Kampf mit weichen Bandagen in Tägerwilen: Wer tritt in die Fussstapfen des Gemeindepräsidenten, der nach einem Vierteljahrhundert abtritt?

Thomas Gerwig und Markus Ellenbroek kandidieren für das Tägerwiler Gemeindepräsidium. Am Podium diskutierten sie über das Kinder- und Jugendzentrum, Wachstum und auch über den aktuellen Amtsinhaber.

Rahel Haag
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Markus Ellenboek, Moderator David Angst und Thomas Gerwig.

Markus Ellenboek, Moderator David Angst und Thomas Gerwig.

(Bild: Donato Caspari)

«Sauber kämpfen, fair gewinnen», ist auf dem knallgrünen Banner in der Dreifachsporthalle in Tägerwilen zu lesen. Für einmal duellieren sich hier am Montagabend aber keine Sportmannschaften, sondern zwei Männer. Thomas Gerwig (CVP) und Markus Ellenbroek (FDP) kandidieren beide für das Amt des Gemeindepräsidenten. Gewählt wird am 29. November. An der Podiumsdiskussion stehen sie 113 Interessierten gegenüber.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, stellt David Angst, Moderator und Chefredaktor dieser Zeitung, gezielt Fragen zur Tägerwiler Lokalpolitik. Am kommenden Sonntag stimmt die Gemeinde über den Bau eines Kinder- und Jugendzentrums ab. Das Projekt ist umstritten und so fragt Angst die beiden Kandidaten einerseits nach einer Prognose und andererseits nach ihrer persönlichen Meinung.

«Das wird eine enge Kiste», sagt Markus Ellenbroek. Er hoffe, dass die Stimmberechtigten Ja sagen.

Markus Ellenbroek

Markus Ellenbroek

(Bild: Donato Caspari)
«Ich denke,
das ist eine riesige Chance.»

Gleichzeitig finde er die Lage des geplanten Gebäudes auf der Parzelle nicht ideal. «Ich hätte mir gewünscht, dass es weiter hinten platziert wird.»

Auch Thomas Gerwig befürwortet das Projekt. «Der Bedarf ist nachgewiesen», sagt der 54-Jährige. Bei einem Nein sieht er zudem die ungeklärte Parkplatzsituation als Problem. «Ohne Kinder- und Jugendzentrum gibt es auch keine Tiefgarage.»

Zwei Verfechter der Gemeindeversammlung

Ein weiteres grosses Thema in der Gemeinde ist das Wachstum. David Angst belegt das mit Zahlen: Innert 20 Jahren ist die Bevölkerungszahl von 3000 auf 5000 Einwohner gestiegen. Die Frage von Angst: Muss die Gemeindeordnung der Grösse der Gemeinde angepasst werden? Sprich: «Würden Sie sämtliche Abstimmungen an die Urne verlagern und die Gemeindeversammlung abschaffen?»

Gerwig, der seit 2017 Mitglied des Gemeinderats ist, lehnt dies klar ab. «Hier in der Schweiz ist die Gemeindeversammlung Teil unserer politischen Kultur», sagt der gebürtige Konstanzer. Dabei handle es sich zudem um ein Stück gelebte Demokratie. Auch Ellenbroek will, dass die Gemeindeversammlung erhalten bleibt. «Solange die Bürgerhalle vom Platz her noch ausreicht, sehe ich keinen Handlungsbedarf», sagt der kaufmännische Leiter der Rutishauser Automobile AG.

Ausländische Mitbürger politisch einbeziehen

Aus dem Publikum folgt später die Frage, wie die beiden Kandidaten die ausländischen Mitbürger – die in Tägerwilen knapp 40 Prozent ausmachen – in politische Entscheide einbeziehen wollen. Gerwig sagt dazu, dass man nicht stimmberechtigt sein müsse, um bei Projekten mitwirken zu können.

«Das Bedürfnis ist da und die Türen stehen diesbezüglich weit offen.»

Auf die Nachfrage von Angst, ob er denn auch die Möglichkeit sähe, ausländischen Mitbürgern auf lokaler Ebene das Stimmrecht zu erteilen, gibt sich der Leiter der Geschäftsstelle der Raiffeisenbank Tägerwilen in Kreuzlingen diplomatisch. Hierfür müsste die Gemeindeordnung angepasst werden, sagt er. «Wenn der Wunsch vorhanden ist, kann man das gerne in Angriff nehmen.»

Ellenbroek, seit 2011 Präsident der Rechnungsprüfungskommission, ist diesbezüglich anderer Meinung. «Es ist relativ schnell möglich, sich einbürgern zu lassen.» Die politische Beteiligung sehe er entsprechend über diesen Weg.

Thomas Gerwig

Thomas Gerwig

(Bild: Donato Caspari)

Schliesslich kommt die Frage, wie die beiden Kandidaten nach gut 25Jahren in die Fussstapfen von Markus Thalmann treten wollen. Thomas Gerwig sagt:

«Ich weiss ja nicht, welche Schuhgrösse Markus Thalmann hat, aber ich trage Grösse 45.»

Damit bringt er einige der Anwesenden – seinen Kontrahenten eingeschlossen – zum Schmunzeln.