Keine Gäste aufgrund von Corona: Das Hotel Six in Kreuzlingen bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen

Inhaber Hans-Peter Vianden hat die aktuellen Pandemieentwicklungen bereits erahnt und früh reagiert. Seit Ende August ist die Herberge zu.

Urs Brüschweiler
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Die Türen des Hotel Six an der Kreuzlinger Hauptstrasse sind bis auf Weiteres geschlossen.

Die Türen des Hotel Six an der Kreuzlinger Hauptstrasse sind bis auf Weiteres geschlossen.

Bild: Urs Brüschweiler

«Ich bin eigentlich kein Hotelier.» Hans-Peter Vianden ist ausgebildeter Ökonom. Und als solcher sehe er derzeit keinen Sinn, sein Hotel Six in dem Corona-Umfeld weiterzubetreiben. Die Herberge an der Hauptstrasse, unmittelbar vor dem Grenzübergang zu Konstanz, hat er Ende August geschlossen. Auf unbefristete Zeit, wie er sagt. Den fünf festangestellten Mitarbeitern musste er leider kündigen.

Doch der Reihe nach: Nachdem der Kreuzlinger Geschäftsmann die traditionsreiche «Tanzbödeli»-Liegenschaft beim Hauptzoll gekauft und zu einem zeitgemässen Hotel mit einer Bar umgebaut hatte, eröffnete Vianden den Betrieb 2015. Eigentlich wollte er das «Six» einem Pächter übergeben, doch dieses Vorhaben klappte nicht. «Dann muss ich eben selber in die Hosen», sagte sich Vianden. Die Auslastung mit Gästen stieg in der Folge deutlich an, bis zwei Drittel der Zimmer waren im Jahresschnitt belegt. 2017 erweiterte Hans-Peter Vianden das Hotel gar von 18 auf 25 Zimmer.

«Den Umsatz haben wir stets gesteigert und wir waren auf einem guten Weg. Aber dann kam das Jahr 2020.» Nach den üblichen Betriebsferien in den Wintermonaten kam im Frühling der Lockdown, da musste das «Six» natürlich wieder zumachen. Ab dem Frühsommer lief das Geschäft dann wieder, und zwar gar nicht so schlecht, erzählt Hans-Peter Vianden.

«Aber ich habe dann rasch erkannt, dass es wieder kompliziert werden wird.»

Ein Drittel Schweizer, ein Drittel Deutscher und ein Drittel internationaler Gäste zählt das Hotel zu seinen Kunden. Die stetig wieder zunehmenden Unsicherheiten bei Grenzübertritten führten zu vielen Stornierungen von Buchungen. «Man musste sich die Frage stellen, wer kann hier überhaupt noch herkommen.» Dass das Hotel Six mitunter sehr von Einkaufstouristen und internationalen Geschäftsreisenden profitiert, ist kein Geheimnis.

«Ich konnte den Betrieb nicht kostendeckend weiterführen», sagt Vianden und entschloss sich deshalb schon relativ früh ­– Ende August – wieder zu schliessen. «Wie ich heute sehe, lag ich mit meiner Einschätzung damals richtig», sagt er. «Ich kann nicht permanent öffnen und wieder schliessen. Man kommt an der Realität nicht vorbei.» Vianden hält fest:

«Wir sind nicht pleite, es lohnt sich momentan einfach nicht, das Hotel zu betreiben. Als Ökonom sehe ich derzeit keine Alternative.»

Wann das «Six» wieder öffnen wird, steht momentan deshalb noch in den Sternen.