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Kesswil nimmt Kurs auf neuen Hafen

Vor über 15 Jahren liess das Bundesgericht die Neubau-Träume der Gemeinde platzen. Jetzt nehmen interessierte Kreise die Planung erneut an die Hand. Die Verantwortlichen haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt
Markus Schoch
Der bestehende Hafen soll in Privatbesitz bleiben. (Bild: Reto Martin)

Der bestehende Hafen soll in Privatbesitz bleiben. (Bild: Reto Martin)

Gemeindepräsident Kurt Henauer war zu optimistisch. Er hoffe, dass in fünf Jahren ein ausführungsreifes Projekt auf dem Tisch liege, sagte er 2013.Doch so schnell geht es nicht. Denn die Verhältnisse sind kompliziert – und nicht nur wegen des geschützten Ortsbildes, an dem 2003 das Projekt eines so genannten Inselhafens schliesslich vor Bundesgericht scheiterte.

Davor gab es bereits hochfliegende Pläne mit Hotel und Schwimmbad, die aber alle aus unterschiedlichen Gründen früher oder später im Sand verliefen. Die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen, ist schwierig, musste auch Henauer merken, als er 2014 den betroffenen Kreisen einen ersten Vorschlag für den Bau eines neuen Hafens präsentierte. Die Idee kam nicht überall gut an. «Die Entscheidungsträger haben sie nicht unterstützt», drückt sich der Gemeindepräsident diplomatisch aus.

Zuerst mit allen reden und dann planen

Gemeindepräsident nimmt am Ende seiner Amtszeit nochmals einen Anlauf zum Bau eines neuen Hafens.

Gemeindepräsident nimmt am Ende seiner Amtszeit nochmals einen Anlauf zum Bau eines neuen Hafens.

Für Henauer ist die Sache damit aber nicht erledigt. Es habe Druck aus der Bevölkerung gegeben, am Ball zu bleiben. Er und Gemeinderat Richard Heinzer wollen jetzt zusammen mit dem vor über 20 Jahren gegründeten Förderverein Bootshafen Kesswil und den privaten Besitzern des bestehenden Hafens nochmals einen Anlauf nehmen. Aufgrund der schlechten Erfahrungen vor vier Jahren kehren sie aber das Vorgehen um und wollen die Verantwortlichkeiten entkoppeln. Henauer sagt:

«Bevor wir viel Geld für die Planung in die Hand nehmen, möchten wir herausfinden, was überhaupt machbar und akzeptabel ist.»

Er und Heinzer haben deshalb in einem ersten Schritt das Gespräch mit kantonalen und nationalen Fachstellen gesucht, um den Handlungsspielraum auszuloten. Klar ist: Es braucht in jedem Fall einen Gestaltungsplan, der baurechtlich gewisse Freiheiten bietet.

Kleine Variante des Inselhafens

Im Vordergrund steht im Moment die Idee einer kleinen Variante des Inselhafens hinter der Stelli, wo früher Lastkähne anlegten. Die Konstruktion aus Holzpfählen und Sandsteinplatten als Deckel zerfällt zusehends und soll bei der Planung einen hohen Stellenwert erhalten, sagt Henauer. Der Kanton sei daran interessiert, dass der einstige Umschlagplatz für Waren wieder instand gestellt werde.

Die alte Stelli vor dem Hafen in Kesswil. (Bild: Reto Martin)

Die alte Stelli vor dem Hafen in Kesswil. (Bild: Reto Martin)

Platz bieten soll die über einen 120 Meter langen Fussgängersteg erschlossene Hafenanlage für 50 bis 70 Boote. Die Zahl der Bojenplätze muss entsprechend reduziert werden. Deren Zugänglichkeit ist ohnehin nicht optimal, und sie befinden sich teilweise in sehr flachem Wasser.

Ein Grobkonzept soll die Details klären

Geplant ist als nächster Schritt, ein Grobkonzept auszuarbeiten, das dem Kanton zur Vorprüfung eingereicht werden soll und gleichzeitig als Diskussionsbasis mit weiteren Kreisen dient. Wichtig ist den Initianten insbesondere, die Umweltverbände frühzeitig einzubeziehen. «Die Situation ist aufgrund der Besitzverhältnisse nicht ganz trivial», sagt Heinzer. Von grosser Bedeutung sei deshalb nicht zuletzt auch mit Blick auf den Betrieb, dass saubere und klare rechtliche Abmachungen getroffen würden.

«Es müssen vorgängig diverse Verträge zwischen den Beteiligten abgeschlossen werden.»

Vorgesehen ist, dass der bestehende Hafen weiter in Privatbesitz bleibt und dass die Gemeinde primär die Investitionen für die baulichen Erweiterungen übernimmt. Diese Zweiteilung sei ganz entscheidend für das Gelingen des Vorhabens, sagt Heinzer. «Wir vermeiden so die Klärung schwieriger juristischer und finanzieller Fragen.»

Vorprojekt soll bis Mitte Jahr vorliegen

Henauer und Heinzer sind nicht mehr lange im Gemeinderat. Ende Mai treten beide zurück. Bis dann soll ein Vorprojekt vorliegen. Die Zügel wird dann voraussichtlich Urs Signer in die Hand nehmen, der erstmals für einen Sitz in der Behörde kandidiert und der auch Präsident des Fördervereins und Vizepräsident der Seglervereinigung Kesswil ist. «Die Mehrheit im Dorf ist sich einig, dass endlich etwas gehen muss», sagt Henauer.

Der bestehende Hafen ist Teil des geschützten Ortsbildes von Kesswil. (Bild: Reto Martin)

Der bestehende Hafen ist Teil des geschützten Ortsbildes von Kesswil. (Bild: Reto Martin)

Inselhafen scheiterte am Widerstand der Umweltschutzverbände

Die Gemeinde wälzt schon seit über 20 Jahren Pläne für den Bau eines neuen Hafens, der im kantonalen Richtplan vorgesehen ist. 1996 genehmigten die Stimmbürger einen Kredit von 3,3 Millionen Franken für 101 Bootsplätze zwischen zwei künstlichen Inseln 40 Meter vom Ufer entfernt vor dem bestehenden Gondelhafen.

Diverse Umweltschutzverbände und einzelne Privatpersonen bekämpften das Projekt auf dem Rechtsweg und bekamen 2003 vom Bundesgericht Recht. Denn der Hafen würde das Ortsbild schwer beeinträchtigen, befanden die Richter. (mso)

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