Jahresrückblick
Der Partysommer am Kreuzlinger Seeufer: Wenn sich der Feierstau wegen Corona im Park auf der anderen Seite der Grenze entlädt

Hunderte Jugendliche trafen sich im Sommer 2021 im Kreuzlinger Seeburgpark zum Feiern – und hinterliessen Abfallberge.

Rahel Haag
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Sogar ein Sofa haben die Jugendlichen in den Seeburgpark geschleppt.

Sogar ein Sofa haben die Jugendlichen in den Seeburgpark geschleppt.

Bild: PD

Es begann mit einem himmelblauen Sofa, das eines Morgens auf einer Wiese im Kreuzlinger Seeburgpark stand. Angeschleppt hatten es am Abend zuvor Konstanzer Jugendliche, die dort eine Party gefeiert hatten. Sie wollten auf ihr bestandenes Abitur anstossen. Anfang Juni war daran auf der deutschen Seite der Grenze wegen der coronabedingten Beschränkungen allerdings nicht zu denken. Es galt unter anderem die Regel, dass sich im privaten oder öffentlichen Raum maximal zehn Personen aus bis zu drei Haushalten treffen dürfen.

So wichen die Jugendlichen eben in die Schweizer Nachbarstadt aus. Das sprach sich, unter anderem in den sozialen Medien, schnell herum. So pilgerten zu Beginn 300 bis 400, einige Wochen später zwischen 550 und 600 Personen in den Seeburgpark.

Die Folgen:
Lärmbelästigung und Littering.

Vor allem zahlreiche leere Flaschen blieben im Park zurück.

Stadtrat zeigt Verständnis für die Jugend

Thomas Beringer,Stadtrat Kreuzlingen (EVP).

Thomas Beringer,
Stadtrat Kreuzlingen (EVP).

Bild: Andrea Stalder

Die Stadt setze auf Deeskalation, grössere Abfallkübel und eine wesentlich höhere Kadenz bei deren Leerung. Stadtrat Thomas Beringer, verantwortlich für das Departement Dienste und damit für die Ordnung im Seeburgpark, zeigte aber auch Verständnis für die Jugendlichen.

«Die Clubs sind schon seit Monaten geschlossen, da sucht man eben Alternativen.»

Weniger Verständnis hatte die SVP-Gemeinderätin Judith Ricklin. Sie wandte sich Mitte Juni mit einem «Hilfeschrei» an Regierungsrätin Carmen Haag. Ricklins Kritik: Die Jugendlichen wüssten genau, dass die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma City Watch Security weder Personalien aufnehmen noch Bussen ausstellen dürften.

Judith Ricklin,Gemeinderätin Kreuzlingen (SVP).

Judith Ricklin,
Gemeinderätin Kreuzlingen (SVP).

Bild: PD
«Und das nutzen sie bis aufs Letzte aus.»

Entsprechend forderte sie an die Adresse der Stadt, dass nun Taten folgen müssten. Stadtpräsident Thomas Niederberger fand zwar ebenfalls, dass das Littering keinesfalls akzeptiert werden könne. Die Jugendlichen zu vertreiben, war in seinen Augen aber auch keine Lösung. «Dann gehen sie irgendwo anders hin. Im Seeburgpark haben wir sie wenigstens im Blick», sagte er. Es kam der Herbst und die Jugendlichen verschwanden von selbst.

Vom Tisch ist das Thema aber noch nicht. Die SVP-Fraktion im Kreuzlinger Gemeinderat fordert in einer schriftlichen Anfrage die Aufarbeitung der Vorkommnisse.

Zahlreiche Jugendliche versammelten sich an einem Samstagabend zu einer illegalen Party beim Turm im Seeburgpark.

Zahlreiche Jugendliche versammelten sich an einem Samstagabend zu einer illegalen Party beim Turm im Seeburgpark.

Bild: Facebook

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