Katholische Kirchgemeinde Kreuzlingen streicht den Mittagstisch

Nach sechs Jahren Betrieb hört die katholische Kirchgemeinde Kreuzlingen mit dem Angebot im Ulrichshaus auf. Als Grund nennt sie eine rückläufige Nachfrage.

Martina Eggenberger Lenz
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Es ist aufgetischt: Der Mittagstisch im Ulrichshaus ist parat für die Schüler und Senioren.

Es ist aufgetischt: Der Mittagstisch im Ulrichshaus ist parat für die Schüler und Senioren.

(Bild: Andrea Stalder)

Im Sommer ist Schluss. Dann müssen sich die betroffenen Familien eine andere Lösung für die Mittagsbetreuung ihrer Kinder suchen. Der Mittagstisch im Ulrichshaus, ein generationengemischtes Projekt, wird auf Beschluss des Kernteams und der Kirchenvorsteherschaft eingestellt. Die grosse Mehrheit der Nutzer sind Schülerinnen und Schüler, es sind aber auch Senioren dabei.

Die ursprüngliche Idee reiche weit zurück, sagt Kirchenpräsident Beat Krähenmann. Man habe sich vor rund 20 Jahren überlegt, mit welchem Angebot man Kinder und Jugendliche erreichen könne, als Alternative zu Jungwacht und Blauring. Der Kindernachmittag in der Pfarrei war geboren.

Kirche will Schule nicht konkurrenzieren

Im Sommer 2014 weitete die Kirchgemeinde das Mittwochnachmittagsprogramm aus und startete mit dem Mittagstisch. Seither können Eltern ihre Kinder jeweils von Dienstag bis Freitag für das Essen anmelden. Weil nun aber die Schule Kreuzlingen nach den Abstimmungen von 2016 und 2019 eine Tagesstruktur anbiete, sei das Aufrechterhalten eines «Konkurrenzangebotes» durch die Kirche nicht mehr sinnvoll, erklärt die Kirchenvorsteherschaft.

«Früher gab es in der Stadt ein zu kleines Angebot. Aber jetzt wurden die Kapazitäten geschaffen»,

betont Krähenmann. Man habe zuletzt eine rückläufige Nachfrage festgestellt, erklärt der Kirchenpräsident. Das bestätigt Projektleiterin Diana Casiello. Heute besuchen den Mittagstisch zwischen 15 und 20 Kinder und bis zu fünf Senioren täglich. «Noch vor zwei Jahren waren es viel mehr.» Das Team habe vieles versucht, der rückläufigen Nachfrage entgegen zu wirken, ohne Erfolg. In der Nachmittagsbetreuung sei im Extremfall eine Betreuerin für ein Kind da. «Das geht natürlich nicht.»

Ein vergleichsweise günstiges Angebot

Kirchgemeindepräsident Beat Krähenmann.

Kirchgemeindepräsident Beat Krähenmann.

Donato Caspari

Das Mittagstisch-Angebot der Kirche kostet 9 Franken pro Kind, ab dem zweiten Kind 5 Franken. Das ist vergleichsweise günstig. In den Horten der Schule betragen die Kosten in der tiefsten Einkommenskategorie ebenfalls nur 9 Franken. Eltern mit einem hohen Einkommen zahlen hingegen bis zu 22 Franken. «Wir wollten mit unserem Mittagstisch einfach kostendeckend funktionieren», begründet Beat Krähenmann die Preise der Kirche.

Anders als die Schule arbeitet die Kirche mit freiwilligen Helfern. Zwar habe die Kirchenvorsteherschaft eine Defizitgarantie definiert, man habe diese aber kaum je gebraucht.

Nicht viele, aber noch einzelne freie Plätze

Karin Helbling, die Leiterin Tagesbetreuung der Schule Kreuzlingen, sagt auf Anfrage, sie nehme den Entscheid der Kirche zur Kenntnis, habe bislang aber keine Anfragen von betroffenen Eltern. An den Hortstandorten habe es an «einzelnen Tagen noch freie Kapazitäten».

Ein Senior, der regelmässig den Mittagstisch besucht, findet es sehr schade, dass dieser eingestellt wird. Dass alt und jung zusammen an einem Tisch speisen, gefällt ihm persönlich sehr. Dass die Kirche aufhört, obwohl doch noch einige das Angebot nutzen, kann er nicht nachvollziehen. Die Zahl der Essen sei nämlich nicht rückläufig, nur jene der Nachmittagsbetreuung.

Beat Krähenmann sagt, er habe bis jetzt eine schriftliche Reaktion zum Entscheid erhalten. «Wir machen uns schon Gedanken, wie wir weiter verfahren wollen. Der Kindernachmittag bleibt definitiv erhalten und vielleicht entsteht auch für andere Zielgruppen ein neues Gefäss.» Das betont auch Diana Casiello. Ihr ist es wichtig, dass ein neues Projekt für die jüngere Generation entstehen kann, damit diese den Bezug zur Pfarrei nicht verliert.

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