Kesswil will am Hafen einen Begegnungsplatz schaffen und einen 120 Meter langen Steg zur Stelli draussen im See bauen

Eine Erweiterung des bestehenden Gondelhafens ist kein Thema mehr. Die Bevölkerung kann sich jetzt bis im Sommer zu den Plänen äussern.

Markus Schoch
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Luftaufnahme mit der Stelli vor dem Gondelhafen in Kesswil.

Luftaufnahme mit der Stelli vor dem Gondelhafen in Kesswil.

(Bild: PD)

Der Gemeinderat hat Grosses vor. Und er möchte am Schluss nicht noch ins Straucheln kommen, nachdem er bereits weite Wege gegangen ist und viel Zeit und Energie in das Projekt investiert hat. Die Bevölkerung soll sich deshalb in einem frühen Stadium grundsätzlich zu den Plänen äussern können. Gemeinderat Urs Signer sagt:

Gemeinderat Urs Signer.

Gemeinderat Urs Signer.

(Bild: PD)
«Es geht darum, einen Trend sichtbar zu machen.»

Signer war bis vor kurzem auch Präsident des vor über 20 Jahren gegründeten und seit kurzem wieder aktiven Fördervereins, der das Projekt eines Inselhafens vorantrieb, dem das Bundesgericht im Jahr 2003 aus ortsbildschützerischen Gründen einen Riegel schob.

Grobkonzept beim Kanton zur Vorprüfung

Die Gemeinde hat letzte Woche eine Website aufgeschaltet, auf der sich die Kesswiler (und auch Auswärtige) in den nächsten zwei Monaten zur Aufwertung des Hafengeländes äussern können. Gleichzeitig hat sie ein Grobkonzept beziehungsweise eine Machbarkeitsstudie beim Kanton zur Vorprüfung eingereicht.

Der Parkplatz mit dem Wiesli davor soll zu einem Ort der Begegnung werden.

Der Parkplatz mit dem Wiesli davor soll zu einem Ort der Begegnung werden.

(Bild: PD)

Dem Gemeinderat schwebt Dreierlei vor, ohne sagen zu können, wie hoch die Rechnung sein wird: Er möchte erstens den heutigen Privatparkplatz inklusive der kleinen Wiese dahinter zu einem öffentlich zugänglichen Begegnungsraum umgestalten und dazu einen langfristigen Mietvertrag mit der Schiffergesellschaft abschliessen, die mit Ausnahme des Schlipfs Eigentümerin des Hafengeländes ist.

Die Besitzverhältnisse bei der Stelli klären

Zweitens schlägt die Behörde den Bau eines rund 120 Meter langen Stegs zu den Resten der Stelli vor, an die nur noch ein paar Pfähle im Wasser erinnern. Und drittens würde er sich wünschen, dass der Kanton diese ehemalige Anlegestelle für Frachtsegelschiffe zumindest in Teilen wieder aufbaut.

«Alle sagen mir, dass wir etwas machen sollen.»
Von der Stelli sind nur ein paar Pfähle übrig geblieben.

Von der Stelli sind nur ein paar Pfähle übrig geblieben.

Bild: Christoph Zweili)

Von den zuständigen Stellen in Frauenfeld habe er positive Signale erhalten. Das Amt für Archäologie müsse jetzt aber zuerst einmal klären, wem das Bauwerk im See überhaupt gehöre.

Eine Anlegestelle für die Schweizerische Bodensee Schifffahrtsgesellschaft (SBS) steht aktuell nicht zur Diskussion, nachdem sich die Stimmbürger von Kesswil 2008 aus Kostengründen dagegen ausgesprochen haben. «Sie wäre aber eine Option, wenn es der Wunsch einer Mehrheit sein sollte,», sagt Signer.

Auch der Hafen soll attraktiver werden

Gondelhafen von Kesswil.

Gondelhafen von Kesswil.

Bild: Markus Schoch)

Der Hafen selber mit 30 Liegeplätzen ist nicht direkt Teil des Projektes. Signer geht aber davon aus, dass die Schiffergesellschaft ebenfalls investiert, um ihn attraktiver zu machen. «Ich wäre enttäuscht, wenn es nicht so wäre.»

Die Wege sind sehr kurz und die Kontakte eng: Marco Thoma, einer der beiden Teilhaber, sitzt mit Signer im Gemeinderat von Kesswil. Und Beat Schmid ist Präsident der Kesswiler Segler-Vereinigung, wo Signer sein Stellvertreter ist.

https://www.hafen-kesswil.ch/

Ausbau des Hafen kein Thema mehr

Zuletzt war von einer Verdoppelung der Liegeplätze die Rede

Ursprünglich wollten die Kesswiler einen neuen (Insel-) Hafen bauen, rund 40 Meter vor dem Gondelhafen. Das Bundesgericht sagte aber 2003 Nein dazu. Im Zusammenhang mit der Revision der Ortsplanung nahm der Gemeinderat 2013 einen neuen Anlauf. Die Abklärungen ergaben, dass ein anderer Standort nicht in Frage kommt. Vor einem Jahr war die Rede davon, den Gondelhafen zu erweitern, sodass 50 bis 70 Boote Platz darin finden. Aktuell ist das kein Thema mehr. (mso)

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