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Kein Gift – nur eine Handvoll Streusalz

Zur Zeit spriesst es überall aus dem Boden, auch in den Gemeinden Sulgen und Kradolf-Schönenberg. Nicht alles, was wächst, ist erwünscht. Kanton und Gemeinden setzen sich ein, dass sich invasive Neophyten nicht weiter ausbreiten. Auch jeder Einzelne kann dabei helfen.
Hannelore Bruderer
Werkhofleiter Aldo Ringger entfernt in Kradolf einen Staudenknöterich. (Bild: Hannelore Bruderer)

Werkhofleiter Aldo Ringger entfernt in Kradolf einen Staudenknöterich. (Bild: Hannelore Bruderer)

Es sind unzählige Pflanzenarten, die seit der Entdeckung ferner Kontinente ihren Weg in die Schweiz gefunden haben. Viele dieser Arten haben sich problemlos in das hiesige Ökosystem eingefügt. Einige Pflanzen breiten sich jedoch überproportional stark aus und verdrängen die einheimische Flora. Sie werden unter dem Begriff «invasive Neophyten» zusammengefasst.

Ein wichtiges Ziel bei deren Bekämpfung sei, die Bevölkerung zu sensibilisieren, sagen Walter Senn, Bauverwalter von Sulgen, und sein Amtskollege Roberto Cardinale von Kradolf-Schönenberg. Es sind vor allem drei unerwünschte Arten, die in den beiden Gemeinden vermehrt vorkommen: Asiatischer Staudenknöterich, Kanadische Goldrute und Sommerflieder. Da diese Arten durchaus dekorativ sind, wurden sie in der Vergangenheit auch in Hausgärten angepflanzt. Es sind aber nicht nur Gärten, von wo aus sich die unerwünschten Neophyten verbreiten. Sie würden auch durch Vogelfutter eingeschleppt und durch Erdbewegungen verbreitet, erklärt Walter Senn. Im Gebiet des Tülenbachs sind nach der Instandstellung nach dem schweren Unwetter vom Juni 2015 vermehrt invasive Pflanzen gesichtet worden. «Wir vermuten, dass dies mit den Erdbewegungen beim Umsetzen der Sofortmassnahmen zu tun hat. Nachvollziehen kann man das jetzt jedoch nicht mehr», sagt Roberto Cardinale.

Mechanisch entfernen

Dort und in allen anderen Bereichen des öffentlichen Raums der beiden Gemeinden sorgen die Mitarbeiter des gemeinsamen Werkhofs dafür, dass sich die Neophyten nicht weiter ausbreiten. «Unser Ziel ist es, die Verbreitung dieser Pflanzen so weit wie möglich einzudämmen. Sie ganz auszurotten ist illusorisch», erklärt Werkhofleiter Aldo Ringger. Er und sein Team haben sich an Kursen und durch Informationsmaterial vom Amt für Umwelt des Kantons Thurgau mit dem Thema intensiv befasst.

Je nach Art der Pflanze wenden die Mitarbeiter verschiedene mechanische Bekämpfungsmethoden an, Gift wird keines verwendet. Während bei der Goldrute und dem Sommerflieder ein rechtzeitiges zurückschneiden vor der Blüte gute Wirkung gegen die Ausbreitung zeigt, wird der Knöterich tief ausgestochen. In das Loch füllt Aldo Ringger ein paar Handvoll Streusalz. Es soll die verbleibenden Wurzeln möglichst schwächen, so dass die Pflanze nach mehreren Behandlungen nicht mehr ausschlägt. Alle Wurzeln auszureissen, sei kaum möglich, erklärt Ringger, der Knöterich sei ein Tiefwurzler, die Wurzeln seien mehrere Meter lang. Die Bekämpfung der Neophyten erledigt das Werkhofteam während seiner normalen Arbeitstouren.

Informationen

Am 18. August führt der gemeinsame Werkhof der Gemeinden Sulgen und Kradolf-Schönenberg einen Tag der offenen Tür durch, an dem sich Bürger über Neophyten informieren können. Wer nicht so lange warten möchte, besucht die Ausstellung der Fachstelle Biosicherheit des Kantons Thurgau, die in den nächsten Wochen in allen Bezirkshauptorten Station macht. Die Daten sind unter dem Link «Ausstellung exotische Problempflanzen» auf der Webseite www.umwelt.tg.ch zu finden. (hab)

Passt es einmal nicht in den Arbeitsablauf oder ist der Vegetationszeitpunkt nicht ideal, so notieren sich die Mitarbeitenden die Stellen, damit die Pflanzen zu einem späteren Zeitpunkt entfernt werden können. Rechne man die Zeit, die man während eines Jahres zur Bekämpfung der invasiven Pflanzen aufwende, zusammen, so komme man gut auf eine Arbeitswoche, schätzt der Werkhofleiter.

Die Arbeit lohne sich aber, ist er überzeugt: «Würden wir die Massnahmen nicht regelmässig durchführen, wäre der Aufwand zu einem späteren Zeitpunkt ungleich grösser.» Obwohl die Werkhofmitarbeiter immer wieder einmal auf neue Bestände treffen, so betont Aldo Ringger, dass die Ausbreitung von invasiven Neophyten in Sulgen und Kradolf-Schönenberg keinesfalls dramatisch sei und mit den bereits ergriffenen Massnahme gut in Schach gehalten werden könne.

Richtig entsorgen

Welche Pflanzenarten zu den invasiven Neophyten gehören, ist für Laien nicht immer leicht zu erkennen. «Ist jemand unsicher, erteilen wir gerne Auskünfte», sagt Ringger. «Mindestens ebenso wichtig wie das Entfernen der Pflanzen ist das richtige Entsorgen. Auch da informieren wir gerne.» Denn Kompostieren ist bei fast allen invasiven Arten eine schlechte Lösung. Oft reichen bereits kleine Pflanzenteile, dass sich Neophyten durch das Ausbringen des Komposts weiter vermehren. So muss beispielsweise der Staudenknöterich zwingend der Kehrichtverbrennungsanlage zugeführt werden.

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