Wohntürme der HRS in Arbon: «ISOS-Gutachten ist nicht nötig»

Eine Gruppe besorgter Bürger wirft dem Stadtrat beim «Riva»-Projekt Zeitverschwendung vor.

Markus Schoch
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Blick vom See aufs Hotel Metropol, das seit drei Jahren geschlossen ist.

Blick vom See aufs Hotel Metropol, das seit drei Jahren geschlossen ist.

(Bild: Max Eichenberger)

Roman Buff, Max Gimmel und Werner Keller verstehen das Vorgehen des Stadtrates nicht. Dieser gibt ein Gutachten in Auftrag, das die Frage klären soll, ob sich die beiden geplanten Wohntürme der HRS mit dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (ISOS) vereinbaren lassen. «Wir und viele andere in Arbon hätten uns gewünscht, dass es endlich vorwärts geht, so wie es der alte Stadtrat geplant hatte», sagt Keller, der während zehn Jahren für die FDP im Stadtparlament sass.

Max Gimmel, Co-Präsident der FDP Arbon.

Max Gimmel, Co-Präsident der FDP Arbon. 

(Bild: PD)

Im April entschied die damalige Behörde, dass die Bevölkerung im nächsten Jahr über den Gestaltungsplan für das «Riva» abstimmen kann, der die Rahmenbedingungen für den Bau der beiden Hochhäuser festlegt. «Es brauche jetzt einen Grundsatzentscheid», sagte der damalige Stadtpräsident Andreas Balg.

Gutachten wird keine absolute Klarheit schaffen

Dieser Meinung ist auch FDP-Co-Präsident Gimmel, der genauso wie EVP-Präsident Buff nicht im Namen der Partei redet. Für ihn ist die ISOS-Expertise reine Zeitverschwendung und Ausdruck von Entscheidungsschwäche. «Sie ist nicht nötig und wird keine absolute Klarheit schaffen», ob die Wohntürme mit dem Ortsbild kompatibel seien oder eben nicht. «Wir haben dann einfach eine Meinung einer Fachpersonen.» Eine andere komme vielleicht zu einem anderen Schluss.

Roman Buff, Präsident der EVP Arbon.

Roman Buff, Präsident der EVP Arbon.

(Bild: PD)

Vor allem gebe der Stadtrat dem ISOS eine Bedeutung, das es gar nicht habe, kritisiert das Trio. So sei beispielsweise die Schäfliwiese beim Schwimmbad ebenso überbaut worden wie die Parzelle neben dem «Metropol»-Parkplatz gegenüber des Bahnhofs - trotz gegenteiliger Empfehlung im Bundesinventar. Buff sagt: 

«Es kann nicht sein, dass wegen des ISOS jetzt ausgerechnet beim Hotel Metropol die Entwicklung von Arbon ins Stocken gerät.»

Das verstehe niemand, doppelt Keller nach. Er ist wie seine beiden Kollegen sicher, dass eine Mehrheit der Arboner für die beiden Hochhäuser zu haben wäre.

Die Alternative zum «Riva» ist ein Riegel am See

Werner Keller.

Werner Keller.

(Bild: Max Eichenberger)

«Sie sind eine echte Chance, in finanzieller und städtebaulicher Hinsicht.» Denn die Alternative sei, dass die HRS am gleichen Ort genau so baue, wie es die Zone erlaube, was auf einen weiteren Riegel am See hinauslaufe. «Das kann niemand wollen», sagt Keller. Für die Gruppe besorgter Bürger wäre es deshalb fatal, wenn der Stadtrat mit Hinweis aufs ISOS den «Riva»-Gestaltungsplan am Schluss gar nicht erst zur Abstimmung vorlegen würde. Gimmel sagt:

«Entscheidend ist, was die Arboner wollen, und nicht was im ISOS steht.»

Das Bundesamt für Kultur dürfte die Sache anders sehen. Es hält fest: «Durch die Aufnahme eines Objekts im Bundesinventar wird dargetan, dass es in besonderem Masse die ungeschmälerte Erhaltung verdient. Ein Abweichen darf nur in Erwägung gezogen werden, wenn gleich- oder höherwertige Interessen von nationaler Bedeutung entgegenstehen.»