Jetzt sind die Thurgauer Velo-Abenteurer zu Fuss unterwegs

Nach 14 Monaten und 13500 Kilometern haben Percy-John Weibel und Cécile Streit ihr Ziel erreicht. Die beiden Abenteurer sind in Nepal angekommen. Sie haben gelernt: nichts ist unmöglich.

Martina Eggenberger Lenz
Drucken
Teilen
Percy-John Weibel und Cécile Streit unterwegs im Pamir. (Bild: PD)

Percy-John Weibel und Cécile Streit unterwegs im Pamir. (Bild: PD)

Im Sommer letzten Jahres haben Percy-John Weibel und Cécile Streit ihre Wohnung in Tägerwilen aufgegeben – und sind losgeradelt. Heute, 16 Monate später, befinden sich die beiden in Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal. Seit zwei Monaten sind sie im Land, das sie einst als Ziel ihrer Reise definiert haben. Zwischen dem Abschied aus dem Thurgau und der Ankunft in Nepal liegen 13500 Kilometer und 14 Monate Reisezeit.

Die Abenteurer haben fast die gesamte Strecke mit ihren Velos zurück gelegt. Zuerst radelten die beiden dem Mittelmeer entlang (unsere Zeitung berichtete). Dann ging weiter via Iran zum Kaspischen Meer. Nach Turkmenistan ging es über Usbekistan nach Kirgisistan und Kasachstan. Dort setzten sich die zwei erstmals in ein Flugzeug, um nach Indien zu gelangen. Von dort aus war es, im Vergleich zur bereits zurück gelegten Strecke, nur noch ein Katzensprung bis zum Ziel.

Das Ziel markiert einen Wendepunkt  

Beschenkt würden sie sich fühlen. Und ja: auch stolz, sagen die zwei Thurgauer. Die Ankunft in Nepal sei ein magischer Moment gewesen. Es sei aber auch ein bisschen, wie wenn das gute Buch zu Ende gelesen sei und sich eine Leere auftue. «Wir befinden uns an einem Wendepunkt.» Körperlich haben die vielen Kilometer mit den Stahlpferden ihre Spuren hinterlassen. Insbesondere Percy-John «quietschen» die Kniegelenke. Die Muskeln sind verspannt, der Gewichtsverlust zehrt an den Reserven. Das hat dem Paar den Entscheid vereinfacht, die Velos zurück in die Schweiz zu senden.

Die beiden posieren während einer Pause auf einer Wanderung in der Annapurna-Region in Nepal. (Bild: PD)

Die beiden posieren während einer Pause auf einer Wanderung in der Annapurna-Region in Nepal. (Bild: PD)

Von nun an soll es nur noch zu Fuss weiter gehen. Der Sportlehrer und die Sozialpädagogin haben ihren Trip nie als Leistungssport betrachtet. Ihnen war es wichtig, dass die Seele mitreisen kann. «Als Radreisende erlebten wir die Länder ohne künstliche Maskerade, welche für die Touristen erschaffen wird», erzählen Percy-John und Cécile. Die grösste Herausforderung auf der Reise sei gewesen, die Kluft zwischen Armut und Reichtum auszuhalten und die Frage nach der persönlichen Handlungspflicht richtig zu beantworten. «Ich schämte mich oft, wenn ich da so vor ihnen stand, mit meinem funkelnden Rad und den prall gefüllten Taschen. Und in die grossen, staunenden Menschenaugen blickte, ihre Körper eingehüllt in schmuddelige Lappen», sagt Cécile.

Im Sommer zurück in der Heimat

Auch wenn es unterwegs brenzlige Situationen gab: ans Umkehren haben die beiden nie gedacht. Auch nicht, als Percy-John einen 5400 Meter hohen Pass mit einem Hexenschuss zu Ende erwandern musste. Oder als auf einer Passfahrt in Albanien fünf Hirtehunde nach ihm schnappten. Am schlimmsten sei der Müll gewesen, der überall herum liege. Nicht nur am Strassenrand - auch an den schönsten Plätzen. Eines, das die zwei vom Abenteuer mitnehmen ist: «Nothing ist impossible!»

Der wichtigste Gegenstand, der die beiden auf ihrem Weg begleitet hat, war – «es ist tragisch, das zu sagen» – das Smartphone. Es diente zur Navigation, Information, zum Ausfüllen von Formularen, zum Schreiben und Fotografieren für den Reiseblog, zum Zeitung lesen und zum Kontakt nach Hause. Unterwegs hätten sie sich immer wieder überlegt, wie und wo sie «danach» leben möchten. «Wir haben noch keine Antwort.» Ein paar Monate bleiben ihnen noch, um Klarheit zu erlangen.

Als erstes geht es jetzt noch einmal nach Indien. Falls möglich wollen Percy-John und Cécile dann per Schiff zurück ans Mittelmeer reisen. Und dann auf einem der europäischen Fernwanderwege zurück in die Schweiz pilgern. Worauf sie sich am meisten freuen? «Auf ein Täfeli gueti Schoggi und äs Schnifäli Chääs.»

Der Reiseblog zum Nachlesen:
www.stahlpferdgypsy.ch