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Jahrelang rostete dieses Wrack in einem Bündner Wald vor sich her – weshalb es jetzt in einem Ermatinger Schaufenster steht

Der Ermatinger Uli Mack hat ein VW-Käfer-Wrack gerettet. Das Auto stand 55 Jahre lang in der Bündner Natur.
Margrith Pfister-Kübler
Der VW-Brezelkäfer stand seit 1964 im Bündner Wald. (Bild: PD)

Der VW-Brezelkäfer stand seit 1964 im Bündner Wald. (Bild: PD)

Die Geschichte ist so schräg, dass sie keiner glauben würde. Wäre da nicht das Corpus Delicti: Der VW-Brezelkäfer, Baujahr 1951. Brezelkäfer ist der Spitzname des Käfers in Anspielung auf das zweigeteilte kleine Heckfenster mit Mittelsteg, das an eine Brezel erinnert.

Dieser nun als Wrack aufgefundene Wagen wurde von 1951 bis 1964 von seinen einzigen Besitzern in Schiers im bündnerischen Prättigau gefahren. Im Jahr 1964 probierten sie – zwei Brüder – aus, wie weit hinauf es der VW-Brezelkäfer, oberhalb der walserischen Hangsiedlung bei Schuders, zirka 1275 Meter über Meer, schafft. Sie kamen ziemlich weit. Schliesslich blieb der Wagen dort oben geparkt. Seit 1964 im feuchten Boden im Wald, inzwischen halb vergraben. Die Natur nahm ihn auf.

Doch dann änderte sich alles. Durch Zufall. Dieser führt über die Evangelische Kirchgemeinde Ermatingen, die in Luzein ein Ferienhaus besitzt. Verwalterin Madlen Pleisch und ihr Ehemann Christian bekamen Besuch vom Ermatinger Unternehmer und Gewerbevereinspräsident Uli Mack.

Uli Mack mit dem Brezelkäfer in der Halle 7 der Mack Halle in Ermatingen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Uli Mack mit dem Brezelkäfer in der Halle 7 der Mack Halle in Ermatingen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Christian Pleisch restauriert alte Militärjeeps. Bei einem spontanen Besuch eines ebenfalls oldtimerbegeisterten Freundes im nahen Schiers wurde dessen kleine Sammlung begutachtet. Dort hängt an der Wand ein Bild von einem VW-Käfer, durchwachsen von einem Baum. Uli Mack sagte:

«Genau so etwas sollte man finden.»

«Ja, ich weiss, wo einer steht», warf Hans Brehm, der Freund aus Schiers, ein. «Da hat doch einer in einer Beiz von einem Auto-Schrotthaufen im Wald oberhalb Schuders erzählt», ergänzte Christian Pleisch. Und schon folgten die Männer ihren Träumen.

Er wollte dem Auto neues Leben einhauchen

Anderntags seien sie in aller Herrgottsfrühe aufgebrochen, die Wege hinauf wurden enger und enger, dann nur noch Kies, Wald, ein Ort, wo keiner hinkommt. Das Wrack fanden sie tatsächlich. Halb in der Erde, konserviert durch den Waldboden, von Herbstlaub bedeckt. Wiederentdeckt nach 55 Jahren. «Ich möchte ihm neues Leben einhauchen», sagte sich Uli Mack. Der Entscheid, das Auto zu retten, reifte blitzschnell.

Uli Mack begutachtet das VW-Brezelkäfer-Wrack im Bündner Wald. (Bild: PD)

Uli Mack begutachtet das VW-Brezelkäfer-Wrack im Bündner Wald. (Bild: PD)

Sie hätten Ausschau nach dem Waldbesitzer gehalten, um zu fragen, ob sie das Wrack haben dürfen. Im Berggasthaus Alte Post bei Gerti und Markus Hitz stärkten sich die Männer, inzwischen hungrig geworden. Und wieder ein Zufall: Da sass ein 91-Jähriger, einer der zwei Besitzer dieses VW mit der Werksnummer 1-0240415.

Heckansicht: Der VW-Bretzelkäfer stand seit 1964 im Bündner Wald. (Bild: PD)

Heckansicht: Der VW-Bretzelkäfer stand seit 1964 im Bündner Wald. (Bild: PD)

1951 hätten sie ihn neu gekauft, stolz seien sie auf ihren «Brezel» gewesen. Doch im Jahr 1964 – aus einer Bierlaune heraus – hätten sie eben ausprobiert, wie weit der Käfer es in den Berg hinauf schafft. Da, wo er nicht mehr weitergelaufen sei, hätten sie ihn stehen lassen.

Auch Laub und Äste kamen an den Untersee

Uli Mack und seine Crew haben inzwischen in einer abenteuerlichen Rettungsaktion das Wrack aus dem Wald bei Schuders geborgen. Mack:

«Mit Schaufel, Pickel, Seil, Stockwinde und halt allem, was man braucht, um ein Auto auszugraben, sind wir losgezogen.»

Vorsichtig wurden der VW und seine Teile mit einem Kran geborgen. Danach in einen geschlossenen Anhänger verladen, damit alles bleibt, wie es ist. Sogar Bündner Blätter und Äste, die um den Brezel herumlagen, wurden an den Untersee transportiert.

Das VW-Brezel-Wrack wird abtransportiert. (Bild: PD)

Das VW-Brezel-Wrack wird abtransportiert. (Bild: PD)

Und jetzt? In der Halle 7 der Mack Halle in Ermatingen sind auf mehreren Etagen VW-Oldtimer ausgestellt. Im Parterre prangt nun der Fund aus dem Wald bei Schuders.

Nun hat das Auto in Ermatingen ein neues Zuhause gefunden. (Bild: PD)

Nun hat das Auto in Ermatingen ein neues Zuhause gefunden. (Bild: PD)

Mack sagt:

«Das bleibt vorläufig so, der Restaurierungsentscheid ist noch nicht gefallen.»

Die Restaurierungskosten seien höher als der Wert. Er ist erstaunt, wie gut die Wrackteile erhalten seien. «Früher wurden Autos mit dem Anspruch gebaut, länger als die Garantiezeit zu halten», sagt er, «und dieses hat gar die schlechte Behandlung verziehen.»

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