Karin Keller-Sutter besuchte die evangelische Kirche in Arbon

«Freiheit ist anstrengend», sagte Karin Keller-Sutter am Bettag. Zahlreiche Besucher hörten sich die Rede der Ständeratspräsidentin an, die auch als mögliche Bundesratskandidatin gehandelt wird.

Hedy Züger
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Karin Keller-Sutter, flankiert von zwei Ehrendamen in Tracht, in den Bänken der evangelischen Kirche Arbon. (Bild: Hedy Züger)

Karin Keller-Sutter, flankiert von zwei Ehrendamen in Tracht, in den Bänken der evangelischen Kirche Arbon. (Bild: Hedy Züger)

Hoher Besuch in der evangelischen Kirche in Arbon. Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter besuchte anlässlich des Bettags das Städtchen am See in Begleitung ihres Gatten und eines Bundesweibels.

SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen begrüsste die hohe Magistratin. Zahlreiche Besucher wohnten Keller-Sutters Besuch und der Bettagsfeier bei. Viele waren auch an der politischen Zukunft der Ständeratspräsidentin interessiert. Führt ihr politischer Weg noch in höhere Sphären? Die St. Galler FDP-Politikerin gilt als mögliche Bundesratskandidatin für den frei werdenden Sitz von Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Schwankende Bedeutung des Bettages seit dem Spätmittelalter

Der eidgenössische Bettag ist ein überkonfessioneller nationaler Feiertag. Bettage haben im Raum der heutigen Schweiz seit dem Spätmittelalter Tradition, verloren jedoch während der Aufklärung an Bedeutung. Nach der Französischen Revolution beschloss die Helvetischen Republik die Einführung des nationalen Bettags. Seine grösste Bedeutung erfuhr der Bettag im Zuge der Bildung der modernen Schweiz als Nationalstaat. Nach dem Sonderbundskrieg sollte der Bettag ein Feiertag sein, der die konfessionellen und politischen Grabenkämpfe überwand. Seit den Nullerjahren nimmt seine Bedeutung aber wieder ab. (dar)

Tradition und Dankbarkeit

«In Arbon wird eine wichtige Tradition gepflegt», sagte Karin Keller-Sutter in ihrer anschliessenden Rede. Alle Kulturen und Konfessionen sollten den Bettag feiern, sagte die Ständeratspräsidentin. Sie sagt:

«Meine Eltern haben mir vermittelt, als junge Schweizerin für das Leben in Frieden und guten Verhältnissen dankbar zu sein.»

Ihr Vater habe sich in schwieriger Zeit klaglos wie andere Männer nicht persönliche Ziele erfüllt, sondern den Dienst am Vaterland geleistet. Die heutigen Verhältnisse in unserem Land seien weit besser als damals, Grund genug, dankbar zu sein.

«Doch wie frei ist die Schweiz?», fragte Keller-Sutter. Mit den internationalen Spielregeln gehe ein gewisser Verlust an Souveränität einher. Die Ständeratspräsidentin sagt:

«Freiheit ist anstrengend, man muss auswählen, Verantwortung übernehmen.»

Kein anderes Land der Welt räume den Bürgern grössere Rechte ein, meint Keller-Sutter.

«Der heilige Benedikt hat Arbeit und Gebet gefordert, für ihn war die Arbeit gleichbedeutend mit Gebet – mit innerer Ruhe», sagte die Ständeratspräsidentin. Arbeit verhindere Müssiggang, Ziellosigkeit mache unzufrieden. «Und am Lebensende fragt sich der Mensch: Habe ich mich nützlich gemacht?»

CVP-Kantonsrat Patrick Hug erinnerte anschliessend an die Abstimmungen und Wahlen vom kommenden Wochenende. Gebete, Persönliche Anliegen von Jugendlichen, Lieder und das Bettagsmanifest bildeten den Abschluss der Arboner Bettagsfeier.