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Kantonsrat Egon Scherrer zur neuen Buslinie: «Anwohner zeigen Ignoranz, Egoismus und wenig Toleranz in Steinebrunn»

Die neue Buslinie durch ein Wohnquartier sorgt für rote Köpfe. Ein Egnacher Parlamentarier hat eine etwas andere Sicht auf die Dinge. Er sagt, dass viele von der Verbindung profitieren würden.
Jana Grütter
Die Buslinie 941 führt seit Dezember durch eine Quartierstrasse (Bild: Markus Schoch)

Die Buslinie 941 führt seit Dezember durch eine Quartierstrasse (Bild: Markus Schoch)

Egon Scherrer, Sie haben noch einiges auf den letzten Bericht in der TZ zu sagen. Offenbar geht es um fehlende Toleranz, Ignoranz und Egoismus der Anwohner.

Fehlende Toleranz deshalb, weil ich bedauere, wie schnell sich Anwohner gegen ein neues Projekt wehren. Bisher ist die neue Linienführung durch das Wohnquartier nur ein Versuchsbetrieb mit dem Ziel, die Anschlüsse an den öffentlichen Verkehr zu optimieren. Man muss sich auf etwas Neues einlassen können, sonst wird sich auch in Zukunft in unserer Mobilität nie etwas verbessern.

Das scheint ein grösseres Thema zu sein.

Ausserdem möchte ich betonen, dass wir von einer öffentlichen Strasse sprechen, die mit öffentlichen Mitteln finanziert und unterhalten wird. Sie gehört demnach nicht den Anwohnern, sondern der Allgemeinheit. Viele von uns hätten gern weniger Verkehr vor der Haustüre. Doch fast alle der Betroffenen haben selbst ein Auto. Da ist es egoistisch zu glauben, dass sie selbst, aber keine weiteren Teilnehmer die Strasse befahren dürfen.

Egon Scherrer (Bild: PD)

Egon Scherrer (Bild: PD)

Die Betroffenen bemängeln vor allem überhöhte Geschwindigkeit und unsichere Vortrittsregelung. Haben Sie diese Probleme auch schon beobachtet?

Nein, das habe ich noch nie gesehen, denn ich wohne nicht in dem Quartier. Dass die Geschwindigkeiten und alle Vorsichtsmassnahmen eingehalten werden müssen, steht ausser Frage. Der Verkehr muss ganz klar gesichert sein. Doch eine 30er-Zone ist kein Spielplatz. Es gilt Rechtsvortritt und Fahrzeuge haben vor den Fussgängern Vortritt. Auch bezweifle ich, dass Busse mit zu hoher Geschwindigkeit durch ein Quartier fahren.

Sind Sie da sicher?

Ich bin Landwirt und mein Traktor fährt maximal 40 km/h. Ich kann verstehen, dass ein solch grosses Gefährt eventuell schneller erscheinen kann, als es eigentlich ist. Und klar müssen Buschauffeure einen strikten Fahrplan einhalten, da können sie sicher mal unter Druck geraten. So kann es auch passieren, dass sie zum Ausweichen aufs Trottoir fahren müssen. Auch in St.Gallen fahren unzählige Busse durch 30er-Zonen in Wohnquartieren und dort funktioniert es ja auch.

Haben Sie denn mit jemandem über die betreffende Situation geredet?

Mit einem Anwohner konnte ich selbst noch nicht über die momentane Situation sprechen. Doch ich habe den Leserbrief gelesen, der in unserem Gemeindeblatt publiziert wurde. Für mich stellt die geschilderte Situation aber kein Verkehrsproblem dar. Da gibt es einige Orte, die viel schlimmer betroffen sind.

Wie würden Sie denn damit umgehen, wenn plötzlich vor Ihrer Haustüre ein solcher Bus durchfahren würde?

Genau derselbe Bus fährt auch an unserem Haus vorbei. Und dazu noch 14000 andere Autos (lacht). Klar hätte ich auch lieber weniger Verkehr, doch das geht einfach nicht. Wenn man Mobilität fordert, muss man auch mit den Konsequenzen leben können. Ausserdem hat der Kanton Thurgau in der Gemeinde Egnach bereits das Projekt «Lärmsanierungen an der Strasse» lanciert. Viele Gebiete sind betroffen, die angesprochenen Quartierstrassen aber nicht.

Die Gemeinde führt zur Zeit Tempomessungen durch und hat sogar eine Firma mit Sicherheitsprüfungen beauftragt. Was sagen Sie, wenn bei der Auswertung zu geringe Sicherheit festgestellt wird?

Falls dem so ist, müsste das ganze System des öffentlichen Verkehrs neu überdenkt werden. Man müsste den Bericht der Prüfung und die Versuchsphase genau analysieren und bestehende Probleme beheben. Ich frage mich aber, wo die Busse sonst vorbeifahren sollen, wenn nicht in einem Wohnquartier.

Wie meinen Sie das?

Nicht alle Menschen können weite Strecken bis zur Hauptstrasse zurücklegen. Ausserdem gehen Kinder ganz in der Nähe zur Schule mit optimaler Infrastruktur. Dort gibt es einen Spielplatz und eine Spielwiese. Daher verstehe ich nicht, warum auf der Strasse gespielt werden soll. – Ich komme nochmals darauf zurück: Alle fordern immer gute Verbindungen im öffentlichen Verkehr und gute Strassen. Doch diese dürfen nie bei einem selbst durchführen. Die Intoleranz und Inkonsequenz in unserer Gesellschaft wird allgemein zunehmend grösser. Dabei schliesse ich mich aber auch nicht aus.

Wieso denn nicht?

Auch ich ertappe mich immer wieder, bei meinem zum Teil nicht immer konsequenten Konsumverhalten. Oder manchmal ärgere ich mich ab Dingen, die mir nachträglich gar nicht mehr so schlimm erscheinen.

An der Fasnacht sind schon Unterschriften gegen den Bus gesammelt worden. Wie beurteilen Sie das?

Ob und wie die Anwohner gegen den Bus vorgehen möchten, liegt in ihrer Hand. An der Fasnacht darf sowieso fast alles gemacht werden (lacht). Die Frage ist, wie ernst man an einer solchen Veranstaltung genommen wird. Ausserdem haben die Petition auch Leute unterschrieben, die gar nicht betroffen sind. Das dürfen sie aber auch machen und ich begreife das sogar. Als Nachbar möchte man gute Beziehungen pflegen und unterschreibt ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Dieses Phänomen gibt es sogar im Grossen Rat.

Haben die Anwohner Chancen, die neue Linienführung zu verlegen?

Das kann ich nicht beurteilen. In meinen Augen ist einfach extrem wichtig, dass der Bus den Bahnhof anfahren kann. Alles andere wäre total sinnfrei. Hoffentlich ist die Gemeinde daran interessiert, die Testphase durchzuziehen. Immerhin dauert diese nur ein halbes Jahr. Nur so kann eine korrekte Auswertung stattfinden.

Unterstützen Sie generell den öffentlichen Verkehr?

Wir sprechen immer alle über CO2-Reduktion und Klimaschutz. Die Nutzung des öffentlichen Verkehrs stellt einen guten Lösungsansatz dar. Doch im Thurgau gibt es den öffentlichen Verkehr, den langsamen Verkehr und den Individualverkehr. Alle drei Pfeiler sind wichtig und gehen Hand in Hand. Daher soll alles bewirtschaftet werden, nur so ist eine Weiterentwicklung möglich. Es wäre nicht richtig, den ganzen Verkehr auf den öffentlichen zu verlegen oder umgekehrt.

Stehen Sie in Kontakt mit Leuten, welche die Busverbindung an den Bahnhof Steinebrunn schätzen?

Ja, ich kenne einige. Neukirchern und Amriswilern ist der Weg nach St.Gallen extrem erleichtert worden. Ob sich das Projekt schlussendlich auszahlt, lässt sich erst nach der Versuchszeit sagen. Die meisten nutzen den öffentlichen Verkehr morgens und abends. So könnte man sich auch darauf einigen, in der Zwischenzeit auf kleinere Busse umzusteigen. Man käme den Anwohnern etwas entgegen.

Jammern Ihrer Ansicht nach denn die Anwohner auf hohem Niveau?

Durchs Quartier fahren vier Busse pro Stunde und vielleicht 100 Autos am Tag. Das stellt keinesfalls ein Verkehrsproblem oder gar Lärmprobleme dar. Es gibt Orte, die viel mehr von der Problematik betroffen sind. Aber es ist immer dasselbe Thema: Jeder hat ein Handy, doch niemand möchte die Mobilfunkantenne. Alle fordern eine gute Strasse und Mobilität, aber niemand möchte sie vor der Haustür. Diese Einstellung müssen wir dringend überdenken, denn so kommen wir nicht weiter.

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