Auge in Auge mit der Klimajugend: Politiker bei den Hearings an der Kanti Kreuzlingen

Die Kantonsschule Kreuzlingen lud Kandidaten der eidgenössischen Wahlen ein. Die Parteien schickten nicht ihre Hinterbänkler zu den Schülern. 

Urs Brüschweiler
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Diana Gutjahr und Nina Schläfli beantworten die Fragen der Kreuzlinger Kantonsschüler. Das Fernsehteam des SRF dreht eine Dokumentation über den Wahlkampf der SVP-Nationalrätin. (Bild: Reto Martin)

Diana Gutjahr und Nina Schläfli beantworten die Fragen der Kreuzlinger Kantonsschüler. Das Fernsehteam des SRF dreht eine Dokumentation über den Wahlkampf der SVP-Nationalrätin. (Bild: Reto Martin)

Man lernt: Die schärfsten Fragen kommen von der hintersten Bank. Die Schüler der Kanti Kreuzlingen hatten gestern die Gelegenheit, einige Kandidaten für die eidgenössischen Wahlen am 20. Oktober in die Mangel zu nehmen. Alle Parteien schickten ihre Vertreter und nicht die Hinterbänkler. SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr und SP-Präsidentin Nina Schläfli bildeten dabei ein «Päärli» und traten jeweils gemeinsam vor die Klassen.

Der Klimawandel beschäftigt die Schüler

Der Klimawandel beschäftigt die Schüler. Schläfli hatte das Thema bei ihrer Vorstellung als die grösste «Herausforderung der Menschheit» bezeichnet. Sogleich ging eine entsprechende Frage an Gutjahrs Adresse. Die SVP rede nicht vom Umweltschutz, sondern tue etwas für die Natur; insbesondere als Partei der Landwirte, die Lebensmittel nicht importierten sondern vor Ort produzierten. Die Nationalrätin stellte dann die Gegenfrage: «Wer von euch ist denn bereit, das Handy abzugeben?» Tatsächlich gingen bei einigen Schülern die Hände hoch. Verantwortlich für die Umwelt sei nicht die Politik mit Verboten, sondern jeder einzelne, gab Gutjahr den Jugendlichen mit auf den Weg.

Auch bei der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau – ebenfalls ein Hauptthema von Nina Schläfli – hakten die Schüler bei Gutjahr nach. Die Ziele teile sie, aber es sei eine Generationenfrage. «Künftig wird es mehr Frauen mit guter Ausbildung geben, dann wird die Diskussion obsolet.»

Diana Gutjahr:
«Ich will keine Quotenfrau sein.»

Die Meinungen der beiden jungen Politikerinnen zu Europa, zur Ehe für alle und zur Legalisierung von Cannabis wollten die Schüler ebenfalls hören.

Nina Schläfli:
«Ich bin dafür, dass Cannabis legal wird.»

Dass die Kantonsschüler beim aktuellen Geschehen am Ball sind, zeigte sich in der Frage nach dem Apfelplakat der SVP. Gutjahr fand es «nicht sehr appetitlich». Aus parteistrategischer Sicht sei es aber ein «Clou» gewesen und das Ziel somit erreicht worden. Schläfli findet es dagegen «zutiefst undemokratisch», wenn man politische Gegner als Würmer darstellt.

Wohlrab und Dransfeld können’s mit den Jungen

Ein weiteres Duo bildeten Peter Dransfeld (Grüne) und Attila Wohlrab (FDP). Das Thema Ökologie wurde auch an sie herangetragen. Beide sind sich einig, dass Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung nicht zwingend zum Zielkonflikt führen müssen. Auch gegenüber der EU-Bürokratie sind beide skeptisch. «Auch wenn Sie ihren Nachbarn mögen, wollen sie ihn nicht bei sich in der Wohnung haben», sagte Wohlrab. Über Gleichberechtigung, den Lehrplan 21, Tierschutz und auch wieder über das Apfelplakat wollten die Schüler mit ihnen reden. Beide Politiker bestachen mit pointierten Antworten. «Wer von euch ist über 18 und geht wählen?», wollte Wohlrab am Ende von den Schülern wissen. Er erntete eifriges Nicken von den Volljährigen.