«Katastrophe», «Desaster»: Paukenschlag bei den Kreuzlinger Katholiken – die polnischen Patres werden zurückgerufen

Ein Richtungsstreit zwischen Bischof Felix Gmür und den polnischen Redemptoristen kostet Kreuzlingen seine Pater.

Judith Schuck
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2017 waren die beiden polnischen Patres Jan Walentek und Marek Kluk ins Priesterhaus Bernrain eingezogen.

2017 waren die beiden polnischen Patres Jan Walentek und Marek Kluk ins Priesterhaus Bernrain eingezogen.

Reto Martin (04.04.2017)

Von einer «Katastrophe» und einem «Desaster» für die katholische Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen war die Rede. Die Vorsteherschaft liess an der Versammlung am Mittwochabend eine Bombe platzen: Die Redemptoristen Patres werden Kreuzlingen am 31. Juli 2020 verlassen. Ihr polnischer Provinzial ruft sie zurück.

Zwischen Felix Gmür, dem Bischof des Bistums Basel, und dem Kreuzlinger Pfarradministrator Pater Jan Walentek gibt es Uneinigkeit. Gmür will das Bistum öffnen. Er vertritt die Meinung, dass man über das Zölibat und die Stellung der Frau in der Katholischen Kirche sprechen müsse. Erst im September 2019 befürwortete er die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare im Bistum Basel, zu dem auch Kreuzlingen gehört.

Walentek möchte kein aufgeweichtes Gesetz

Der Zielkonflikt zwischen Gmür und Pater Jan entstand bereits vor einem Jahr, als sie sich darüber austauschten, ob Walentek künftig die Leitung der Kreuzlinger Pfarreien sowie des künftigen Pastoralraums übernehmen könne. Im Bistum Basel wird es bereits heute praktiziert, dass auch Laien die Predigt bei einer Messe mit Eucharistiefeier halten dürfen. Als Laien gelten ausgebildete Pfarreiseelsorger ohne Priesterweihe.

Diese Praxis könne der dem Redemptoristen-Orden zugehörige Pater Jan Walentek nicht mit seinem Gewissen vereinbaren.  Kirchenpräsident Beat Krähenmann betont bei einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen, dass Walentek gerne mit Laien zusammenarbeite.

Beat KrähenmannKirchgemeindepräsident

Beat Krähenmann
Kirchgemeindepräsident

(Bild: Donato Caspari)
«Er bindet die Laien  regelmässig in den Gottesdienst ein. Allerdings möchte er selbst die Predigt halten.»


Walentek stütze sich hier auf das bestehende Kirchenrecht, dass Laienpredigten von der Eucharistie ausschliesst. Bischof Gmür aber möchte die im Bistum Basel gängige Praxis, Laienpredigten zuzulassen, auch für Kreuzlingen durchsetzen.

Vor Pater Jans Zeit habe es bereits Laienpredigten in Kreuzlingen gegeben. Pfarreiseelsorger und jetziger Leiter des Pastoralraums Altnau Ivan Trajkow sei hierfür ein Beispiel. Da Pater Jan in der ganzen Gemeinde geschätzt sei und «ihm keine Fehler vorzuweisen sind», wie Krähenmann ausführte, habe sich die Kirchenvorsteherschaft seit Juli um eine Kompromisslösung mit dem Bistum bemüht.

«Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir frustriert. Keine unserer Anfragen wurde je beantwortet.»

Bistum schlug eine Degradierung Walenteks vor

Nun schlug das Bistum in einem Communiqué der Regionalverantwortlichen Margrith Mühlebach vor, Pater Jan Walentek könne sich als Priester künftig «auf die eigentliche Seelsorge konzentrieren». Dies käme für ihn einer Degradierung zum Kaplan gleich. Darin sehe dieser jedoch keine Option.

Weshalb nun der polnische Provinzial die drei im Priesterhaus Bernrain lebenden Mitglieder zurückruft. Dies betrifft neben Pater Jan auch den Vikar der Kirchgemeinde, Pater Stanislaw und Pater Marek, der für die Missione cattolica in der Landeskirche Thurgau angestellt war.

Zukunft des Priesterhauses Bernrain ist ungewiss

Die Kreuzlinger Katholiken müssen nun einen neuen Priester und eine neue Gemeindeleitung suchen. Offene Fragen sollen voraussichtlich kommende Woche mit Mühlebach geklärt werden, die dafür vor die Gemeinde treten wird. Was mit dem Priesterhaus Bernrain geschehen wird, steht in den Sternen.

Denn nach dem Auszug der drei Patres möchte der pensionierte Pfarrer Gander nicht alleine dortbleiben. Erst im Mai bewilligten die Kirchbürger einen Kredit über 2,1 Millionen Franken für die Sanierung des Hauses. Es war geplant, dass die polnischen Patres hier langfristig leben und arbeiten.

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