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Interview

Jetzt hat Kurt Henauer aus Kesswil wieder gut lachen

Der Landwirt ist nach acht Jahren als Gemeindepräsident zurückgetreten. Er ist stolz auf die Bevölkerung. Leicht hat sie es ihm nicht immer gemacht. Doch der Abschied war versöhnlich.
Markus Schoch
Kurt Henauer kümmert sich künftig wieder intensiver um seinen Landwirtschaftsbetrieb. (Bilder: Reto Martin)

Kurt Henauer kümmert sich künftig wieder intensiver um seinen Landwirtschaftsbetrieb. (Bilder: Reto Martin)

Sie sind an Ihrem letzten Arbeitstag am Mittag aus dem Gemeindehaus gerannt. Konnte es Ihnen nach acht Jahren im Amt nicht schnell genug gehen, endlich aus dem Büro zu kommen?

Nein, überhaupt nicht. Wahrscheinlich musste ich mich beeilen, um rechtzeitig am Mittagstisch zu sein. Meine Frau legt Wert auf Pünktlichkeit.

Aber Sie sind auch bis zuletzt für die Gemeinde gerannt.

Ja, ich war bis zum letzten Tag motiviert.

Ein Dauerthema während Ihrer Amtszeit war die Ortsplanungsrevision, die Sie in der letzten Woche als Gemeindepräsident erfolgreich abschliessen konnten...

... Die Bevölkerung hat relativ deutlich Ja dazu gesagt. Das ist für mich wichtig.

Sie standen wegen der Einzonung eines Stück Landes in Ihrem Besitz in der Kritik. Wie stark haben Ihnen diese Angriffe zugesetzt?

Solange man nicht feststellen muss, dass man Fehler gemacht hat, belastet es einem weniger. Leider steht nun mal unsere Scheune in einer Lücke der Dorfzone.

Die Vorwürfe waren teilweise heftig. Der Gemeinderat musste sich beispielsweise anhören, eine Gruppe Krimineller zu sein.

Man gewöhnt sich ein Stück weit daran, dass gewisse Leute verbal die Keule schwingen, wenn sie keine Argumente mehr haben.

Am Schluss ist Ihnen das Lachen aber vergangen.

Vielleicht vorübergehend ein bisschen, wenn man immer unfaire Kritik anhören muss. Es gibt offenbar Menschen, die einen Blitzableiter brauchen. Ich bin es müde geworden, mich immer für alles vor jedem zu rechtfertigen. Schliesslich haben wir alle kritischen Fragen in Workshops und mit neutralen Fachleuten geklärt. Die Nähe zu den Menschen habe ich aber immer sehr geschätzt. Ich bin auch fast überall auf viel Verständnis gestossen, selbst wenn es um unangenehme Entscheide ging. Es ist aber sicher so, dass das Ansehen des Gemeindepräsidenten heute nicht mehr das gleiche ist wie vor 15 Jahren, was die Arbeit mühsam macht.

Inwiefern?

Ich sorge mich manchmal um die Zukunft unseres Milizsystems. Ich bin davon ausgegangen, dass das Gemeindepräsidium eine ideale Ergänzung zu meiner Arbeit als Landwirt ist. Ich musste aber ernüchtert zur Kenntnis nehmen, dass mir mein Beruf und meine Nähe zu den Menschen manchmal negativ ausgelegt worden sind.

Als Dank der Gemeinde erhielt Kurt Henauer ein Bänkli, auf dem er mit dem ebenfalls abtretenden Gemeinderat Richard Heinzer an der letzten Gemeindeversammlung Platz nahm. (Bild: Kurt Peter)

Als Dank der Gemeinde erhielt Kurt Henauer ein Bänkli, auf dem er mit dem ebenfalls abtretenden Gemeinderat Richard Heinzer an der letzten Gemeindeversammlung Platz nahm. (Bild: Kurt Peter)

Ihr Abschied mit dem Ja zur Ortsplanungsrevision war ein versöhnlicher.

Es ist eine gewisse Genugtuung da. Wir haben lange genug an der Ortsplanung gearbeitet und uns um jedes Detail gekümmert.

Gewisse Personen behaupten, das letzte Kapitel sei noch nicht geschrieben. Denn der Kanton werde die Ortsplanung nicht genehmigen.

Wir haben alle Fragen mit den kantonalen Amtsstellen und auch externen Experten geklärt.

Im letzten Sommer wandte sich einer Ihrer Vorgänger mit einem Flugblatt an die Bevölkerung, weil überall der Wurm drin sei. Jetzt ist die Ortsplanung-Revision abgeschlossen, und auch beim Generationenhaus geht etwas. Sieht doch gar nicht so schlecht aus?

Die Darstellung war übertrieben, aber die Analyse grundsätzlich richtig. Es gab gewisse Störmanöver, die uns gehemmt haben.

Und jetzt ist die Gemeinde wieder in der Spur?

Noch nicht ganz. Beim Generationenhaus waren wir schon 2015 fast an dem Punkt, an dem wir uns jetzt befinden. Ich bin gespannt, ob nun die Bevölkerung das nötige Genossenschaftskapital zeichnet.

Wie sieht es beim Hafen aus? Sie wollten ein Vorprojekt vorlegen.

Das Problem ist, dass der Hafen in privatem Besitz ist. Solange die Gemeinde mit den Eigentümern keine Regelung und keine Vereinbarung hat, kann die Gemeinde keinen Planungsauftrag erteilen und grosse Kosten übernehmen.

Eine Lösung zu finden, ist schwierig?

Ja.

Wie steht die Gemeinde finanziell da?

Nach wie vor gut. Es kommen aber Kosten im Bereich der Infrastruktur auf uns zu. Doch Geld ist nicht alles. Wir wollen auch ein lebendiger Ort sein mit Familien, deren Kinder hier zur Schule gehen können.

Kurt Henauer sitzt künftig wieder öfter in seinem Traktor.

Kurt Henauer sitzt künftig wieder öfter in seinem Traktor.

Der Zusammenhalt ist gross.

Ja, das haben wir beim 1200-Jahr-Jubiläum erlebt, das ein Highlight in meiner Amtszeit war. Ich bin stolz auf Kesswil, wenn ich daran denke, wie aktiv die Bevölkerung etwa in den Vereinen ist.

Was nehmen Sie für Erfahrungen mit?

Ich habe sehr positive Erinnerungen an viele Begegnungen. Aber auch wenn ich an den grossen Zusammenhalt unter den Gemeinden im Oberthurgau denke. In der Bevölkerung vermisse ich diese Identifikation mit der Region stellenweise. Ein weiterer Punkt betrifft die Gemeindeautonomie, die immer mehr eingeschränkt wird. Ich weiss nicht, wie das auf Dauer in den kleinen Gemeinden gehen soll. Umso wichtiger ist es für uns, mit anderen Gemeinden zusammen zu arbeiten, wie wir das bereits im sozialen Bereich und bei der Bauverwaltung erfolgreich tun.

Was machen Sie künftig?

Ich freue mich, mich wieder voll auf dem landwirtschaftlichen Betrieb einbringen zu können. Ich bin ausserdem in einer Arbeitsgruppe dabei, die sich für eine wirtschaftliche und nachhaltige Obstproduktion im biologischen Landbau beschäftigt.

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