Jahresrechnung 2019: Kradolf-Schönenberg erwirtschaftet Gewinn von 600'000 Franken

Ein höherer Steuerertrag und ein geringerer Sozialhilfeaufwand haben massgeblich zum Plus in der Rechnung beigetragen. Der Gemeinderat möchte den Gewinn hauptsächlich als Vorfinanzierung von Strassensanierungen verwenden.

Georg Stelzner
Drucken
Teilen
Heinz Keller, Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg, kann eine erfreuliche Jahresrechnung vorlegen.

Heinz Keller, Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg, kann eine erfreuliche Jahresrechnung vorlegen.

Bild: Georg Stelzner

In seiner Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger bezeichnet der Gemeinderat das Rechnungsergebnis nüchtern als «positiven Abschluss». Man darf diese Feststellung getrost als Untertreibung bezeichnen, steht die Jahresrechnung doch mit einem Bruttogewinn von 603'594 Franken zu Buche. Da ein Verlust in Höhe von 226'000 Franken budgetiert war, beläuft sich die Besserstellung auf rund 830'000 Franken.

Gewinn fliesst in Vorfinanzierungen

Den Ertragsüberschuss möchte der Gemeinderat zur Hauptsache für die Vorfinanzierung von drei Strassensanierungen verwenden: 250'000 Franken für die Weitenaustrasse, 100'000 Franken für die Thurbruggstrasse sowie 150'000 Franken für die Buhwilerstrasse (2. Etappe).

«Der verbleibende Überschuss von 103594 Franken soll dem Eigenkapital zugewiesen werden», sagt Gemeindepräsident Heinz Keller. Das Eigenkapital würde sich dadurch auf rund 2,4 Millionen Franken erhöhen, was dann einer Reserve von gut 38 Steuerprozenten entspräche. Den erfreulichen Umstand, dass das budgetierte Minus zu einem erklecklichen Plus mutiert ist, führt Keller auf mehrere Faktoren zurück.

Höhere Steuereinnahmen

Wie andere Thurgauer Gemeinden hat auch Kradolf-Schönenberg von einem über Erwarten hohen Steuerertrag profitiert. Zudem hat der Netto-Sozialhilfeaufwand das Budget deutlich unterschritten.

Zum positiven Abschluss beigetragen haben auch Minderausgaben in den Bereichen Werkhof und Gemeindekanzlei sowie für die Ortsplanung, deren Abschluss sich verzögert. Die Mehrkosten für die Pflegefinanzierung und die Spitex konnten so abgefedert werden.

Weniger investiert als geplant

Die gesamten Nettoinvestitionen beziffert Keller mit 1,355 Millionen Franken, womit man 260'000 Franken über dem Wert von 2018, aber deutlich unter dem Budget 2019 liege.

Im steuerfinanzierten Bereich betrafen die Investitionen im Wert von 723'274 Franken den Umbau der Neukircher Turnhalle (2. Tranche), die Sanierung der Istighoferstrasse (2. Etappe) und der Buhwilerstrasse (1. Etappe) sowie diverse Gewässerverbauungen.

Investitionen nicht zurückstellen

«Aufgrund der hohen Investitionen ist die Verschuldung wieder leicht angestiegen», räumt Keller ein. Sie betrage jetzt 1026 Franken pro Einwohner, was als «mittlere Verschuldung» bewertet werde.

Der Gemeinderat wolle sich dadurch aber von nötigen Investitionen nicht abhalten lassen, betont Keller. Dies auch aus Rücksicht auf das Gewerbe, das Aufträge gerade in der jetzigen Zeit dringend brauche.

Infolge der Coronakrise rechnet der Gemeindepräsident mit massiven Steuerausfällen. Es werde deshalb kaum möglich sein, die Verschuldung in den nächsten Jahren zu reduzieren.

Über die Rechnung 2019 der Politischen Gemeinde Kradolf-Schönenberg wird wegen der Coronapandemie erst an der Gemeindeversammlung vom 3. Dezember 2020 abgestimmt.

Werkbetriebe: Zweimal Minus, einmal Plus

Unterschiedlich abgeschnitten haben die Werkbetriebe der Gemeinde Kradolf-Schönenberg. Das Elektrizitätswerk kann einen Gewinn von 93'104 Franken ausweisen, wobei der Ertragsüberschuss aus der Durchleitung und der Netznutzung resultiert, während sich beim Stromhandel ein Verlust eingestellt hat. Per 31. Dezember 2019 verfügte das EW über ein Eigenkapital in Höhe von 758'146 Franken. Die Wasserversorgung rechnete mit einem Gewinn von 74'150 Franken, sie schliesst jedoch mit einem Verlust von 25'626 Franken ab. Bestätigt hat sich die negative Prognose bei der Kanalisation (Abwasserbeseitigung). Mit 65'779 Franken fällt der Aufwandüberschuss aber um rund 50'000 Franken geringer aus als budgetiert. (st)