Kesswil
Schaufel und Giesskanne statt Bleistift und Block: Die Dritt- und Viertklässler in Kesswil werden nun Gärtner

Die Klasse von Carmen Eggenberger darf sich über ihren eigenen «Härdöpfelacker» freuen. In Zusammenarbeit mit den Vereinen Bodenseegärten und GemüseAckerdemie realisiert die Primarschule Kesswil einen Schulgarten. Neben der Abwechslung zum normalen Unterricht lernen die Schulkinder mit diesem Projekt Wichtiges über ihre Lebensmittel.

Diego Müggler
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Bei bestem Wetter verpflanzen die Dritt- und Viertklässler der Primarschule Kesswil unterschiedlichste Gemüsesorten.

Bei bestem Wetter verpflanzen die Dritt- und Viertklässler der Primarschule Kesswil unterschiedlichste Gemüsesorten.

Bild: Reto Martin

Die strahlende Sonne macht die Übergangsjacke überflüssig, doch einen leichten Pullover braucht es. Ausser dem frischen Seewind ist an diesem Aprilmorgen im 1000-Seelen-Dorf Kesswil nicht viel zu hören. Von der Bahnhofstrasse her einmal den Fussballplatz überqueren und der Blick fällt auf den 500 Meter entfernten Bodensee. Im Vordergrund knien rund 20 Kinder auf den Steinplatten um eines der beiden Gemüsebeete. Mit Handschaufeln und Giesskannen pflanzen sie diverse Setzlinge sorgfältig ein und versorgen sie mit dem notwendigen Wasser.

Für die Dritt- und Viertklässler legt die Primarschule Kesswil einen etwa 80 Quadratmeter grossen Schulgarten an. Einmal wöchentlich kümmern sich die Kinder während einer Lektion um das selbst angebaute Gemüse. Dadurch sollen sie Spass an der Arbeit im Freien erhalten und gezielt an das Thema Nachhaltigkeit geführt werden. Zusätzlich zur praktischen Arbeit im Garten nimmt die stufendurchmischte Klasse im Schulfach Mensch-Natur-Gesellschaft das Thema Gärtnern und Lebensmittel durch.

Mit vollem Spass im Freien

Die Kohlrabi-Setzlinge warten noch auf eine fleissige Hand, die sie in die Erde steckt.

Die Kohlrabi-Setzlinge warten noch auf eine fleissige Hand, die sie in die Erde steckt.

Bild: Reto Martin

Zur Verwirklichung dieses Projektes hat eine Ausschreibung des Vereins Bodenseegärten massgeblich beigetragen. Dort können sich interessierte Schulen und Lehrpersonen mit einem Konzept für einen Schulgarten bewerben. Falls dieses keine Mängel aufweist, erhält die Schule fachliche Unterstützung sowie Materialien für die Anlegung des Schulgartens. «Damit hoffen wir, die jüngere Generation anzusprechen und zum Gärtnern führen zu können», sagt Geschäftsführerin Monika Grünenfelder. Damit bei der Umsetzung alles reibungslos verläuft, helfen vor Ort Mitglieder der «GemüseAckerdemie» mit. Dieser Verein fördert schweizweit das Gärtnern in der jungen Generation.

Schliesslich bei «Bodenseegärten» gemeldet und den Schulgarten in die Wege geleitet hat Klassenlehrerin Carmen Eggenberger. In ihrer Freizeit gärtnere sie zwar nicht, «doch als ich die Ausschreibung sah, fand ich das eine tolle Idee». In der Folge absolvierte sie einen halbtägigen Kurs zum Thema Schulgarten. «Trotzdem gibt es für mich im Garten noch viel zu lernen», sagt Eggenberger schmunzelnd. Von anderen Lehrpersonen habe sie viel Zuspruch und Unterstützung erhalten. Das Projekt wird sich planmässig über mehrere Jahre und dementsprechend mehrere Klassen ziehen. Als Initiantin ist Eggenberger ebenfalls sehr glücklich über die Förderung des Schulgartens durch die lokale Gartenbaufirma Roth Pflanzen AG.

Im Garten gehört der Dreck dazu – auch an den Kleidern.

Im Garten gehört der Dreck dazu – auch an den Kleidern.

Bild: Reto Martin

Die Schülerinnen und Schüler haben bei dem schönen Wetter sichtlich Spass an der Arbeit. Die zehnjährige Jael sagt:

«Ich finde das cooler, als drinnen zu sitzen.»

Währenddessen nimmt sie einen Fenchelsetzling und pflanzt ihn in das vorbereitete Loch. Daneben graben andere Kinder mit der Schaufel eine tiefere Furche, um die bereits spriessenden Kartoffeln im Erdboden zu versenken. Zurückhalten will sich bei diesem traumhaften Gartenwetter niemand. Und dass dabei die Jeans etwas Staub und Dreck abbekommen, wird höchstens die Eltern zu Hause stören.