Bezirksgericht Arbon
Gewalt und Drohung gegen Beamte: Unternehmer verliert betrunken völlig die Kontrolle und behält die nicht bezahlte Nummer eines Anhängers zurück

Der Fall sollte eigentlich vor den Schranken des Bezirksgerichts Arbon verhandelt werden. Doch der Beschuldigte blieb dem Prozess fern. Davongekommen ist er nicht.

Markus Schoch
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Die Polizei, dein Freund und Helfer: Ein Unternehmer aus dem Oberthurgau sah es bei einer Kontrolle anders und beschimpfte und bedrohte die Beamten massiv.

Die Polizei, dein Freund und Helfer: Ein Unternehmer aus dem Oberthurgau sah es bei einer Kontrolle anders und beschimpfte und bedrohte die Beamten massiv.

Bild: Nana Do Carmo (14. Juli 2009)

Am Schluss beugte sich der Mann der Staatsgewalt, deren Vertreter er Monate zuvor aufs Übelste beschimpft hatte. An einem Mittwoch vor gut einem Jahr stellten zwei Polizisten den Unternehmer um 00.55 Uhr vor beziehungsweise in seiner Wohnung im Oberthurgau zur Rede. Sie hatten den Verdacht, er sei betrunken mit dem Auto gefahren. Der Mann war aber nicht bereit, sich testen zu lassen. Stattdessen überschüttete er die beiden Beamten mit einer Schimpftirade und wahrte dabei nicht den kleinsten Funken Anstand. Weil in dieser Situation nicht an eine Kontrolle zu denken war, forderten die beiden Polizisten eine zweite Patrouille auf.

Der Mann wurde dadurch nur noch ausfälliger. Er drohte den Polizisten, ihnen und ihren Familien etwas anzutun und die Kinder nicht zu verschonen. Den Kleinen werde er ganz besonders Schmerzen zufügen. Er sei sogar bereit, jemanden aufzuschlitzen. Und er werde auch vor einer Vergewaltigung nicht zurückschrecken, steht in den Akten. Die verbalen Attacken blieben nicht ohne Folgen für den Mann. Die Polizisten nahmen ihn gleich mit auf den Posten und steckten ihn in eine Zelle.

Der Ausraster kommt ihn teuer zu stehen

Fünf Monate später bekam der Mann die Quittung für seinen Ausraster. Die Staatsanwaltschaft stellte ihm im letzten Dezember einen Strafbefehl zu wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Beschimpfung. Ausserdem belangte sie ihn wegen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern. Der Grund: Mit Verfügung vom 22. Juli des letzten Jahres forderte das Strassenverkehrsamt den Gewerbetreibenden auf, die Kontrollschilder eines Transportanhängers zurückzugeben oder die Rechnungen zu begleichen, die er bis dato nicht bezahlt hatte. Der Unternehmer tat innerhalb der ihm gesetzten Frist weder das eine noch das andere.

Seine Strafe für die Vergehen: 40 Tagessätze à 100 Franken, bedingt erlassen bei einer Probezeit von vier Jahren, unter Anrechnung von einem Tag Haft. Ausserdem sollte er die Verfahrenskosten tragen, die sich inklusive Busse von 800 Franken auf 2'511 Franken belaufen.

Rückzieher in letzter Sekunde

Der Mann akzeptierte den Strafbefehl nicht, weshalb sich im Juni das Bezirksgericht Arbon mit dem Fall befassen sollte. Nur: Der Unternehmer erschien nicht zur Verhandlung. Zuerst sah es so aus, als ob es ein Missverständnis zwischen ihm und seinem Anwalt gegeben hätte. Wie es aussieht, wollte es der Mann aber einfach nicht auf eine Verurteilung ankommen lassen, weshalb er den Termin platzen liess. Die Einsprache gegen den Strafbefehl jedenfalls hat er mittlerweile zurückgezogen. Dieser ist jetzt rechtskräftig.

Der Mann war übrigens tatsächlich betrunken, als die Polizisten bei ihm vor der Türe standen. Der Atemlufttest ergab 0,88 mg/l, am Steuer erlaubt sind maximal 0,25 mg/l. Damit dürfte er auch seinen Führerschein für einige Zeit los gewesen sein und zumindest eine saftige Busse oder Geldstrafe aufgebrummt bekommen haben.

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