Kanti Kreuzlingen: Absolventen treffen auf die Schüler 

50 Jahre Kantonsschule und noch immer dieselben Themen: Heute der Klimastreik, damals die Demonstrationen gegen das Waldsterben. Die neue Herausforderung heisst Digitalisierung.

Kurt Peter
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Kantonsschüler befragten auf dem Podium einstige Absolventen, Ruedi Herzog, Marianne Bommer und Christian Neuweiler, und den ehemaligen Rektor René Imesch (4. v. r). (Bild: Reto Martin)

Kantonsschüler befragten auf dem Podium einstige Absolventen, Ruedi Herzog, Marianne Bommer und Christian Neuweiler, und den ehemaligen Rektor René Imesch (4. v. r). (Bild: Reto Martin)

Eine Podiumsrunde mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern sowie dem ersten Rektor der unabhängigen Kantonsschule Kreuzlingen, René Imesch, bildete am Donnerstagabend der Auftakt zu den Feierlichkeiten «50 Jahre Kantonsschule Kreuzlingen». Zwei Schülerinnen und zwei Schüler moderierten die Runde mit Marianne Bommer, Ruedi Herzog und Christian Neuweiler, die alle in den 1970er- und 1980er Jahren die Schule besucht hatten. So war es denn ein Rückblick und die Möglichkeit, Vergleiche zu Heute zu ziehen.

Kampf um Standort und Anerkennung

«Die Kantonsschule damals war doch deutlich überschaubarer», sagte René Imesch zurückblickend. Zwei Klassen seien unterrichtet worden, und schon damals hätten Themen wie Umwelt, Klima und Gesellschaft die Jugend bewegt. Ruedi Herzog bestätigte dies: «Auch wenn die 68er-Bewegung nicht mehr zu spüren war, wir hatten die Jugendemonstrationen in Zürich». Marianne Bommer zog eine Parallele zu heute:

«Meine Kollegin und ich bekamen eine Stunde früher schulfrei, um an eine Baumdemo in Bern reisen zu können».

Auf seine grösste Herausforderung als Rektor angesprochen hatte René Imesch eine klare Antwort: «Für die Kantonsschule wer es ein langer Kampf um Standort, Anerkennung und Raum, der Neubau des C Gebäudes war nur dank Einsatz des Teams zu bewältigen». Es sei eine grosse Erleichterung gewesen, dass die Schulanlage nun so stehe. Und es habe eine fundamentale Auseinandersetzung und grosse Diskussionen im Konvent um das Matura-Reglement gegeben.

Dass die Digitalisierung die Präsenzzeiten in der Schule verkürzen könnten, stiess bei den Diskutierenden auf wenig Gegenliebe. Die Interaktion Lehrer-Schüler sei wichtig, meinten alle Podiumsteilnehmer einhellig. «Compter helfen beim üben», sagte René Imesch und Marianne Bommer meinte, dass «Anwesenheit wichtig ist, weil man in diesem Alter noch in der Entwicklung steht».

Erwartungshaltung und Druck sind gestiegen

Problemlösung sei nur im Team möglich, machte Christian Neuweiler einen anderen Aspekt deutlich. Für Ruedi Herzog auch wichtig: «Soziales lernen ist nur möglich, wenn man untereinander ist».

Eine Bildungsstätte für und mit Menschen

Dass die Erwartungshaltung und der Erfolgsdruck in Schule und Ausbildung gewachsen sei, könne er bestätigen, erklärte Christian Neuweiler. Es gelte, den dualen Weg nicht gegen den akademischen Weg auszuspielen. Als Prorektor der Kantonsschule Romanshorn konnte Ruedi Herzog feststellen, dass «der Druck aus dem Elternhaus, unbedingt eine Mittelschule zu besuchen, inzwischen absurde Züge angenommen hat». Auf die Frage, wie die Schule in 50 Jahren aussehen werde, antwortete René Imesch abschliessend: «Es ist immer noch eine Bildungsstätte für und mit Menschen».

Das Fest zum 50-Jahr-Jubiläum der Kanti findet am 4. Mai statt.

www.ksk50.ch

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