen eine Diskussion zum Thema Klimawandel veranstaltet. Dort trafen Kantonsrat Peter Dransfeld von den Grünen, Kantonsrätin Nina Schläfli von der SP und Kantonsratskandidat Gerd Ganteför von der FDP aufeinander.

Inka Grabowsky
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Kantonsrat Peter Dransfeld (Grüne), Kantonsrätin Nina Schläfli (SP) und Kantonsratskandidat Gerd Ganteför (FDP) diskutieren über den Klimawandel.

Kantonsrat Peter Dransfeld (Grüne), Kantonsrätin Nina Schläfli (SP) und Kantonsratskandidat Gerd Ganteför (FDP) diskutieren über den Klimawandel.

(Bild: Andreas Stalder)

«Alle akzeptieren die Fakten und das Ziel. Das ist doch ein gutes Zeichen.» Manfred Irsch, verantwortlich für Veranstaltungen bei der FDP Thurgau, hatte die Diskussion im Trösch angeregt. Kantonsrätin Nina Schläfli von der SP, Kantonsrat Peter Dransfeld von den Grünen und der Kantonsratskandidat Gerd Ganteför von der FDP waren der Einladung gefolgt.

Offizielle Moderatorin ist Maike Scherrer (FDP), doch die Professorin der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften mit dem Forschungsschwerpunkt «Nachhaltige Mobilität» bringt auch eigenes Wissen bei.

«Studien legen nahe, dass es am meisten bringen würde, wenn man die Kühlmittel in ausrangierten Kühlschränken weltweit besser entsorgen würde»

erklärt sie dem Publikum. FKW, die die ozonschädlichen FCKW erfolgreich abgelöst hätten, seien ein sehr potentes Treibhausgas.

Die drei Politiker neben ihr haben andere Prioritäten. Unter anderem sorgen sie sich wegen des Wachstums der Weltbevölkerung.

«Wenn sich die Bildungschancen von Frauen in Entwicklungsländern erhöhen, dürfte sich auch die Geburtenrate stabilisieren»

sagt Physikprofessor Ganteför. Schläfli fordert, dass die Schweiz über eine verstärkte Entwicklungszusammenarbeit zur Erreichung dieses Ziels beitragen soll.

Weniger Fernreisen, dafür mehr Velofahrten

Die unterschiedlichen Einstellungen zum Weg zu mehr Klimaschutz machen die Diskussion spannend. Schläfli und Dransfeld etwa halten die Förderung von Solaranlagen für sinnvoll, Ganteför sieht darin eine massive Fehlentwicklung, die mitunter zu enormer Überproduktion führe.

Und während Dransfeld etwa den Gewinn an Lebensqualität durch weniger Fernreisen und mehr Velofahrten anpreist, will Ganteför auf Erlebnisse in der weiten Welt keinesfalls verzichten. Er sagt:

«Unsere Gesellschaft ist so weit entwickelt, weil wir durch Reisen unseren Horizont erweitert haben.»

Verbote seien ihm höchst suspekt. Anders als Dransfeld und Schläfli plädiert Ganteför auch bei den Themen emissionsfreier Finanzplatz oder dem Ende des Heizens mit fossilen Brennstoffen für Eigenverantwortung statt Verordnung. Zum Ende der Diskussion allerdings fiel er einmal aus dieser liberalen Rolle. «Dass täglich im über Gebühren finanzierten Fernsehen suggeriert wird, dass Kaufen glücklich macht, gehört verboten.» Der Applaus des Publikums war ihm sicher.

Individuelle Massnahmen oder globale Technologien

Nicht ganz so begeistert waren die Zuhörer, als Ganteför verkündete, dass seiner Ansicht nach das 2-Grad-Ziel kaum noch zu schaffen sei. Seiner Ansicht nach werde es 2050 0,5 Promille CO2 oder andere Treibhausgase in der Atmosphäre geben. Normal waren bis vor 200 Jahren 0,26 Promille.

«Die Physik weiss, dass das Klima sich ändert, aber mit Angst und Panik lösen wir das Problem nicht. Wir werden nicht alle in wenigen Jahrzehnten sterben.»

Der Physiker hofft auf global eingesetzte Technologien, die Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre herausfiltern. «Und wenn wir an die Verursacher gehen wollen, dann müssten wir weltweit Kohlekraftwerke schliessen.»

An die Wirksamkeit von individuellen Massnahmen glaubt Ganteför nicht: Vegane Ernährung rette die Welt schon deshalb nicht, weil auch aus Reisfeldern viele Treibhausgase aufstiegen. Dransfeld widerspricht: «Ehret die kleinen Schritte», ruft er. «Es geht schneller, das Verhalten der Menschen zu ändern, als eine neue Technologie einzuführen.» Auch Schläfli ist zuversichtlich, dass der Klimawandel noch abgemildert werden kann: «Aber wir müssen einen Zacken zulegen.»