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Jörg Heierli aus Schweizersholz umrundet Afrika mit dem Velo

Vor einem Jahr nahm der damals 27-Jährige das Abenteuer in Angriff. Im Interview mit der "Thurgauer Zeitung" berichtet Jörg Heierli vom bisherigen Verlauf der ungewöhnlichen Reise.
Georg Stelzner
Ein denkwürdiger Augenblick auf der Reise: In Gabun überquert Jörg Heierli erstmals den Äquator. (Bild. PD)

Ein denkwürdiger Augenblick auf der Reise: In Gabun überquert Jörg Heierli erstmals den Äquator. (Bild. PD)

Am Sonntag, 2. September 2018, machte sich Jörg Heierli im Alter von 27 Jahren mit einem speziell hergerichteten Fahrrad auf den Weg Richtung Gibraltar. Sein Ziel ist die Umrundung des afrikanischen Kontinents mit dem Fahrrad.

Jörg Heierli, Sie stecken mitten im grössten Abenteuer Ihres Lebens. Wie geht es Ihnen?

Jörg Heierli: Mir geht es soweit tipptopp. Die Zähne machen mir etwas Sorgen und ein wenig einsam ist es auch immer. Aber ansonsten ist alles gut.

Wo befinden Sie sich zum Zeitpunkt des Interviews?

Ich bin gerade in Dolisie, einer Stadt in der Republik Kongo.

Was ist die grössere Herausforderung: die körperliche Anstrengung oder der mentale Kampf gegen den «inneren Schweinehund»?

An die Anstrengung habe ich mich längst gewöhnt. Afrika ist mental schwierig. Wenn man gute Laune hat, was meistens der Fall ist, dann macht auch die schlechte Strasse nichts aus. Wenn ich dann aber Leute treffe, die ohne ein Hallo gleich Geld von mir verlangen, dann zieht mich das schon runter. Aber ich treffe auch freundliche Menschen, was mich wieder aufbaut.

Wie viele Kilometer haben Sie zurückgelegt und welche Distanz liegt noch vor Ihnen?

Jetzt sind es 17'050 Kilometer. Ich schätze, dass es noch rund 28'000 Kilometer sein werden.

Konnten Sie den Zeitplan und die Route bisher einhalten?

Die Visa für die letzten vier Länder haben mich zurückgeworfen, sodass ich jetzt etwa 20 Tage oder 1000 Kilometer im Rückstand bin. Allerspätestens Mitte Januar will ich in Kapstadt sein.

Gab es Momente, in denen Sie sich wünschten, diesen Trip gar nie begonnen zu haben?

Nein. Es gibt aber Momente, in denen ich wünschte, wieder zu Hause zu sein. Aber meine Reise habe ich nie in Frage gestellt.

Wo hat es Ihnen bisher am besten gefallen? Waren Sie an Orten, wo Sie sich einen längeren Aufenthalt, vielleicht sogar ein ganzes Leben, hätten vorstellen können?

Es gab Orte, wo ich mir hätte vorstellen können, länger zu bleiben. Vieles musste ich leider auch aus finanziellen Gründen auslassen.Marokko, Guinea, Ghana und Gabun sind aber Länder, wo ich nochmals hin will. Mein restliches Leben in Afrika verbringen, das möchte ich aber nicht.

Welche Erfahrungen machen Sie mit der einheimischen Bevölkerung?

Ich bin mit allen möglichen Leuten, von den Ärmsten bis zu den Reichsten – Mann und Frau, Muslim und Christ – in Kontakt gekommen. Einige Freundschaften dauern bis heute an an und werden auch nach der Reise weiter bestehen. Es gibt in den einzelnen Ländern viele Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten.

Wie reagieren Polizei und andere staatliche Behörden auf das Erscheinen eines Europäers auf einem Fahrrad?

Eigentlich immer sehr freundlich. Grosse Probleme hatte ich nie, auch nicht mit Korruption. Mit einem freundlichen Lächeln, ein wenig Small Talk und Verständnis für ihre Arbeit kommt man locker durch.

Auf einer so langen Reise lassen sich Pannen kaum vermeiden. Ist es schwierig, solche Probleme vor Ort zu lösen? Vielleicht können Sie uns ein konkretes Beispiel schildern.

Schwierig wird es, wenn europäische Teile kaputtgehen. So musste ich per Express einen neuen Träger für das hintere Zahnrad nach Abidjan, Elfenbeinküste, bestellen. Leider fehlte mir dann das Werkzeug, um es auszuwechseln, und nach etlichen Fehlversuchen musste ich dann aus einem Stück Rohr eines zurechtschleifen. Beim ersten Versuch hätte ich mir fast die Schaltung ruiniert. Nach sechs Stunden hatte ich das Ding endlich ausgetauscht.

Die noch grössere Gefahr sind Krankheiten. Sind Sie davon bislang verschont geblieben oder benötigten Sie auch mal medizinische Hilfe?

Ich hatte ein paar Mal Durchfall und Fieber, verursacht von zu viel Sonne. Es dauerte lange, bis ich das realisierte. Entzündete Mückenstiche, die zu einem stark geschwollenen Fuss führten, zwangen mich in Abidjan zum Arzt, und in Douala, Kamerun, litt ich drei Tage an einer harmlosen Form von Malaria. Generell bin ich abgehärtet und froh, dass so wenig passiert ist.

Hatten Sie schon das Gefühl, in extrem kritische Situationen geraten zu sein?

Ja, vor allem in Strassenverkehr. Man riskiert hier lieber Menschenleben als zu bremsen. Es gab auch einige andere Gefahren, aber ich habe alles irgendwie überstanden. Meist war es, dass ich einen Ort passiert habe, an dem sich kurz zuvor oder nachher ein Zwischenfall ereignet hat. So wurden in Kumasi, Ghana, drei Kanadier entführt – genau einen Tag, nachdem ich die Stadt verlassen hatte.

Vor Ihnen liegen noch etliche politisch instabile Länder mit unkalkulierbaren Risiken wie Terrorismus und Bandenkriminalität. Welche Vorkehrungen treffen Sie?

Ich informiere mich immer etwa zwei Länder vorher über die Sicherheitslage und plane dann entsprechend meine Route. Allerdings wird überall vor Terrorismus gewarnt. Vor Ort ist dann alles friedlich. Zum Beispiel besteht laut EDA eine Reisewarnung für Atar in Mauretanien. Befindet man sich aber dort, ist absolut nichts los. Das Gleiche gilt für die Westsahara. Hingegen gelten Regionen als sicher, wo Raubüberfälle passieren. Davon hört man nichts in den Medien. Leider ist das EDA am unzuverlässigsten, wenn es um Informationen geht. Ich informiere mich daher bei den Franzosen über die Sicherheitslage. Ich konnte praktisch unbehelligt durch Afrika reisen. Es ist hier oft sicherer als in Europa.

Was ist stärker: der Ehrgeiz, das gesteckte Ziel zu erreichen oder die Sehnsucht nach Menschen, die Ihnen nahestehen?

Das Heimweh ist gross. Meine Familie und das normale Leben fehlen mir. Aber ich werde das Ding durchziehen. Abzubrechen kommt nicht in Frage.

Wann dürfen wir Sie wieder in Schweizersholz erwarten?

Ich schätze, dass ich im Winter 2020/21 oder im Frühling 2021 über die Alpen nach Hause fahren werde. Genau kann ich das natürlich nicht sagen. Es ist eher die Frage, wann mir das Geld ausgehen wird. Ich hoffe, ab Kapstadt ein paar Sponsoren zu finden.

Jörg Heierli berichtet über seine Reise laufend im Internet auf www.irgendwoinafrika.ch.

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