Kinder ziehen an Silvester lärmend durch Schönholzerswilen

Am Silvestermorgen zogen elf Kinder von Haus zu Haus, um gute Wünsche für das neue Jahr zu überbringen. Die alte Tradition bescherte ihnen reiche Beute.

Monika Wick
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Elf Kinder aus Schönholzerswilen ziehen durch das Dorf und vertreiben mit ihrem Lärm die bösen Geister. (Bild: Monika Wick)

Elf Kinder aus Schönholzerswilen ziehen durch das Dorf und vertreiben mit ihrem Lärm die bösen Geister. (Bild: Monika Wick)

Morgens um fünf Uhr ist es im Schönholzerswiler Ortsteil Weiblingen stockdunkel. Zudem ist es mucksmäuschenstill. Lediglich die eigenen Schritte auf dem nassen Asphalt und das Plätschern des Dorfbrunnens sind zu hören. Plötzlich ist in der Stille das Flüstern von Kindern zu vernehmen.

Emily Brune, 10 Silvesterkind (Bild: Monika Wick)

Emily Brune, 10 Silvesterkind (Bild: Monika Wick)

«Die Leute waren nett und haben uns viel Süssigkeiten und Geld gegeben. Ich hatte Spass.»

Ihre Stirnlampen ermöglichen ihnen die Orientierung in der morgendlichen Finsternis. Trotz ihrer Bemühungen, vorerst unbemerkt zu bleiben, führen die elf Mädchen und Buben nichts Böses im Schilde. Ihre Mission für den Silvestermorgen ist es, mit verschiedensten Glocken, Rätschen, Pfannendeckeln und lautem Gebrüll die bösen Geister des alten Jahres zu vertreiben und den Bewohnern ein gutes, neues Jahr zu wünschen.

«Stirnlampen aus», ruft ein Mädchen, kurz bevor das Grüppchen nach einer kurzen Marsch den Weiler Wieden erreicht. Auf leisen Sohlen schleichen sie zu den Haustüren. An manchen Eingängen hängt bereits eine Süssigkeit oder ein Batzen. An den anderen lärmen sie, was das Zeug hält. Als gar niemand die Türe öffnet, macht sich etwas Enttäuschung breit. Davon lassen sich die Kinder aber nicht entmutigen.

Viele lustige Erinnerungen

Quer über die Wiese steigen sie nach Immenberg hinunter und kehren danach nach Weiblingen zurück. «Ihr dürftet ruhig etwas mehr Lärm machen», wünscht sich Markus Bartholdi, der noch etwas schlaftrunken seine Haustüre öffnet. Der 60-jährige Lehrer mag sich noch gut daran erinnern, als er mit seinen Kameraden aus der Primarschule in Amlikon «silvesterlen» ging.

Lukas Zürcher, 12  Silvesterkind (Bild: Monika Wick)

Lukas Zürcher, 12 Silvesterkind (Bild: Monika Wick)

«Silvesterlen ist voll cool. Es macht Spass, die Leute zu wecken und sie etwas zu nerven.»

«Damals organisierte das unser Lehrer und wir waren immer rund 30 Kinder», sagt er. «Die Sekundarschüler haben die Auspuffrohre an ihren Töfflis abgeschraubt und sind so herumgefahren, um zu lärmen», fügt er lachend hinzu.

Derweil zieht die lärmende Truppe weiter und freut sich jedes Mal, wenn jemand eine Gabe vom Balkon wirft oder sie an einem Stück Schnur aus dem Fenster abseilt. «Es guets Neus», rufen die Kinder und bedanken sich für die Gaben.

Schon vor 60 Jahren wurden die Kinder mit einem Geldbetrag oder Schleckwaren für die guten Wünsche belohnt. Daran erinnert sich Christian Sulser, der im St. Galler Rheintal gelegenen Wartau aufgewachsen ist. «Das ‹silvesterlen› ist ein sehr schöner Brauch. Es gefällt mir viel besser als der Umzug zu Halloween», sagt er.

Im Aargau gibt es das nicht

Kurz nach sechs Uhr reissen die Kinder Pia Hofstetter aus dem Schlaf. «Im Aargau, wo ich aufgewachsen bin, kannten wir den Brauch des Silvesterläutens nicht», erklärt sie. Als sie dies in Eschlikon das erste Mal erlebte, sei sie erschrocken.

Auch Patrick Blattmann weiss, eine Geschichte aus seiner Jugend zu erzählen. «In Bütschwil wohnten etliche Zuwanderer, die den Brauch nicht kannten und uns deshalb mit Schuhen beworfen haben», erzählt er lachend.

Reichlich durchnässt werden die Kinder nach getanem Werk von Frank und Petra Brune erwartet. Sie versorgen die Kinder mit warmem Essen und Getränken, bevor diese die reiche Beute unter sich verteilen.