Kemmental
Phänomenale Gärten, Hochstämmer oder Velowege: Das Kemmental erhält Tipps von zukünftigen Experten

Studierende der ETH Zürich haben die Landschaftsentwicklung der Gemeinde Kemmental untersucht. Am Freitag unterbreiteten sie ihre zahlreichen Vorschläge.

Inka Grabowsky
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Sie freuen sich über die gelungenen Präsentationen: Amira Tiefenbacher und Tabea Eckert von den Studierenden, Dozent Sven-Erik Rabe, Gemeindepräsidentin Christina Pagnoncini, Gemeinderat Walter Ludwig und Matthias Künzler vom Amt für Raumentwicklung.

Sie freuen sich über die gelungenen Präsentationen: Amira Tiefenbacher und Tabea Eckert von den Studierenden, Dozent Sven-Erik Rabe, Gemeindepräsidentin Christina Pagnoncini, Gemeinderat Walter Ludwig und Matthias Künzler vom Amt für Raumentwicklung.

Bild: Inka Grabowsky

Rund zwanzig Studierende der Fächer «Raumentwicklung und Infrastruktursysteme» und «Umweltnaturwissenschaften» der ETH Zürich haben das Kemmental unter die Lupe genommen. Nach einer Vorbereitung im Onlinegespräch sollten sie vor Ort in ihrer Projektwoche «Landschaftsentwicklung» Lösungen für lokale Probleme finden. Am Freitagvormittag haben sie ihre Ideen präsentiert.

Eine Gruppe stellte per Umfrage fest, dass das Kemmental eine Autogemeinde ist, in der mehr als die Hälfte der Einwohner regelmässig das Velo nutzt und sich sichere Radwege und ökologische Fortbewegung wünscht. Um das zu erreichen, schlagen die jungen Leute eine bessere Markierung der Velorouten vor, die Sanierung bestehender Wege, ausserdem eine Kampagne zur Verkehrssicherheit sowie die Erweiterung des Trottoirs entlang der Kirchstrasse für Radfahrer. Daran arbeite man seit über zehn Jahren, hiess es aus dem Gemeinderat, der fast vollständig im Publikum sass. Die hohen Baukosten sind nur ein Hindernis. Schwieriger ist es offenkundig, Landbesitzer zum Verkauf eines Streifens Agrarland zu bewegen.

Velos, Weiher, Bäche, Gärten und Hochstammbäume

Um den Interessenkonflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz ging es bei den Themen «Nutzung der Gewässerräume als Vernetzungsflächen» und «Hochstamm-Obstbäume». Die Studierenden stellen sich vor, dass entlang des Loomühlibachs und des Röörebachs Grasstreifen, Krautsäume und Hecken angelegt werden. Eine andere Gruppe plädiert für das Anlegen eines öffentlichen Hochstamm-Obstgartens, der dem Bedürfnis nach Natur- und Heimatschutz entgegenkommt, ohne Bauern mit einer unrentablen Kultur zu belasten.

Auf allgemeine Zustimmung stiess beim Publikum die Idee, die Biodiversität im Siedlungsgebiet über private Gärten zu fördern. Unter dem Motto «In Kemmental sind die Gärten phänomenal» sollte ein Umweltbeauftragter die Bewohner unterstützen, ihr Umfeld umzugestalten. Die Gemeinde selbst könne eine öffentliche Fläche als Vorbild schaffen und dort zum Motivationsapéro laden.

Von «überaus hilfreich» bis zu «grandios» reichten die Reaktionen auf den detaillierten Plan, am Bommer Weiher die Weiherstrasse für den öffentlichen Verkehr zu sperren und zum Kiesweg zurückzubauen. Mit neuen Parkplätzen und einer anderen Besucherführung könnte man enge Dorfstrassen entlasten und gleichzeitig dafür sorgen, dass nicht länger unzählige Ringelnattern von Ausflüglern überfahren würden.

Anregungen für die Ortsplanungsrevision

«Wir haben extra die Arbeit an der Raumplanung unterbrochen in der Hoffnung, Ideen der Studierenden miteinbeziehen zu können», sagt Gemeindepräsidentin Christina Pagnoncini, «und es war durchaus etwas dabei.» Das Besucherzentrum im angedachten Schau-Obstgarten für 1,5 Millionen Franken werde es wahrscheinlich nie geben, aber die bessere Signalisation für Velorouten, die Verbesserung der Verkehrssituation am Bommer Weiher oder die Werbung für mehr Natur in Privatgärten seien prinzipiell umsetzbar. Ende Juli bekommt die Gemeinde die schriftlichen Berichte der Nachwuchswissenschaftler inklusive der geschätzten Kosten. Daraus können sich die Politiker dann Rosinen herauspicken.