Kiesabbau
Drei Gemeinden spannen beim Richtplan für den Kiesabbau zusammen

In Weinfelden, Berg und Bürglen liegt derzeit der Revidierte Richtplan Kiesabbau öffentlich auf. Neue Gebiete für den Abbau sind keine dazu gekommen. Dennoch geben die Pläne zu reden.

Mario Testa
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Der Weinfelder Bauamtchef Martin Belz mit dem Richtplan und den Karten für den Kiesabbau in der Region Weinfelden.

Der Weinfelder Bauamtchef Martin Belz mit dem Richtplan und den Karten für den Kiesabbau in der Region Weinfelden.

Bild: Mario Testa

Wo gebaut wird, braucht es Kies. Viel Kies. Rund eine Million Kubikmeter sind es pro Jahr alleine im Thurgau, wie dem Kantonalen Richtplan zu entnehmen ist. Rund 60 Prozent dieser Menge kommt aus dem Thurgau selbst, der Rest wird aus den umliegenden Kantonen und Deutschland importiert. Damit auch weiterhin Kies im Thurgau abgebaut werden kann, braucht es Richtplangebiete, in denen auch künftig die Steine aus dem Boden geholt werden können. «Der Richtplan zeigt auf, welche Flächen für den Abbau geeignet sind und in welcher Abfolge der Abbau erfolgen soll», sagt Martin Belz, Chef des Bauamts Weinfelden.

In Weinfelden, Berg und Bürglen liegen grosse Gebiete, wo entweder bereits Kies abgebaut wurde, wird oder künftig abgebaut werden soll. Es gibt hier noch kurz- bis mittelfristige Reserven. Die drei Gemeinden haben deshalb beschlossen, den Richtplan Kiesabbau gemeinsam zu überarbeiten. Derzeit liegt diese Revision in allen drei Bauämtern auf.

Etappierungen werden angepasst

Viel geändert hat sich zum bisherigen Richtplan aus dem Jahr 2013 nicht. «Es kommen keine zusätzlichen Abbauflächen hinzu», sagt Belz. «Geändert hat sich aber die Etappierung. Statt bisher vier, gibt es nun noch drei Etappen.» Zudem seien gewisse Gebiete um eine Etappe nachgerückt.

Das Gebiet mit den Flurnamen Falewise, Himmelriich und Eierlen gehört auch zu den Richtplangebieten für Kiesabbau.

Das Gebiet mit den Flurnamen Falewise, Himmelriich und Eierlen gehört auch zu den Richtplangebieten für Kiesabbau.

Bild: Mario Testa

Eines dieser Gebiete ist in Weinfelden, es betrifft grosse Weide- und Ackerflächen östlich des Hofs von Stadtrat Hans Eschenmoser bis hin zum Eierlenwald. Auf diesem bei Spaziergängern beliebten Gelände hat der Plan des Kiesabbau-Gebiets mehrere Spaziergänger aufgeschreckt. «Hier soll ein Kiesabbau-Gebiet entstehen», steht auf einem Zettel an einem Robidog. «Der Kiesabbau in diesem Naherholungsgebiet wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern», schreiben die unbekannten Verfasser.

Mit dem zweiten Punkt könnten sie recht behalten, wenn auf einer so grossen Fläche etappiert Kies abgebaut wird, kann das sehr lange dauern. Aber neu entstanden sei das Gebiet nicht, betont Martin Belz.

«Schon in den 1970er- und 1980er-Jahren wurde Kies auf der Falewise abgebaut. Als mögliches Abbaugebiet ist es auch schon im aktuellen Richtplan vermerkt, nicht erst jetzt in der revidierten Fassung.»

Er könne aber natürlich schon verstehen, dass der Gedanke an Kiesgruben statt Ackerland die Passanten störten. «Kiesabbau ist ein Eingriff, der grosse und langfristige Veränderungen bedeutet», sagt Belz. Aber genau dem werde im revidierten Richtplan auch Rechnung getragen. «Es besteht dann eine Auffüllungsverpflichtung, die neu zeitlich auf zwei Jahre begrenzt ist.»

Nach dem Abbau müssen Öko-Ausgleichsflächen angelegt werden

Nebst dieser Verpflichtung zum raschen Wiederauffüllen, müssten anschliessend sieben Prozent der Fläche in permanente ökologische Ausgleichsflächen umgestaltet werden. Solche Ausgleichsflächen sind heute beispielsweise die Dreiecksbiotope am Waldrand hinter der Mowag-Testpiste auf Bürgler Gemeindegebiet oder der Mühlebach ganz im Osten von Weinfelden.

Für Bürglen und Berg bedeutete die gemeinsame Erarbeitung des Richtplans mit Weinfelden weniger Arbeit. «Wir sind froh, hat Martin Belz den Lead übernommen. Da hatten wir nichts dagegen», sagt Bürglens Bauverwaltungsleiter Beat Steiner. «Das war ein super Service, auch mit den Vorarbeiten für die Auflagen.» Steiner merkt noch an, dass beim Richtplan die Etappierungen auch neu gemacht wurden im Hinblick auf einen möglichen Bau der Bodensee-Thurtal-Strasse.

«Da muss die zeitliche Abfolge stimmen. Wenn die Strasse gebaut ist, kann da kein Kies mehr abgebaut werden.»

Auch aus Berg gibt es nur Lob für die Arbeit von Martin Belz, der den Lead bei der Revision des Richtplans übernommen hat. «Er ist mit dem Thema sehr vertraut und wir haben sein Angebot dankend angenommen», sagt Gemeindepräsident Thomas Bitschnau. Zudem sei Berg mit gerade mal sieben Prozent der ganzen Abbauflächen auch viel weniger betroffen als Weinfelden oder Bürglen. «Wir sind da eher eine Randfigur.»

Einwendungsverfahren

Rechtsmittel erst im nächsten Schritt

Gegen den Richtplan kann die Bevölkerung trotz öffentlicher Auflage keine Einsprache machen. Möglich sind aber Einwendungen, welche die Stadt Weinfelden oder die Gemeinden Bürglen oder Berg beantworten müssen. Möglichkeiten für Rechtsmittel gibt es für die Einwohner in allen späteren Schritten vor einem möglichen Kiesabbau: bei der Zonenplanänderung, beim Gestaltungsplan und dem Baugesuch.