Jackpot für Volley Amriswil: Alle Champions-League-Spiele finden im Tellenfeld statt

Die Gruppengegner Amriswil, Maaseik und Soligorsk einigten sich darauf, die erste Qualifikationsrunde zur Volleyball-Königsklasse Anfang Oktober in der Ostschweiz durchzuführen. Die Sache hat allerdings einen Haken. Verbessert sich bis dahin die pandemische Lage in Belgien nicht, könnte der Kanton Thurgau zum Spielverderber werden.

Matthias Hafen
Drucken
Teilen
Volley Amriswil kann Anfang Oktober vor heimischem Publikum um die Teilnahme an der Volleyball-Königsklasse kämpfen.

Volley Amriswil kann Anfang Oktober vor heimischem Publikum um die Teilnahme an der Volleyball-Königsklasse kämpfen.

Mario Gaccioli (4. Januar 2020)

Volley Amriswil hat das grosse Los gezogen. Oder besser gesagt: gut verhandelt. An einer Telefonkonferenz am späten Montagabend zwischen Vertretern des Thurgauer NLA-Clubs, des 16-fachen belgischen Meisters Greenyard Maaseik, des weissrussischen Topklubs Schachtjor Soligorsk sowie des europäischen Volleyballverbands CEV einigten sich die Beteiligten auf eine möglichst unkomplizierte Durchführung der Champions-League-Qualifikation.

Eigentlich hätte jedes der drei Teams in der Qualifikationsgruppe E das Recht gehabt, ein Miniturnier "Jeder gegen jeden" bei sich auszutragen. In Zeiten von Corona und entsprechend strengen Vorgaben bei der Durchführung solcher Anlässe sprachen sich am Ende jedoch alle für lediglich ein Miniturnier an einem einzigen Standort aus.

Mit den Belgiern einen Pakt geschlossen

So finden nun zwischen dem 6. und 8. Oktober drei Partien der Champions-League-Qualifikation in der neuen Tellenfeldhalle in Amriswil statt.

Dienstag, 6. Oktober, 19.00 Uhr: Schachtjor Soligorsk (BLR) – Amriswil
Mittwoch, 7. Oktober, 19.00 Uhr: Maaseik (BEL) – Soligorsk (BLR)
Donnerstag, 8. Oktober, 19.00 Uhr: Amriswil – Maaseik (BEL)

Der Thurgauer NLA-Club muss sich vor heimischem Publikum gegen beide Kontrahenten durchsetzen, um die zweite Stufe auf dem Weg in die Königsklasse zu erreichen.

Dass die Wahl des Austragungsorts auf Amriswil fiel, war nicht unbedingt zu erwarten. Angesichts der aktuellen, politischen Unruhen in der ehemaligen Sowjetrepublik Weissrussland nahmen die Amriswiler und die Belgier im Vorfeld der Telefonkonferenz jedoch untereinander Kontakt auf und überstimmten am Ende die Weissrussen, die gerne ein Miniturnier an jedem der drei Standorte ausgetragen hätten. Damit Maaseik zum Spielort Amriswil Ja sagte, habe man kein spezielles Zückerchen verteilen müssen, sagt Peter Bär, Vizepräsident des Thurgauer NLA-Clubs. «Im Volleyball sucht man noch gemeinsam nach pragmatischen Lösungen.» Er sei auch überzeugt, dass die Kostenaufteilung in diesem Fall fair unter den drei Klubs verteilt werde, so Bär. «Obwohl das noch nicht im Detail ausdiskutiert wurde.»

Zur Not nach Winterthur?

Für die Champions-League-Qualifikationsspiele im Tellenfeld wurde der letztmögliche Termin ausgewählt, um bis dahin Zeit im Kampf gegen Corona zu gewinnen. Denn Stand heute müsste das belgische Team Maaseik nach der Einreise in die Schweiz zuerst zehn Tage in Quarantäne, bevor es in Amriswil antreten könnte. So sieht es die Liste des Bundesamts für Gesundheit (BAG) vor. Und gemäss den Abklärungen von Amriswils Vizepräsident Bär sei der Kanton Thurgau nicht bereit, für Sportteams eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen.

Peter Bär, Vizepräsident Volley Amriswil

Peter Bär, Vizepräsident Volley Amriswil

Donato Caspari

In anderen Kantonen sieht das freilich anders aus. Der Berner Fussballklub Young Boys etwa kann den FC Klaksvik ohne Quarantäne-Einschränkungen zur Champions-League-Qualifikation empfangen, obwohl die Färöer-Inseln auf der BAG-Liste stehen. Die Ausnahmeregelung für Menschen, «die aus beruflichen Gründen zu einem unaufschiebbaren Termin in die Schweiz reisen und nicht länger als fünf Tage bleiben» stosse auch beim Kanton Zürich grundsätzlich auf Akzeptanz für Sportteams, wie Amriswils Vizepräsident Peter Bär in Erfahrung brachte. Und so streckt Volley Amriswil bereits die Fühler aus, um die Champions-League-Qualifikation Anfang Oktober notfalls in Winterthur durchzuführen.

Maximal 600 bis 800 Zuschauer in der Tellenfeldhalle

Volley Amriswil, das erst zum zweiten Mal an die Tür zur Champions League klopft, wird aber alles versuchen, um die drei Qualifikationsspiele in der heimischen Tellenfeldhalle durchführen zu können. Vizepräsident Bär sagt:

«Drei solche Topspiele in nur drei Tagen zu erleben, wird in Amriswil wohl für längere Zeit etwas Aussergewöhnliches bleiben.»

Mit dem Corona-Schutzkonzept, das der Klub derzeit ausarbeitet, hoffen die Verantwortlichen, pro Spiel mit Maskentragpflicht zwischen 600 und 800 Besucher in die Tellenfeldhalle lassen zu können (ausschliesslich Sitzplätze). Das wären etwa zwei Drittel der Gesamtkapazität.

Als Hauptprobe für die ganze Organisation und Infrastruktur soll das Testspiel von Amriswils NLA-Team gegen Bühl aus der deutschen Bundesliga dienen. Das findet am Samstag, 19. September, statt. Die NLA-Meisterschaft beginnt für Volley Amriswil am Samstag, 3. Oktober, mit dem Auswärtsspiel gegen Näfels. Das erste NLA-Heimspiel der Thurgauer findet am Samstag, 10. Oktober, gegen Jona statt. Dazwischen liegen die nicht minder wichtigen Champions-League-Qualifikationsspiele.