Kesswiler Gemeinderat stellt sich unbequemen Fragen

Im Rahmen des zweiten Politgesprächs brachten Bürger ihre Anliegen ein.

Barbara Hettich
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Gemeindepräsident Rolf Steiger lud zum offenen Talk. (Bild: Barbara Hettich)

Gemeindepräsident Rolf Steiger lud zum offenen Talk. (Bild: Barbara Hettich)

In Kesswil ist das Interesse an der Gemeindepolitk gross, entsprechend nahmen rund 80 Interessierte am zweiten Politikgespräch teil. Der Gemeindeverein hat den Abend organisiert, und der Gemeinderat hatte aus 17 vorgeschlagenen Themen fünf auf die Agenda gesetzt.

5G sorgt für Diskussionen

Für Diskussionsstoff sorgte insbesondere die geplante 5G-Mobilfunkantenne bei der ARA. Bei der öffentlichen Auflage im Januar gab es fünf Einsprachen gegen das Vorhaben und im September wurde dem Gemeinderat eine Petition mit 165 Unterschriften in dieser Angelegenheit übergeben. «Auf die Baubewilligung hat der Gemeinderat aber keinerlei Einfluss mehr», informierte Gemeinderat Urs Signer. Der Kanton behandle die Einsprachen.

Die Gemeinde sei Eigentümerin dieses Lands und könne sehr wohl etwas gegen die geplante Anlage tun: der Gemeinderat nehme die Sorgen und Ängste der Bevölkerung nicht ernst, er habe es nicht mal für nötig erachtet, zur Petition Stellung zu nehmen. Man sei enttäuscht über diese passive Haltung, kamen Vorwürfe aus dem Publikum. «Wir informieren heute», hielt Gemeindepräsident Rolf Steiger dagegen und stellte klar, dass das besagte Grundstück nicht der Gemeinde gehört, sondern der ARA, dem Abwasserzweckverband der vier Gemeinden Kesswil, Uttwil, Dozwil, Güttingen. Die Delegierten hätten sich für die geplante Antenne ausgesprochen, auch bei einer zweiten Abstimmung beim Wiedererwägungsantrag nach Eingabe der Petition. Für eine Baubewilligung gebe es eine ergänzende Bestimmung: Weitere Anbieter müssen auf diese Antenne zurückgreifen.

Niemand für die Umwelt zuständig

Beim Kesswiler Gemeinderat fühlt sich anscheinend niemand für das Thema Umwelt verantwortlich. Vize-Gemeindepräsidentin Katja Nobs hatte die undankbare Aufgabe, sich für das Politgespräch in diesem Bereich schlau zu machen und präsentierte eine Auswertung der Wasserqualität in den Fliessgewässern der Gemeinde Kesswil. «Darauf können wir nicht stolz sein», sagte sie. Der Eschelisbach dürfte wohl zu den acht am stärksten belasteten Bächen der Schweiz gehören und werde nun vom Bund überwacht.

«Und was tut der Gemeinderat dagegen?», fragte ein Votant und sagte: «Ihr müsst das ernster nehmen, das Zeug läuft in den See, in den Trinkwasserspeicher von rund fünf Millionen Menschen.» Verschiedene Votanten meinten, Schuldzuweisungen würden nichts bringen. Man könne aber vieles besser machen und nicht nur die Landwirte, sondern auch die Gartenbesitzer sollten ihr Tun hinterfragen. Der Vorschlag von Katja Nobs, eine Umweltkommission einzusetzen, fand breite Unterstützung.

Ferner informierte der Gemeinderat über die Ortsplanung und über bevorstehende Strassensanierungen. Ziel sei es, auch eine Parkplatzbewirtschaftung einzuführen, Pläne dazu gibt es bislang noch nicht.