Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Klangreich-Konzerte in Romanshorn: Es geht mit einem Star los

Am Sonntag startet die neue Klangreich-Reihe mit einem Auftritt des Saxofonisten Chico Freeman. Veranstalter Christian Brühwiler spürt einmal mehr den musikalischen Zwischenräumen nach.
Markus Schoch
Chico Freeman: Nur noch ganz wenige seiner Generation sind ähnlich kreativ und offen unterwegs. (Bild: PD)

Chico Freeman: Nur noch ganz wenige seiner Generation sind ähnlich kreativ und offen unterwegs. (Bild: PD)

Herr Brühwiler, «Moments» heisst das aktuelle Klangreich-Programm. Was genau verbindet die sechs Konzerte zwischen Herbst und Frühling?

Musik ist eine flüchtige Sache, insbesondere bei den von mir organisierten Konzerten, die in ihrer Art einmalig sind, da die Improvisation eine grosse Rolle spielt. Es sind spezielle Momente, die nicht wieder kommen.

Ausgeprägt ist diese Einmaligkeit sicher bei der Barockgeigerin Maya Homburger. Sie möchte bei ihrem Konzert Ende Jahr im Dialog mit dem Publikum gern Bachs Solostücke erforschen und tiefer in dessen Musik eintauchen.

Sie lässt das Programm bewusst offen und geht auf Wünsche der Zuhörer ein, spielt vielleicht ein Stück zweimal in Variationen. Ich bin gespannt.

Was ist der Rahmen für diese speziellen Momente?

Ich bin weder ein reiner Jazz – noch ein reiner Klassikveranstalter. Ich suche die Zwischenräume. Es geht mir um die Verbindung von alter und neuer Musik, um Improvisation und Reduktion. Wichtig ist mir auch, dass Frauen in meinen Programmen vertreten sind. Geprägt sind sie selbstverständlich auch von dem, was ich als Musiker selber mache.

Inwiefern?

Christian Brühwiler. (Bild: PD)

Christian Brühwiler. (Bild: PD)

Im letzten Jahr erarbeitete der junge Theaterpädagoge, Komponist, Regisseur, Dirigent und Produzent Nikolaus Matthes zusammen mit einer Schulklasse eine Aufführung von Franz Grillparzers «Das goldene Vliess» und komponierte dazu unerhört inspirierte Musik für Gesangssolisten und zwei opulent besetzte Barockorchester. Ich war daran beteiligt, es war der helle Wahnsinn. Alle, die mitgemacht haben, waren tief berührt. Im nächsten Frühling veranstalten wir dazu einen Thementag mit Einführung ins Projekt, einer Filmvorführung und einem Konzert in reduzierter Form.

Worauf freuen Sie sich mit Blick auf das neue Programm am meisten?

Auf alles. Weil alles eine spezielle Qualität hat.

Die Konzerte sollen nicht nur zugänglich und spannend sein, sondern vor allem auch Überraschung bieten. Wo kommen die Besucher in dieser Beziehung am ehesten auf Ihre Kosten?

Ich würde sagen beim Projekt «Un sacré imaginaire!». Es ist inspiriert von der traditionellen Musik und den ländlichen Hymnen Amerikas. Eric Longsworth hat sie neu arrangiert und angereichert mit Elementen des Jazz und der Weltmusik.

Den Auftakt macht Chico Freeman. Der zweifach für den Grammy nominierte Ausnahmemusiker zählt zu den wichtigsten Saxofonisten, Komponisten und Produzenten unserer Zeit. Viele der von Ihnen verpflichteten Musiker spielen in ihrem Bereich in einer ähnlichen Liga. Wie schaffen Sie es, solche Koryphäen in die Provinz nach Romanshorn zu bringen?

Marco Mezquida. (Bild: PD)

Marco Mezquida. (Bild: PD)

Im konkreten Fall war es eine Anfrage von Reto Weber, der Teil des Trios ist. Der Dritte im Bunde ist Svante Henryson, der in Schweden ein Star ist und europaweit zu den führenden improvisierenden Cellisten gehört. In anderen Fällen kommt mir mein Netzwerk zugute. Und mein Gespür. Der Spanier Marco Mezquida gab vor drei Jahren auf meine Einladung sein erstes Auslandskonzert. Jetzt ist der Pianist auf dem Weg zu einer Weltkarriere. Ich bin freundschaftlich mit ihm verbunden. Nach dem besonderen Duokonzert, das er letztes Jahr mit Pierre Favre gespielt hat, planen wir nun für nächsten Mai ein «Artist in Residence», Projekt mit fünf Konzerten in Konstanz und der Ostschweiz. Mit dem gleichen Programm ist er übrigens kurz darauf in der Hamburger Elbphilharmonie zu hören.

Bekommen Sie auch Absagen von Musikern?

Das kommt vor, meist aus terminlichen Gründen. So war es beispielsweise mit der Gruppe sCHpillit, die im Februar des nächsten Jahres Heinz Holligers «Alb-Chehr» zur Aufführung bringt. Ich wollte sie schon vor zwei Jahren haben, aber erst jetzt hat es geklappt.

Gibt es Personen, bei denen Sie es gar nicht probieren, weil Sie finanziell oder vom Renommee her ausser Reichweite sind?

Ernst Reijseger. (Bild: PD)

Ernst Reijseger. (Bild: PD)

Ja, die gibt es. Der holländische Cellist Ernst Reijseger ist so eine. Ich dachte immer, sein Programm mit den «Cuncordu e Tenore de Orosei» sei eine Nummer zu gross für mich. Und nun kommt er doch nach Romanshorn im Rahmen des Bodenseefestivals. Es ist wie ein Geschenk. Zu verdanken ist das unter anderem dem Kulturpool und Zusatzkonzerten, die finanzielle Vorteile bringen.

Wie gross ist das Interesse an der Klangreich-Reihe?

Manchmal kommen mehr, manchmal weniger. Zum Konzert am nächsten Sonntag mit Chico Freeman erwarte ich etwa 120 Personen. Das ist eine überschaubare Grösse. Aber eine gewisse Intimität ist für viele der von mir veranstalteten Konzerte wichtig.

Kommen Sie finanziell auf die Rechnung?

Eigentlich nicht. Ich erhalte eine kleine Entschädigung. Das Engagement in einem Kulturverein ist grundsätzlich Freiwilligenarbeit. Wir zahlen jedoch faire, angemessene Gagen, das ist mir wichtig.

Sie verdienen Ihr Geld als Musiker?

Das ist so.

Kommerzialisieren lässt sich das Konzept im grösseren Rahmen nicht?

Diese Art von Konzerten ist schwierig zu veranstalten.

Auch in einer grossen Stadt?

Auch dort.

Warum?

Das Angebot ist gross. Ich habe letztes Jahr beispielsweise erfolglos probiert, in Zürich einen Auftritt von Pierre Favre und Marco Mezquida zu organisieren. Es war nur schon fast unmöglich, einen geeigneten Raum mit verfügbarem Flügel zu finden. Die Messlatte liegt hoch: Die Alte Kirche ist ein wunderbarer Ort. Viele beneiden uns um ihn.

Aus welchem Grund?

Er hat grosse Qualitäten. Der Percussionist Andrea Piccioni spielt in grossen Hallen und Sälen auf der ganzen Welt. Er hat mir gesagt: Wenn er einmal eine Solo-CD mache, werde er sie in Romanshorn in der Alten Kirche aufnehmen, wo er schon zu Gast war. Es geht nicht alles, aber gerade kleinere, unverstärkte Besetzungen klingen ausserordentlich gut.

Seltene Gelegenheit

Am Sonntag, 28. Oktober, eröffnet Chico Freemans Exotica Trio die neue Saison. Es ist eine seltene Gelegenheit, eine der ganz grossen Stimmen der Jazzgeschichte hautnah in intimer Atmosphäre zu erleben. Das Konzert in der Alten Kirche beginnt um 17 Uhr. Mit dem Saxofonisten auf der Bühne stehen der Schweizer Perkussionist Reto Weber und der schwedische Cellist Svante Henryson. Reservation und Infos auf www. klangreich.ch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.